dontbringtomorrow 30.11.-0001, 00:00 Uhr 9 57

Drei Sekunden, null

Unsere Füße und Hände berühren einander nicht mehr, deine Nähe macht mich nicht mehr ruhig. Wir kommen und gehen nicht mehr zusammen.

Du sitzt mir am Tisch gegenüber und trägst ein Hemd, das ich nie an dir gesehen habe, als es uns noch gab. Wir sind in einem Raum, in der Gruppe, in der wir es immer waren, trinken Punsch und Glühwein und erzählen von neuen Städten. Wir lachen und sind froh, dass wir uns alle trotz der Entfernung an manchen Tagen doch noch haben. Alles ist wie immer und dabei doch so anders. Du sitzt mir am Tisch gegenüber, in diesem neuen Hemd, du sitzt nicht neben mir. Unsere Füße und Hände berühren einander nicht mehr, deine Nähe macht mich nicht mehr ruhig. Wir kommen und gehen nicht mehr zusammen.

Wenn ich dich von der Seite betrachte, kann ich nichts an und in dir sehen. Und auch wenn ich dich nicht direkt anschauen will, treffen wir uns doch. Wir treffen uns und ich schweife von der einen Seite des Raumes in die andere und bleibe in dem Moment an dir hängen, in dem du es auch an mir tust. Ich hafte an deinen Augen und frage mich, wo in all der Zeit dieser Blick geblieben ist, mit dem du mich jetzt ansiehst. Eigentlich möchte ich weitersehen. Ich will gern atmen und kann es nicht. Ich will aufstehen, ohne mich umzudrehen und deinen Blick zu suchen, ich möchte weitergehen können, nicht mehr in geduckter Haltung, ohne mich von deiner Anwesenheit zu vergewissern. Ich will nicht, dass mich drei Sekunden mit dir so aus der Bahn werfen, obwohl ich doch allmählich wieder lerne, geradeaus zu laufen. Ich möchte heilen, gleich und sofort.

Bevor ich gehe und durch die Tür hinaus in den inzwischen kalten, winterlichen Abend trete, drehe ich mich nochmal um und betrachte den mit meinen liebsten Menschen gefüllten Raum. Ich sehe dich an und weiß, dass du angekommen bist, dort, wo du jetzt bist. Und dann gehe ich, ziehe die kalte Winterluft ein und denke daran, dass es jetzt plötzlich nicht mehr zwei Monate sind, die ich ohne dich bin.

Ich bin wieder bei null, stehe wieder am Start und als es losgeht, habe ich kaum Kraft, um loszulaufen. 


Tags: alte Freunde, liebe, Blicke, winter, atmen
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9 Antworten

Kommentare

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    Schöner Text. :) 

    11.02.2016, 14:43 von girlgonetowater
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    Ein Text der berührt. Sehr schön geschrieben! :)

    10.02.2016, 12:04 von .infrathin.
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    schön geschrieben, danke!

    05.02.2016, 20:40 von WeAreNever
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    geile punschline: "Wir sind in einem Raum, in der
    Gruppe, in der wir es immer waren, trinken Punsch und Glühwein und erzählen von
    neuen Städten."

    28.01.2016, 22:23 von libido
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  • 1

    Drei sekunden, null. genau so. fuck.

    20.01.2016, 10:21 von aMericam
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    Wirklich traurig, aber sehr schön und berührend geschrieben.

    19.01.2016, 18:43 von die_annett
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    Das hat mich richtig traurig gemacht. Danke für den Text. Ein schöner Text

    18.01.2016, 13:03 von feinesuesse_xo
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