rosen_maedchen 30.11.-0001, 00:00 Uhr 15 40

Die Träumerin

Das Oxymoron des realen Traumes suchend, verlieren wir uns in der Ambivalenz.

Ich erinnere mich nicht mehr, wann zwischen Kindheit und Erwachsenwerden das Glück zu einem Imperativ geworden ist, wann die Leichtigkeit der Schwermütigkeit gewichen ist. Oberflächlichkeit bestimmt das Leben, obwohl man Tiefe sucht und das Gefängnis der unbegrenzten Möglichkeiten hat durchsichtige Wände. Wir versuchen nach den vorbeiziehenden Wolken zu greifen und fassen doch nur ins Nichts. Jeder Mensch ist gezeichnet von seinen Erfahrungen und so sind wir von Grund auf getrennt und doch irgendwie vereint.
Das Oxymoron des realen Traumes suchend, verlieren wir uns in der Ambivalenz. Jeder hofft die innere Leere anders zu füllen, dabei findet man die Erfüllung doch nur im Anderen. Wir sehnen uns nach Verschmelzung, weil sie der einzige Weg ist uns selbst zu entkommen, dabei ist dies doch auch nur eine verdeckte Form von Narzissmus.

Und gefangen in der Melancholie des Vergangenen wirst du mir irgendwann begegnen, im Irrgarten meiner Gedanken. Doch du hilfst mir nicht hinaus, weil du dafür doch zu wenig existierst. Aber deine Anwesenheit wärmt mich, denn allein das Wissen um die Existenz des Glücks macht glücklich, ewig zehrend von einem Moment.
Wir sind ein Luftschloss, bestehend aus Gedanken, ein Fantasiegebilde, zwischen Fiktion und Realität. Trugbild und Utopie, gefangen in einem leeren Dunst; ein Traum, im Versuch des Erfassens, sich auflösend. Und je mehr ich danach greife, umso mehr entfernst du dich aus meiner Sicht.

Wir suchten Vollkommenheit und vergaßen dabei, die Imperfektion lieben zu lernen. Und so gleichen wir den Sternschnuppen, zu denen wir empor blickten, unerreichbar und ein Abbild längst Vergangenem, im Moment des Betrachtens längst verglüht. Traum und Wirklichkeit stehen nah beinander und so ist es nur eine dünne Grenze, die sie trennt. Erst durch Schatten kann der Mensch das Licht wahrnehmen und vergisst dabei, dass alle Farben nur im Kopf gebildet werden.

Wir bauen Staudämme um den Fluss der Zeit aufzuhalten und länger aus den Erinnerungen zu schöpfen. Und doch wird der Staudamm brechen, irgendwann, unter dem Druck der Veränderung, und die Zeit wird die Erinnerung fortspülen, mit und mit. Denn jede neue Entscheidung trennt uns von dem, der wir mal waren und irgendwie so auch von denen, die uns mal kannten, bis der Abgrund unüberbrückbar wird. Die Wolken ziehen weiter und so ist meine größte Angst, dass das, was wir mal waren, vergänglich ist.

Die Schönheit der Dinge liegt in ihrem Ende. Und so bleiben wir wach, an diesem lauen Sommerabend und flüstern uns Bilder der Vergangenheit zu, bis die Metaphern erschöpft sind und wir uns schlafen legen, unter dem Mantel der Nacht.

In der Zukunft ist in ihrem Potential alles möglich und doch nichts wirklich. Und so ist die Luft träge von ungesagten Worten, und während die Zeit wie Wasser durch meine Hände fließt, habe ich nur Augen für die ankommenden Wellen. Allein der Flügelschlag eines Schmetterlings kann alles verändern und Schicksal ist ja eigentlich auch nur ein anderes Wort für Zufall, aus einer anderen Perspektive.

Es sind die Augenblicke der Unendlichkeit, die alles bedeuten. Und vielleicht gibt es dich so wenig, wie es mich gibt und meine Gedanken sind nur ein Schatten von dir. Doch das ist egal, denn die Sonne hat schon begonnen zu sinken.

Und so gebe ich mich dem Traum hin
und lächle bei dem Gedanken, der Gewissheit,
dass wir uns wiedersehen werden,
irgendwann,
ganz zufällig.

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15 Antworten

Kommentare

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    Schön gesagt,  passend getroffen ! Danke dafür

    07.08.2015, 20:21 von Feelfreetobeyou
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    Es sind die Augenblicke der Unendlichkeit, die alles bedeuten.    

    SO SCHÖN!

    27.05.2015, 13:54 von tinitus_
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    Ich kann kann meine Gedanken kaum in Worte fassen. Dieser Artikel ist  nicht perfekt, für die meisten Menschen. Für mich jedoch schon. Deine Worte treffen mich mitten ins Herz, widerspiegeln sowohl meine Gedanken als auch meine innersten Gefühle. 

    Die benutzten Fremdwörter zeigen doch nur, dass Menschen den Artikel aufmerksam lesen. Und nur der, der ihn aufmerksam liest, versteht den Sinn hinter den Worten. ob du den Artikel nun in 10 oder in 100 Minuten geschrieben hast. Ich finde ihn....wunderbar. 

    18.05.2015, 23:46 von petite2212
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    Ich finde den Text toll so wie er ist. Als hättest du einfach den Fluss deiner Gedanken für einen Augenblick aufs Papier gebannt. Und dieser Fluss ist sehr interessant. Hat mich berührt!

    18.05.2015, 20:50 von FrolleinW
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    • 1

      Du hast Recht. Werd ich mir zu Herzen nehmen fürs nächste Mal - Danke!

      18.05.2015, 11:22 von rosen_maedchen
    • 0

      Mir geht es ebenso wie Rico, mir ist der Text insgesamt zu "voll", auch inhaltlich. Macht es ein bisschen schwer zu lesen, finde ich.

      18.05.2015, 15:36 von nennmichalice

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