Dunnagh 05.05.2011, 13:25 Uhr 1 0

Du, Dein Tee schimmelt

Ein Sommerdate

Das Telefon klingelte. Niklas Herz pochte fast schon hörbar. Er drehte die Lautstärke der Musik runter und ging ran. Sofort erhellte sich sein Blick. Sie war dran! Stefan, der sich eben noch in einen Sessel gelümmelt hatte, verdrehte bedeutungsvoll die Augen und begab sich an den Pc. DAS konnte länger dauern.
„Hey, freut mich, Dich zu hören!“, säuselte Niklas ins Telefon. Und auch Steffis Stimme klang nicht weniger bekloppt: „Ja, hey, ich hatte eben…“ (das Herzklopfen war trotz der 60km Entfernung gut zu hören) „… zufällig an Dich gedacht und ähh dachte ich ruf ähhh mal an!?“. Niklas fand das super. Ihm war irgendwie auf eine abstrakte Art und Weise schon klar, dass das alles nicht normal war, aber es war ihm gleichermaßen auch völlig egal.
Das Telefonat dauerte noch etwa 30 Minuten, bis Niklas irgendwann Stefan gewahr wurde, der ihn von Richtung des Computers aus mit dem „Warum bin ich überhaupt hier?“-Gesichtsausdruck strafte und Niklas nutzte die Situation, um sich Steffi gegenüber rar zu machen. „Hmm, Du, sei mir nicht böse, aber der Stefan guckt schon ganz vorwurfsvoll und es wär ja auch echt unhöflich, ihn da jetzt noch länger sitzen zu lassen, ne?“ Er konnte Steffis Gesichtsausdruck fast sehen. Panische Verblüffung, ob sie denn jetzt zu aufdringlich gewesen sei oder ob sie was Falsches gesagt hatte. „Ja, tja, nee, Besuch soll man ja nicht warten lassen, hihi“, versuchte sie zu kontern, als ob es ihr egal wäre. Niklas wusste es besser. Und sie wusste, dass er es wusste. Sie hatten diese Situation schon mehrfach am Telefon gehabt. Manchmal so herum, manchmal mit vertauschten Rollen. Aber es war jedes Mal der andere gleich schockiert. Nach weiteren 5 Minuten waren alle Abschiedsformeln gesprochen, man legte auf. Niklas hatte Sterne im Bauch. Aber nicht so komische rote Riesen, nein. Diese kleinen Glittersterne, die man statt Konfetti umher wirft. Und selbstverständlich lagen die nicht einfach irgendwo herum, nein, sie flogen im Bauch wild umher wie Schnee in einer Schneekugel.
„Solltest Du nicht wenigstens ein bisschen vorsichtig sein?“ Stefan schaute vom Bildschirm hoch und riss Niklas zurück in die Realität, doch der stellte sich doof: „Was, hä? Wieso? Was meinst Du?“ Stefan sammelte mit seiner Armee schnell noch einen Schwefelhaufen ein: „Naja, ihr habt euch ja noch nie gesehen und telefoniert schon, als wärt ihr seit Ewigkeiten zusammen!?“. „Ja und? Ich hab doch schon Fotos gesehen und gemailt haben wir ja auch schon echt viel! Und immerhin: Samstag sehen wir uns ja dann in Oberhausen.“ Er nahm Stefan die Maus weg, drückte Alt-Tab und öffnete den Steffi-Ordner auf seinem Desktop: „Da, schau, die sieht doch super aus!“ Stefans Neutralität war zum Kotzen: „Na komm, sie sieht jetzt nicht scheiße aus, aber… naja, ok halt“. Niklas wusste das, aber er fand das Gesamtpaket eben klasse. Er wollte jetzt auch ganz sicher nicht über Steffis Mittelmäßigkeit reden, daher wechselte er das Thema: „So, mein Zug. Ah, Aufrüstungen schon gebaut, da sind Feinde. Zeit für Level-Up!“

