zuckerlischen 27.02.2007, 16:42 Uhr 4 4

Du bist noch da. Nur anders, als früher.

Mein Sinn wird mir schon ein klein wenig schwerer, mit allem was ich selber kann und ohne dich verstehe.

Obwohl auf meinem Nachttisch noch dein Foto steht, dass dich nach einem Strandtag mit zerzaustem Haar, Sommersrossen und Sonnenbrand auf deinen Wangen zeigt und ich beim Bäcker Montags extra zwei Vanillehörnchen kaufe, fehlst du mir.
Ich merke ganz deutlich; du bist fort.

Oft ertappe ich mich dabei, wie ich Sonntagabends Spaghetti mit Spinatsoße koche, denn das mochtest du so gerne. Dazu sehe ich den Tatort. Das haben wir schließlich auch immer gemacht, es war schon ein richtiges Ritual geworden. Am liebsten den aus Münster.
Voller Vorfreude haben wir uns darum gekloppt, wer als Erster die Fernsehzeitung lesen darf, um zu sehen, welcher Tatort läuft.
Doch nun bist du nicht mehr da, du bist weg. Weit weit weg. Keiner mehr, der mir am Sonntag die Zeitung aus der Hand reißt und ruft, er wolle zuerst nachgucken.

Immer wenn ich dich besuchen komme, bringe ich dir Blumen mit und esse eine deiner Lieblingspralinen. Du hast mich alleine gelassen, "bist von mir gegangen" sagt man so schön, obwohl das nicht schön ist. Dabei hattest du soviel; Dinge, von denen andere nur träumen können.
Ein riesen Haus, mit Pool und einer Sauna, teure Autos, Geld, Freunde und das wichtigste: mich. Doch meine Liebe konnte dir nicht genug geben.
Du hast sie vermisst deine Eltern. Dein Vater starb bei einem Segeltörn in Australien, da warst du gerade 14. Deine Mutter letztes Jahr Weihnachten. Wir waren zum Ski laufen in St.Moritz, als dein Handy klingelte und man uns erzähle, dass sie friedlich eingeschlafen sei. Wir fuhren sofort nach Hause. Weihnachten war gelaufen.
Oft habe ich versucht dir zu helfen. Ich hab dir zugehört und dich getröstet, oft Nächte lang. Meine kleine Prinzessin hast du mich dann genannt. Doch wo bis du jetzt?
-Mein Prinz, der mich einst mit seinem weißen Pferd durch die Gegend ritt. Meine Krone habe ich immer noch, nur glänzt sie nicht mehr und auch einige funkelnde Diamanten sind schon abgefallen

Ich hoffe, es geht dir wenigstens gut da oben. Du fehlst so, du fehlst beim Einschlafen und beim Aufwachen. Jeden Tag, jede Stunde, jeden auch noch so kleinen, unbedeutsamen Augenblick. Ich versuche weiterzuleben. Ohne dich. Weiter Ja, leben Nein. Denn es geht nicht. Noch nicht. Vielleicht bald. Die Welt, meine Welt wird jetzt schon ein klein wenig leerer, mit jedem Weg, den ich alleine gehe. Mein Sinn ein klein wenig schwerer, mit allem was ich selber kann und ohne dich versteh.

Morgen werde ich dich wieder besuchen. Ich bringe dir Blumen mit, die schönsten Blumen. Ich werde eine deiner Pralinen essen, die du so mochtest und tapfer sein. Doch sobald ich zu Hause bin, werde ich weinen, weil ich dir nicht helfen konnte und ich dich noch immer liebe. Noch dazu ist Morgen Sonntag. Es gibt Tatort, ausgerechnet den aus Münster.

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Kommentare

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    ich schließe mich satine rouge an
    dieser simple, undramatische stil machts gerade so traurig!

    aua.

    30.09.2007, 00:45 von herzgebabbel
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    meine liebe das tut weh auch wenn man den text nur liest und nicht wirklich mitfühlen kann. ich hoffe dass du aber trotzdem im laufe deines lebens wieder lachen singen und springen kannst.. mach weiter es werden auch wieder tage mit sonnenschein kommen :) liebe grüße lisa

    29.05.2007, 13:45 von lisa_sophie
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    wirklich schön und simpel geschrieben,dafür,was für ein thema das ist.hat mich sehr gerührt
    =)

    27.02.2007, 23:03 von satineRouge
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