livefast 30.11.-0001, 00:00 Uhr 4 3

die Zeit heilt alle Wunden (?)

Vom verdrängen, erinnern, vergessen, wiederdurchleben. Dem ganz normalem Chaos des Zeitvoranschreitens.

Die Zeit, die ich ohne dich verbracht hab, ist schwer zu beschrieben. Seit du nicht mehr da bist, wechselt meine Gemütsverfassung stündlich, du warst mein sicherer Hafen und durch dein Verlassen bin ich orientierungslos durch mehrere Phasen geschippert.

Die erste war die schlimmste, die kürzeste, aber schlimmste. Das Heulen, das ständige traurig sein, das Verzweifeln und die Welt nicht mehr verstehen. Ich kam mir vor wie in einer Blase, alle die mir helfen wollten, die mich trösten wollten sind einfach daran abgeprallt. Ich wollte mich einfach suhlen in meiner Trauer, all die Gefühle, die mich so überwältigten, aus mir rausschreien und heulen bis es irgendwann nicht mehr so schrecklich wehtat. Ich hatte eine trotzige „niemand versteht wie schlecht es mir geht“-Attitude und stieß allen vor den Kopf. Ich verzichtete auf Essen, auf Schlaf, auf Sonnenlicht und auf soziale Kontakte, ich hatte das Gefühl nichts würde helfen außer heulen und dies tat ich ununterbrochen.

Aber ich konnte mich wieder aufrappeln und das gab mir wieder Mut auf eine gute Zukunft auch ohne dich und die zweite Phase begann. Die „ohne dich bin ich besser dran“-Phase, die mich unbesiegbar fühlen lies. Ich hörte Lieder über Freiheit, tanzte mit meinen Freundinnen durch die Nacht, machte anderen Männern schöne Augen und ich war mir durchgehend sicher, dass ich dich überwunden hatte. Ich war wirklich der festen Überzeugung du wärst mir egal, zwar tat es einen Stich in meinem Herzen bei jedem Mal, wenn ich deinen Namen las, aber dies zu verdrängen, war deutlich einfacherer als sich der Wahrheit zu stellen. Das war die beste Phase, nur leider merkt man irgendwann, dass man die Gefühle nicht einfach konstant betäuben kann und dass Liebeskummer leider nicht wegtanzbar ist.

Die nächste Phase begann, als ich deinen Status sah. Du mit einer anderen, in der Therme, unserer fucking Therme. Hier waren wir an jedem Jahrestag, seit du mich zu unserem ersten dorthin eingeladen hast. Wir wollten irgendwann mal jede Massage ausprobiert haben, vervollständigst du unsere liste jetzt mit ihr? „Genießen“, schreibst du. All meine Verdrängung war innerhalb von sekundenbruchteilen rückgängig gemacht wurden. All meine Anstrengungen dich zu ignorieren, uns zu ignorieren, mit diesem Schlag ins Gesicht revidiert. Und mein Rückfall begann damit, dass ich dir schrieb. Erst wütend, dann traurig, dann flehend. Ich wollte alles wissen, über sie, über euch, über deine Bewältigung mit uns. Und du sagtest mir die Wahrheit, ich flehte schließlich danach. Du hast dich abgelenkt hast und daraus ist mehr geworden. Ich fragte weiter nach, obwohl ich wusste, dass mir jedes Wort, dass mir über dein Leben ohne mich erzählt, das Messer des Schmerzes tiefer in mein Herz rammt. Ich war kurz davor wieder in meine erste Phase zurück zu fallen, Tränen rannen über mein Gesicht und es kam mir vor als würde ich nie wieder so glücklich sein wie mit dir, nie wieder auf irgendeine erdenkliche Art glücklich werden ohne dich.

Doch dann kam eine Wendung, meine wunderbaren Freunde, von denen du zu wenige hast, holten mich aus meinem Loch.  Am Anfang dachte ich Ablenkung sei die Lösung, doch dies funktioniert nur kurzfristig. Die Lösung ist Verarbeitung, nicht Verdrängung. Die Lösung ist sich des Verlustes bewusst werden und versuchen damit klar zu kommen und nicht nach einem Wiedergewinn oder Ersatz zu streben. Natürlich ist dies einfacher gesagt als getan. Ich redete mit vielen über uns, weißt du das? Ich erzählte viel über unsere guten Tage, die in denen wir so viel lachten bis unsere Bauchmuskeln weh taten, den Tagen am See und am Meer. Aber auch von den schlechten, all den Momenten in denen wir uns gegenseitig bekriegten, in denen wir uns nicht ausstehen konnten und in denen so viele verletzende Worte gefallen sind. Ich erzählte zum ersten Mal die Wahrheit. Kennt deine Neue die Wahrheit über uns?

Leider war dies nicht die letzte Phase. Mir gings gut, Neuanfang ohne Verdrängen, ich fühlte mich hoffnungsvoll. Doch dann kam dieser Kerl, den ich am Anfang gar nicht wahrnahm. Er schaute mich so besonders an, gab mir Sicherheit, gab mir das Gefühl, dass du mir früher gegeben hast und das tat so verdammt gut. Und ich, ich denk wieder an dich. Würde es dir gerne erzählen und wissen, ob du immer noch eifersüchtig wärst wie früher. Würde gerne wissen, ob ich diesen Kerl wirklich mag, oder mich nur nach dieser Liebe sehne, die du mir schon vor Ewigkeiten entzogen hast. Ich sollte über ihn nachdenken und doch stehe ich da und vergleiche euch, denke an dich und kann mich nicht davon lösen. Dabei bist du schon lange wieder vergeben, schon lange über uns hinweg, schon lange nicht rückfällig geworden, oder?

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Tags: Eifersucht, Liebeskummer, Erinnerungen, Verdrängung, Verarbeiten, Abschied
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4 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Mit geht es genauso. Ich kenne die Verdrängungsphase und die Heulphase. Und kein Trost kommt an mich ran. 

    23.09.2014, 20:19 von Truemmersocke
    • 0

      ich drück uns beiden die daumen, dass sich die überschrift irgendwann doch noch bewahrheitet!

      24.09.2014, 05:25 von livefast
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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      Ich geb mir Mühe:) danke!

      23.09.2014, 03:05 von livefast

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