MiaMiau 30.11.-0001, 00:00 Uhr 3 9

"Du hast doch 'ne Wette am laufen.."

sagst du während unsere Gesichter sich fast berühren. Ich habe es tatsächlich geschafft an dich heranzukommen, an dich, den Unnahbaren, den Coolen...

Fragend siehst du mir in die Augen, in deinen spiegelt sich das Verlangen wieder. Ich spüre deinen ruhigen, warmen Atem auf meiner Haut und lächle süffisant. "Nein! Wie kommst du darauf..?" Unsere Lippen nähern sich, doch ich halte inne um deine Antwort abzuwarten. "Ich weiß nicht..du warst den ganzen Abend schon so.. anders..ich kann nicht glauben, dass du es ernst meinst.." Du stockst, legst deine Hände auf meine Hüfte und wir geben uns der Begierde hin.

Das Sofa ist ungemütlich, jemand hat eine Zigarette an der Armlehne ausgedrückt und auf dem Boden liegt eine dreckige Socke. Durch die verstaubten Vorhänge der Wohnküche lässt sich das Morgengrauen erahnen. Erste, zaghafte Sonnenstrahlen erkämpfen sich einen Weg durch den dünnen Stoff und tauchen den Raum in warme Farben. Doch für uns beide hat die Nacht erst angefangen. Wir überlegen nicht, vergessen jegliche Vernunft. Einerseits ist da die Vertrautheit, anderseits sind wir uns fremder als je zuvor. Warum tun wir das, wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Vielleicht war es das Bier oder die Tatsache,dass wir den ganzen Abend nebeneinander saßen, lachend und scherzend. Ein verstohlener Blick, eine Hand, die scheinbar versehentlich den Oberschenkel des anderen streifst. Der Raum war voller Leute, vermutlich sitzen sie immer noch dort und trinken, versuchen vielleicht den selbstgebrannten Kräuterschnaps von deinem Kumpel.
Wir haben sie gar nicht mehr wahrgenommen, als ich dein Gesicht durch eine Rauchwolke erblickte, verstand ich. Langsam, mit einem genuschelten "Muss ma' auf Klo.." stand ich auf und verschwand im dunklen Flur. Ich versuchte gar nicht erst den Lichtschalter zu finden, die Dunkelheit reizte mich. Auf dem Boden, an die Wand gelehnt wartete ich. Auf dich. Du hast mich nicht enttäuscht. Diesmal nicht.

Du beugst du dich über mich und lächelst. Wir sind nackt. Du öffnest den Mund, weißt jedoch nicht wie du es mir sagen sollst.
Soll ich mit dir schlafen? Mit der Person, die mich damals so verletzt und enttäuscht hat? Ich war dir auf einmal einfach egal. Oder du hattest nicht den Mumm es mir zu sagen. Entschuldigt hast du dich nie.
"Nein." sage ich. Meine Stimme zittert ein wenig.
"Nein." sagst du und küsst meine Stirn.
Stumm liegen wir nebeneinander, genießen die Zweisamkeit und kehren langsam wieder in die Realität zurück.
Ich weiß, dass du dich auch jetzt nicht melden wirst. Alles wird sein wie vorher. Du wirst dich nicht von deiner unwissenden Freundin trennen und niemand wird uns diese Nacht ansehen. Es ist, als hätte es sie nie gegeben. Ein erotischer Traum nach einer durchzechten Nacht.

Als die anderen wach sind packe ich meine Sachen. Es ist 6 Uhr morgens und einige beginnen schon mit dem Aufräumen. Mit einem letzten Kuss verabschieden wir uns. Du schmeckst wie immer und deine Lippen haben kein stück ihrer Zartheit verloren. Nie wieder werde ich diese Lippen berühren, an meinem Hals und am Dekollté spüren. Wir haben uns nichts mehr zu sagen.

Durch die kühle Morgenluft fahre ich nach Hause. Mir läuft eine einzelne Träne über die geröteten Wangen.
Goodbye my lover, goodbye my friend..

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3 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    wie? was ist mit mir?

    26.09.2007, 17:36 von NeonBlond
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    *schnüff*

    26.09.2007, 12:22 von NoBrainer
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