Besagter Samstag. 13:00 Uhr. Noch zu Hause. Niklas: SEHR aufgeregt. Geduscht, rasiert, Deo, ein bisschen was an Gel in die Haare, aber nicht übertreiben, soll ja noch normal aussehen und dann das Lieblings-Shirt schnell trocken fönen. Dann noch dreimal in den Spiegel schauen, was trinken und los geht’s. Die Fahrt ins CentrO hatte noch nie so lange gedauert. Steffi würde mit der S-Bahn aus Essen kommen. Abgemacht war, dass man erst mal durchs CentrO schlendern würde, dann nach Oberhausen in die Innenstadt, um was zu essen und dann wollte man vielleicht noch in Essen auf ein Sommerfest in der Innenstadt. Sein Handy vibrierte neben ihm „S-Bahn pünktlich. Bin unterwegs. Freu mich.“ Die Autobahn war leer, auch er würde pünktlich sein.
Die letzten Meter bis zum Bahnsteig waren die Schlimmsten. Er war sich ja im Grunde sicher, dass das alles sehr toll werden würde, aber was wenn nicht? Naja, die Wahrscheinlichkeit dafür war völlig gering. Die Fotos waren ok, die Gespräche waren super, sein Bauchgefühl stimmte auch. Was sollte jetzt noch schief gehen außer OH MEIN GOTT!

Steffi stand 10 Meter vor ihm und winkte schüchtern. Sie sah aus wie auf den Fotos, aber was war falsch mit ihrer Körperhaltung? Die Schultern seltsam vorgezogen so als wäre sie eben 30 Kilometer mit einem schweren Rucksack mit Anlauf gegen ein Schild gelaufen sei und würde nun überlegen , ob sie sich gerade übergeben müsse. Dabei halt schüchternes Winken.

Niklas schaute an sich herunter. Die lustigen Wolken aus glitzernden Funkelsternen verwandelten sich in einen Kometenregen der Enttäuschung. Mist. Doch damit würde er sich später auseinander setzen müssen. Jetzt war erst mal Steffi dran. Er kontraktierte seine Gesichtsmuskeln derart, dass es einem Lächeln gleich kam und winkte zurück.

Zugegeben: Der Gang durchs CentrO und auch das Essen in Oberhausen waren gar nicht so schlimm. Abgesehen jetzt mal von Niklas Gewissheit, dass dieses Treffen hier das Einzige seiner Art bleiben würde. Moment, gab es da nicht auch einen Film, der so hieß? „Treffen – das Einzige seiner Art“. Nur: wie sollte er das Steffi beibringen? Die lächelte nach wie vor, sprudelte förmlich vor Erzählfreude und trug ihren imaginären Rucksack auch weiter mit sich rum. Hach. Jetzt ärgerte er sich, dass er im Vorfeld so euphorisch gewesen war. Aber das war er immer. Nur machte es das jetzt umso schwerer wieder aus der Situation heraus zu kommen. Um das Ende vorweg zu nehmen: Er würde ihr auf dem Nachhauseweg eine Sms schreiben, dass für ihn der Funke jetzt leider nicht übergesprungen war und man würde dann nicht mehr telefonieren. .
Insgesamt war der Tag auch nicht so schlecht. Er war lediglich nicht „romantic“, aber doch immerhin so gut, dass Niklas und Steffi auch noch gemeinsam das Festival in Essen besuchten. „Magst Du mich noch nach Hause fahren?“. Niklas fühlte sich blöd. Aber da ihm nichts einfiel, was nicht nach einer Ausrede klang, fuhr er sie. Level 1 complete, alles klar. Angekommen. Jetzt noch schnell tschüs sagen und dann kann man schon … „Hey, komm doch noch mit hoch auf ne Cola!“ unterbrach sie seine Gedanken. Und bevor er sich irgendeine Ausrede einfallen lassen konnte, standen sie auch schon vor der Haustür. Level 2. Dann öffnete sich die Tür.

