Mewkew 24.04.2010, 15:12 Uhr 0 0

Die WG-Party

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Kurz nach 12 Uhr, nach 6 Stunden im Proberaum in denen einmal mehr klar wurde das ich und die Jungs noch wesentlich mehr Zeit dort verbringen müssen komme ich endlich zu Hause an, in meiner 3er WG am Treptower Park die ich aus Geldmangel bald verlassen werde. Ich geb mir alle Mühe mich schnell an den wichtigsten Stellen zu waschen, rasiere mich, zupf sogar die Augenbrauen in den paar Minuten die ich hab und verlasse nach diesem kurzen Boxenstopp mit neuen Klamotten die Wohnung um ein paar meiner besten Freunde auf einer WG Party zu besuchen, jedenfalls glaube ich das. Schon am S-Bahn Hof nerven die ersten Teenies die gerade abgefüllt den Heimweg antreten und scheinbar schon größere Ausfälle in ihrer geistigen und visuellen Wahrnehmen beklagen müssen, jedenfalls wird von den Halbstarken Jungs alles angesprochen was halbwegs im gleichen alter zu sein scheint, oder nein sagen wir angemacht, oder doch eher abgecheckt. Die kleinen Mädels sind ebenfalls blau und gehen auf die platten Sprüche der Jungs ein, was für ein Fest und das ganze darf ich noch 7 Minuten ertragen bis die S-Bahn vorfährt. Der restliche Weg verläuft relativ ruhig und ist nur mit den gewohnten Berlin-Bei-Nach Accessoires gespickt, schlafenden Alkis, streitenden Türken, Girlgroups in der allerneusten Indimode gekleidet, mit anderen Worten,
nichts ungewöhnliches.

10 Minuten nach 1, endlich geschafft. Ich gehe die Treppen hoch und stell mir schon vor wie ich nach einem langen, harten Tag mit etwas Alkohol und meinen Freunden belohnt werde. Deshalb bin ich eigentlich auch hier um einer Handvoll meiner besten Freunde in Berlin seit mehr als 3 Wochen mal wieder näher als am Telefonhörer zu sein. Schon als sich die Tür öffnet beschleicht mich das dumme Gefühl das daraus vielleicht nichts werden könnte, jedenfalls schaff ich es kaum herein zu kommen durch den ca. 30cm Türspalt der sich keinen Millimeter weiter weiten will. Es ist voll, unglaublich voll, so voll das ich glatt wieder gehen würde wenn ich nicht wüsste das irgendwo hier meine Freunde herumhängen. Ich bin kein Party Gänger, aber in Berlin kommt man nicht umher ab zu doch zu gegen zu sein. Dennoch so viele Menschen auf so wenig M² außerhalb eines Clubs ist selbst mir neu. Okay, ich wurschtel mich also 3 Meter vor bis zur Küche wo es Unglaublicherweise 2 Meter Platz gibt, die mir die Gelegenheit geben mich abzukleiden. Körpergröße hat eigentlich nur nachteile, selbst zum Umziehen braucht man Platz für die Armlänge. Nach 5 Minuten ist auch diese Hürde genommen und ich kann endlich ein bekanntes Gesicht in den Massen ausmachen. Schnell wird sich die Hand gegeben und kurz Hallo ausgetauscht bevor es weitergeht, man will schließlich alle der Freunde begrüßen. Und schon wieder hab ich glück, oder auch nicht, aber gleich im nächsten Raum sitzt die ganze Crew versammelt und ich wähne mich schon in Sicherheit und Erfolgslaune. Als ich den Raum betrete wirft sich mir eine Hormongeschwängerte Wand entgegen und ich komm mir ein bisschen wie auf einem Abi-Ball vor.

Pech gehabt, wie Gorbatschow schon so schön formuliert hat, wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Der Alkohol jedenfalls ist restlos aus seinen gläsernen und blechernen Behältnissen direkt in die Hirne meiner Freunde gewandert. Die können sich mittlerweile wohl nicht mehr daran erinnern mich vor 2 Tagen extra noch angerufen zu haben und das ich unbedingt kommen muss. Mehr als oberflächliche Infos, wie war die Uni, wie läufts in WoW können nicht ausgetauscht werden, da man viel zu sehr mit sich selbst und den umliegenden Mädchen beschäftigt ist. Einer der lieben, guten, tollen Freunde hat im Suff eine andere Freundin etwas rüde auf ihr, in seinen Augen, zu dick aufgetragenes Makeup hingewießen und lamentiert nun vor sich her was er nur machen kann um sich zu entschuldigen. Ich wechsel erstmal die Ecke und begrüße einen sehr erfolgreichen, schauspielernden Freund der gerade in einem richtigen Flow ist und seine Eindrücke als Berliner der in Berlin wohnt, einem nicht mal unhübschen Mädchen, zum besten gibt. Leider bedeutet das für mich aber wieder nur eins, das alle hier auch gut ohne mich auskommen.
Schade, ich kenn die Leute natürlich besser und weiß das es alles trotzdem meine Freunde sind und das man noch oft genug Gelegenheit haben wird sich über wichtige Themen auszutauschen, nur heute Nacht wird leider nichts mehr daraus. Ich knall mich also in eine Ecke, roll eine und fang an lieblos den Qualm in meine Lungen zu ziehen während ich die Frauen etwas genauer unter die Lupe nehme. Wie so oft haut mich das was ich sehe nicht wirklich vom Hocker und ich wende mein Blick zu den Postern im Zimmer, sind wesentlich interessanter ;) Währendessen gehen die Joints herum und ich erlebe es zum erstmal wie es ist, selber zu 100% unstoned zu sein und jedem zu erklären das man aufgehört hat und das sie das Teil ruhig weiterreichen können. 1 Jahr Dauerabfuck war im nachhinein betrachtet genug und das ich aus Künstlertypischen, chronischen Geldmangel aufhören musste finde ich mittlerweile ganz gut.

