Carni 31.12.2009, 00:28 Uhr 8 3

Dieses Gefühl

Du lagst neben mir und kehrtest mir den Rücken zu. Ich blickte in die Dunkelheit und mir wurde schlecht.

Als wir nachts aus der Bahn stiegen und du nicht wie selbstverständlich den Weg zu mir nachhause einschlugst, sondern dich noch ins Auto setzen wolltest, da wurde ich wütend. Fahr nicht betrunken, auch wenn du es tust, wenn ich nicht dabei bin. Als du immer noch rumdrucktest, da wurde ich flehend. Als du mir dabei nicht in die Augen sahst, da fühlte ich einen Stich. Aber du liest dich überreden.
Als du auf dem Weg zu mir deinen Arm um mich legtest, weil ich so torkelte, da fühlte ich mich sicher. Auch als du wie so oft meine Hand in deine legtest, weil ich so zitterte, fühlte ich mich geborgen und gemocht.

Als du dich in mein Bett legtest und die Augen schließest, da musste ich lächeln, weil ich wusste, du hattest zu viel getrunken. Als ich mich neben dich legte und mich an dich drückte und du den Arm um mich legtest, da war ich glücklich. Als du einschliefest ohne mir einen Kuss zu geben, da war ich fast ein wenig beleidigt, aber ich schob es auf deine Müdigkeit. Ich war hellwach und gleichzeitig müde. Als ich endlich eingeschlafen war, fühlte ich mich unbehaglich. Als ich immer wieder aufwachte, spürte ich eine Furcht, doch ich wusste nicht, woher sie kam. Ich hatte das Bedürfnis dich immer wieder zu berühren. Als ich dicht an dein Gesicht rückte, um deinen Duft einzuatmen, spürte ich wie mein Herz kurz aussetzte. Was sonst so beruhigend für mich war, machte mich nervös. Als ich wieder in leichten Schlaf fiel, fing ich an zu träumen. Nur diesmal war es nicht schön. Ich träumte von dir. Dreimal hintereinander das Gleiche. Du müsstest sofort los, du könntest nicht länger neben mir schlafen, du hieltest es nicht aus. Als ich aufwachte, hatte ich Angst. Um dich. Und um mich. Als ich deine Umarmung suchte, merkte ich, dass du mir den Rücken zukehrtest. Ich blickte in die Dunkelheit und mir wurde schlecht. Als du mir die Decke wegzogst, wurde ich panisch. Als ich die Augen nicht mehr aufhalten konnte, vergaß ich fast meine Angst.

Als wir am nächsten Mittag aufwachten und du mich anblicktest, wurde mir wieder warm ums Herz und ich verdrängte die nächtliche Angst. Ich schob es auf mein überdurchschnittlich hohes Misstrauen. Doch das Gefühl blieb. Auch als du den Arm um mich legtest, blieb es an mir haften. Ich hielt es neben dir nicht mehr aus, wieder wurde mir schlecht und heiß. Als ich ins Bad ging, setzte das Zittern ein. Es blieb, wie das Gefühl. Als ich mich etliche Zeit später wieder im Griff hatte und mir Kaffee wieder ins Bett kam, konnte ich nicht mehr aufhören, dich anzublicken. Ich suchte deine Augen und versuchte was darin zu finden. Was, weiß ich nicht. Irgendetwas, was meine Angst unbegründet machte. Als du kein Frühstück wolltest, weil du viel zu tun hattest, fühlte ich mich erbärmlich. Es war, als liefe alles in Zeitlupe ab. Du zogst dich an, ich sah dir vom Bett aus zu. Ich konnte meinen Blick nicht von dir abwenden. Ich musterte alles von dir, ich konnte mich nicht satt sehen.

Als du mir an der Tür nur einen Kuss auf die Stirn gabst, war ich enttäuscht. Als ich deinen Arm festhielt, um den vertrauten Geruch deiner Lederjacke einzuatmen, wurde mir schwindelig. Als du dich umdrehtest und gingest, fühlte ich mich allein. Als ich mich im Flur auf den Boden sinken ließ, war das Gefühl wieder da. Stärker als zu vor. Es lies mich nicht los. Als ich mich in mein Bett schleppte, begriff ich: Es war das Gefühl, dich zu verlieren. Dich nicht wieder zu sehen.
Als du am Abend verkündetest, du könnest im Moment keine Beziehung führen, fühlte ich mich einsam.

Ich bin allein.

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8 Antworten

Kommentare

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    Gut.

    31.03.2011, 23:29 von ConneCT
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    schön geschrieben und gut zu lesen gefällt mir:-)

    18.01.2010, 15:44 von summmer
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    schön geschrieben, sehr verständlich

    15.01.2010, 22:46 von Kitty_Kaddi
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    Ich mag, dass das Gefühl, wenn man spürt,dass sich irgendetwas verändert hat, so gut eingefangen wurde. Alles wird im Detail bewertet, immer wieder Hoffnung geschöpft, dass man sich doch täuscht, Stunden laufen in Zeitlupe ab. Und genau das hab ich auch beim Lesen gespürt.
    Mir gefällt nur dieses "allein" nicht.
    Einsam ja, aber allein - nein.

    04.01.2010, 02:04 von Seifenblasen.im.Kopf
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    ja mir gefällt das ende eigentlich auch nicht. & das war auch in der Realität plump.

    04.01.2010, 01:19 von Carni
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    Schöner Text. Jedoch gefällt mir das Ende nicht so sehr. Irgendwie..absehbar. Ein bisschen plump. Es passt nicht so gut zu den vorsichtig formulierten Sätzen vom Anfang.
    Aber hat mir dennoch gefallen.

    01.01.2010, 22:42 von sommersprosse.
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