Du fehlst. Manchmal.
Heute fehlst du mir. Dabei habe ich noch fast gar nicht an dich gedacht.
Heute fehlst du mir. Dabei habe ich noch fast gar nicht an dich gedacht. Ich merke nur, dass irgendetwas anders ist, dass irgendetwas nicht zu stimmen scheint, und es ist so leise da, dass ich es kaum wahrnehme. Schon gar nicht kann ich es wirklich beschreiben. Aber du fehlst.
Trotzdem muss ich sogar überlegen, wie lange unser letztes, irgendwie doch alles entscheidende Gespräch her ist. Hätte ich mich dabei etwas mehr ins Zeug gelegt, statt meinen letzten Rest Stolz aufzubieten und wäre ich in Tränen ausgebrochen, statt dich meine Wut spüren zu lassen und hätte ich mich wieder einmal für dich verbogen, statt kurzzeitig ich selbst zu sein, vermutlich wären wir noch zusammen. Nur glücklich wäre ich nicht. Hätte einfach nur den Zeitpunkt verschoben, vor dem ich mich so sehr gefürchtet habe, der aber plötzlich mit einer geradezu beängstigenden Geschwindigkeit gekommen war.
Seitdem bin ich auf der Suche nach Zeit, nach vergangener Zeit. Ich lebe einfach so vor mich hin und mit jedem Tag, der vergeht, den ich ohne dich bewältige, rückst du ein Stück weiter weg von mir, ich weiter weg von dir, erringe einen kleinen Sieg, einen Sieg für mich alleine, weil es doch niemanden mehr gibt, gegen den ich kämpfen würde. So lebe ich also weiter, immer weiter, es muss ja schließlich weitergehen, und weiß so recht gar nicht, worauf ich hin arbeite. Die Suche nach kleinen Highlights, die doch jeder ab und zu und zwischendurch braucht, gestaltet sich oft als Zweck des Zeitverstreichenlassens.
Wenn ich mich mal wieder beim Philosphieren über das große WARUM erwische, zwinge ich mich, die Gedanken woanders hin zu lenken. Denn ich werde nie eine Erklärung für alles bekommen, du kannst sie mir gar nicht geben. Du wirst für mich nie jemand Greifbares sein, weder du als Mensch, noch deine Gedanken, noch deine Taten, noch die vielen Sätze, mit denen du mich verletzt hast.
Du bist mir 3 Jahre lang immer wieder entglitten, einfach weggerutscht, unnahbar gewesen. Dann wieder lieb, zutraulich fast, zärtlich. Doch sobald ich mich in einem schönen Moment, ein paar schönen Stunden oder Tagen verlieren wollte, hast du es wieder zerstört, durch einen Satz, einen nicht zugeworfenen Blick, ein Schweigen, an dem Platz für so viel mehr gewesen wäre, ein Vorbeigehen an mir, ohne mich zu berühren.
Ich mochte mich teilweise selbst nicht mehr, habe nicht nur um dich und um uns geweint, sondern mich selbst verloren. Mich verbogen, um dich nicht auch noch zu verlieren. Ich bin gescheitert.
Warum nur fühle ich überdies kaum die erwartete Verzweiflung? Ich werde nicht wach und weiß nicht, wohin mit mir. Ich gehe abends nicht ins Bett und kann wegen dir nicht schlafen. Ich warte nicht auf Anrufe oder SMS von dir. Denn so sehr du mir auch manchmal fehlen magst, tust du es dennoch weniger als erwartet, gefürchtet und bereits erlebt. Und ich frage mich, ob es das jetzt war? Ob ich einfach schon viel geschafft habe und es deswegen nicht mehr so weh tut? Oder gab es gerade in letzter Zeit schon genug zu bewältigen, so dass da jetzt einfach nichts mehr ist, was es zu verarbeiten gibt, weil ich es sowieso die ganze Zeit tun musste? Weil ich sonst meine Gefühle für dich nicht ausgehalten hätte?
Und bei allem, was ich fühle, denke, vermisse, spielt das, was du denkst, was all die Jahre im Mittelpunkt meines Lebens gestanden hat, jetzt keine Rolle mehr. Es darf keine Rolle mehr spielen, ist mir egal, muss mir egal sein, damit ich dieses Mal die Endgültigkeit begreife, die ich doch immer wieder so gerne ignoriere, von mir wegschiebe, rauszögere, hoffend, dass es einfach nicht mehr weh tut ... irgendwann.
Deshalb fehlst du mir einfach weiter, ab und zu, mal mehr, mal weniger, aber dafür meistens leise vor mich hin, wenn ich mich ab und zu dabei erwische, dieses Gefühl wirklich zuzulassen.


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Kommentare
Wow!!
19.08.2008, 21:24 von talentfreiEin echt guter Text! Ich hab mich in so vielen Sätzen, Beschreibungen von dir wiedergefunden... Wahnsinn.
Es geht mir momentan ganz genauso. 4 Wochen ist das letzte Lebenszeichen her. Und meine Energie nicht da, das zu ändern, mal bei ihm anzuklopfen. Ich schaue nach Mails... warte aber schon gar nicht mehr auf eine von ihm. Ich glaube, wenn er mir jetzt schreiben würde, würde mich das auch erstmal mehr ärgern als freuen.
Die Gedanken an ihn werden weniger... verschieben sich auf bestimmte Situationen... und werden doch wieder mit neuen Eindrücken gefüllt, die mit ihm nicht mehr viel gemeinsam haben.
Es funktioniert. Du schaffst das auch :-)
du scheinst aber auf dem weg der besserung zu sein. halte durch !!!!!
31.07.2008, 13:22 von normaLass es zu - das ist ein ganz wichtiges Gefühl. Und: Er wird Dir noch länger fehlen, nicht nur jetzt, sondern auch noch in ein paar Monaten. Nicht immer, aber ganz plötzlich in einem Moment wird das Gefühl da sein. Gibts jetzt immer noch - ganz selten - bei mir. Bestimmte Ereignisse tauchen einfach wieder auf. Ein Geruch - ein Moment - und das Gefühl ist da. Ich versuche, das Schöne darin zu sehen - mich an die schönen Momente zu erinnern OHNE den Rest zu glorifizieren.
30.07.2008, 22:00 von DunnaghWAS du letztendlich an ihm vermisst, versteh ich immer noch nicht - und ich glaub damit bin ich in Deiner Umgebung nicht allein. Vielleicht verstehst du es selbst nicht. Ist das überhaupt wichtig zu wissen WAS es genau ist? Ich denke schon, allein, um zu verstehen, warum du fühlst, wie du fühst.