smoale 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 6

Doch bin ich auch bei dir?

Eine Zigarette, warte, noch eine, dann musst du gehen. Es war schön mit dir, freue mich schon auf das nächste Mal. Verdammt, diese Augen.

„Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick, aber ich glaube an diesen Klick wenn man einen Menschen zum ersten Mal sieht“

Ich lasse mich fallen, laufe durch selbstgebaute Wände, beseitige Barrieren, vertraue dieser anfänglichen Magie. Ich kenne dich kaum, dennoch bin ich mir sicher, dass du mich auffängst. Gespräche über gemeinsame Bekannte, Pläne für die Zukunft, ich verliere mich in deinen Augen. Eine Zigarette, warte, noch eine, dann musst du gehen. Es war schön mit dir, freue mich schon auf das nächste Mal. Verdammt, diese Augen.

Ein Schalter der umgelegt wird mit eingerasteter Tastensperre.

Das nächste Mal ist dann wohl in einem halben Jahr, ich fliege für ein Auslandssemester nach Asien, erkläre ich dir. Doch was für eine Bedeutung hat Distanz im 21. Jahrhundert. Wir versuchen es. Verdammt, ich will dich küssen.

Ich entschließe mich über Weihnachten in die Heimat zu fliegen. Und schon wieder diese Augen. Verdammt, du hast so unglaublich weiche Lippen.  Du entführst mich in eine andere Welt, viel weiter weg als Asien. Eine neue Welt, eine in der die Realität schöner ist als jeder Traum. In zwei Wochen muss ich wieder gehen.

Es täte dir Leid, du sagst du siehst meine Mühe, ich mache nichts falsch, du wüsstest es nicht zu schätzen, hättest gerade eine blöde Phase, außerdem bin ich bald wieder weg, der Druck sei dir zu groß. Dennoch lässt du mich nicht los. Irgendwie passt es schon. Ja, vielleicht auch nicht.

Ich bin inmitten von Menschenmengen, so einsam habe ich mich noch nie gefühlt. Ich mache dir klar, ich möchte keinen Smalltalk, bin kein Lückenfüller, möchte jemanden der genau weiß was er will. Verdammt, ich will dich.

Ich stoße dich weg von mir. Cocktail hier, Zigarette da, bedeutungslose Flirts,  endlose Analysen mit Freunden und was mir am Ende bleibt, sind deine stahlblauen Augen, die mich ansehen, mich anlächeln, mich in eine andere Welt entführen, nicht wissen was sie wollen.

Will den Schalter ausstellen. Will die Sicherung rausziehen. Verdammt, lass mich endlich gehen. Ich bin Tausende von Kilometern von dir entfernt, auf einem anderen Kontinent, in einer anderen Zeitzone dennoch bist du immer bei mir. Bei Nacht, wenn ich auch nach Stunden noch wach liege, bei Tag wenn ich mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Du bist mein Lieblingsfilm, meine ganz eigene Playlist, du bist 1000 Gedanken verpackt in einer Endlosschleife.

Doch bin ich auch bei dir?


Tags: Distanz, Sehnsucht, Enttäuschung, Hoffnung
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1 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Same situation ! Bin auch für ein Auslandssemester weg, in Indonesien.. und ja finde selten Texte wo genau dieses Gefühl so toll beschrieben wird! 

    02.02.2015, 17:24 von Lottinski
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