Als wäre das ganze nicht mehr zu Toppen kommt jetzt auch noch die herein von der ich nicht gedacht hätte das ich sie überhaupt mal wieder sehe, geschweige denn hier auf dieser Party. Aber da steht sie, in voller Lebensgröße vor mir. Ich bin etwas verwundert da ich ihr vor ein paar Tagen geschrieben hatte und die Antwort immer noch auf sich warten ließ. Gut damit wäre die Frage ob sie in Berlin ist ohnehin geklärt. Ich würd gern aufstehen und die 2 meter zu ihr gehen, kurz hallo sagen und dann verschwinden. Aber ich bin nicht der Typ für so was, in solchen Menschenmengen fällt es mir schwer so was anzuleiern, zumal es eine nicht wirklich gute Vorgeschichte bei ihr gibt. Ganz ich selbst, immer noch fast stocknüchtern, oh man und das als Künstler -_-, beschließe ich nun endgültig zu gehen, nach gefühlten 5 Stunden Langeweile, die sich auf 50 Minuten Realzeit komprimieren lassen. Ich verabschiede mich bei allen in reichweite, wozu sie leider nicht mehr gehört, sie hat nun ihrerseits die Zimmerecke gewechselt, zieh mich an, pack mein Dreh-Zeug ein und verlasse die Wohnung. Mr. Kite has left the Building – lol. Im ‚Treppenhaus fasse ich den Beschluss wenigstens noch eine in ruhe zu rauchen, mit nichts als den dumpfen Bässen die durch die Wände hämmern und den Blick auf einen schon sehr vollen Mond. Ich denke an Rafael von meiner letzen Beschäftigung als Cafe Angestellter, ein überaus netter Franzose aus der Schweiz der mir mal verraten hat das manche Frauen aus Prinzip die ersten Annäherungsversuche ablehnen um sicher zu gehen das es dem Balzenden auch erst ist. Also wird das schlechteste Handy der Welt gezückt, irgendein 5 Jahre altes Drecksteil von Sagem, und eine Nachricht verfasst, Kannst du kurz vor die Tür kommen ? Da ich keine franz. Kavalier bin und auch sonst sehr erfolglos bei Frauen die mich interessieren, will ich es einfach nur anständig zu Ende bringen. Ihr sagen das es mir leid tut wie ich mich damals angestellt und was ich gesagt hab. Zwei Minuten ihrer kostbaren Zeit stehlen, mehr nicht.

15 Minuten vergehen und mir wird klar das ich genauso gut warten kann bis sie nach hause geht, also trete ich tief betrübt den Heimweg an. Natürlich ist mir klar das man so etwas nicht erwarten kann, aber das dumme an Gefühlen ist nun mal das sie unkontrollierbar sind und als Künstler hat man, auch wenn man es sich nicht anmerken lässt, leider jede Menge davon. Ganz hilfreich um gute Songs zu schreiben und aber auch supernervig, weil einen schon kleine Rückschläge richtig runterziehen können. Nach einer guten Probe hat man immer ein Hochgefühl, weil es nichts schöneres gibt als gemeinsam zu Musizieren. Doch jetzt bin ich einfach nur noch tot-traurig, wie ein Erstklässler dem man keine Zuckertüte geschenkt hat, eine perfide Vorstellung. Ich würde ihr gern einen Song schreiben, aber sobald ich an sie Denke kommen mir nur schwermütigen Klänge in den sinn, ein langes A-Moll, vielleicht mit angehangenem D-Moll um dann auf F-Dur zu verlängern und mit C-Dur abzuschließen. Aber einen traurigen Song hat sie nicht verdient. Ich bin also wieder allein mit meinem Kopfradio, das nun eine Balladen Partitur nach der anderen anspielt, sind sogar ein paar ganz netten Sachen dabei, aber lieber wäre es mir jetzt ein kahler Stein zu sein der nichts fühlen kann, nicht mal den Regen oder die Kälte von Schnee, nicht mal die Beschleunigung wenn er von einem kleinen wütenden Jungen in die Spree geworfen wird.

Der kleine wütenden Junge, er wird mich nie verlassen, ist es doch meine größte Stärke und mein größtes Laster zugleich. Quell einzigartiger Idee und unerschöpflicher Kreativität aber auch gnadenloser Peiniger der die Seele hinter einem Dunklen Schleier verhüllt.

Ruhig schlendere ich die letzten Meter durch den Treptower Park und werde dabei von den Morgengesängen der rückkehrenden Vögel begrüßt. Ich nehme mir vor das Kapitel Frauen erstmal für lange Zeit auf Eis zu legen und meine Liebe die ich gern mit jemandem teilen würde voll und ganz in die Musik zu stecken. Vielleicht haben so wenigsten irgendwann ein paar andere das Glück ihren Gefühlen freien lauf zu lassen, nachdem ich sie in Songs kultiviert habe.

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