Steffi stolzierte stolz vor in ihre 40qm. Zur linken befand sich eine AWO-Kleidersammlung, die geschickt den Fußboden eines Schlafzimmers verbarg. Die Haustür schloss sich. Der Blick nach rechts wurde frei: Ein ehemalige Hygienezone, die den Namen Badezimmer nur deshalb verdiente, weil es nun mal in der Immobilienwelt keine Namen für solche Zimmer gab. Er hätte das nach dem Anblick des Schlafzimmers vermutlich auch nicht anders erwartet, wenn er genug Zeit gehabt hätte, darüber nachzudenken. Niklas war zu diesem Zeitpunkt sehr froh, dass jahrelange Nebentätigkeit auf dem Wochenmarkt ihn gelehrt hatten, seine fäkalen Bedürfnisse zurückzustellen. Puh. Mit einem Nicken ging es in Richtung des nächsten Zimmers: „Das hier ist das Wohnzimmer!“ sagte Steffi und deutete irgendwie unverständlich bedeutungsschwanger in den Raum. Vielleicht dachte sie, es bedürfe der Erklärung, weil auch hier wieder ein Altkleidercontainer verstreut war. Rechts im Raum eine große Öffnung in Richtung Küche. Niklas sprach zum ersten Mal, seit er die Wohnung betreten hatte: „Du, Dein Tee ist verschimmelt!“. „Ja, äh, das ist, weil ja Sommer ist und dann schimmelt der immer voll schnell!“ Niklas mochte Tee. Und er wusste ziemlich genau, wann Tee schimmelt. Und im Übrigen auch, wann Nudeln mit Tomatensauce ihren nicht-schimmeligen Zustand aufgeben. Der Topf mit den Nudeln stand daneben. Würde man nicht – fiel ihm eben ein – würde man nicht, wenn man jemanden zu sich hoch bittet, der offiziell (noch) ein Date ist, vorher aufgeräumt haben? Oder: Wenn man vorher keine Zeit hatte, aufzuräumen, würde man das Date nicht unter KEINEN Umständen in seine Wohnung lassen?

Dann saßen sie auf der Couch. Niklas klammerte sich an ein leidlich gespültes Glas mit Cola und schaute sich nach wie vor entsetzt die Wohnung an. Irgendwie hatte Steffis Gute-Laune-Motor auch ihren Empathie-Keilriemen reißen lassen, denn entweder sie bemerkte nicht, wie unwohl er sich fühlte und dass er nichts mehr sagte oder ihr war es stumpf egal. Niklas Blick fraß sich gerade in die Schimmelkanne, als ihn erneut Steffis Stimme erreichte: „Wenn Du willst, kannst Du hier auch übernachten.“
Er setzte sein Glas ab, verabschiedete sich nett und fuhr heim. „Horta!“ Fuhr es ihm durch den Kopf. Es war gar kein Film gewesen, sondern eine Star Trek-Folge: "Horta - das letzte seiner Art". Beruhigt fuhr Niklas nach Hause. Die Welt war wieder in Ordnung."Wichtige Links zu diesem Text"
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Kommentare

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  • 0

    teil 6 schon vorbestellt?
    *hibbel*

    der text liest sich - hat aber stilistisch viel zu viele macken, als das ich ihn wirklich gut finden könnte.

    05.05.2011, 13:40 von Der_Misanthrop
    • 0

      @Der_Misanthrop Ja, die Schweine! Erst heißts Juni, dann September. Blöd blöd blöd!

      05.05.2011, 13:56 von Dunnagh
    • 0

      @Dunnagh nich wahr, nich wahr? habsch mir ooch schon uffjerecht. und die special edition war lange zeit n euro billicher als die normale - und ich blödsack hab nich zujegriffen. määähhh

      05.05.2011, 14:44 von Der_Misanthrop
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