Die Sache mit der Ex-Liebe
Der Liebe war toll. Emotional gesehen. Für zwei Jahre. Dann war sie weg. Du wolltest ein lebenslanges ICH LIEBE DICH – und einfach nicht begreifen.
Es war einmal gut gewesen, so wie es war, aber eines Tages lag sie neben mir und sie war nur noch Körper. Zugegeben, ein hinreißender Körper, der mich nicht nur zu begehren schien, sie liebte mich auch noch. Ich wusste, dass ich sie verletzte, wenn ich weiterhin Liebe heuchelte, also machte ich Schluss. Ich wollte nicht lügen. Ich sagte, ich wolle andere Erfahrungen machen, suchte die brutalst mögliche Keule heraus, damit sie verstand, aber sie begriff nicht. Sie schluchzte Liebesschwüre und sprudelte Versprechungen heraus, belagerte mich, es war nicht zum Aushalten. Dabei wollte ich einfach nur frei sein, wollte GENAU DAS eben nicht mehr.
Meine Kumpels rieten mir zu, Mensch Alter, du bist ein Idiot, sie liebt dich, über alles, was zögerst du lange? Fette Beute! Ich wollte keine fette Beute, ich wollte nur meine Ruhe vor der Liebe, die ich nicht mehr empfand. Dann trafen deine SMS ein, drei Wochen lang bombardiertest du mich mit Anrufen, Emails, Briefen. Du hast dich richtiggehend aufgedrängt, hast dich mir an den Hals geworfen, hast darum gewinselt, also stimmte ich einem Treffen zu, in der Hoffnung, dass du danach begriffest. Ich setzte absichtlich 22 Uhr an, jede normal getickte Frau wäre sofort stutzig geworden, aber du, du hast richtiggehend gebettelt, von mir vernascht zu werden.
Klar weiß ich, dass ich dich ausgenutzt habe, aber welcher Typ schlägt solche eindeutigen Angebote aus? (Fette Beute, Mensch Alter!) Ich hatte zuweilen anderen Mädchen nebenher laufen, aber der Gedanke, in Notzeiten auf dich zurückgreifen zu können, war keineswegs unangenehm. Keine Verpflichtungen, keine Auseinandersetzungen, kein langes Gefasel. Wenn ich sagte, ich hätte um 22 Uhr Zeit, warst du da. Es war so simpel, du hast es mir so einfach gemacht. Fast könnte ich dich dafür hassen. Aber dazu war alles zu traurig, denn was ich auch tat, ich musste dir weh tun, damit du begreifst.
Ich dachte, irgendwann merkt sie es, sie muss doch spüren, dass nichts mehr zwischen uns funkt, dass die Liebe sich nicht zwingen lässt, dass Gefühle nicht Resultat eines endlosen Belagerungskampfes sind, den man in einer verführerischen Materialschlacht mittels Übermacht gewinnen will. Mit deiner Willigkeit hast du meine Bedenken platt gewalzt, mit deiner Aufdringlichkeit und Bereitschaft, alles zu geben, hast du offene Türen eingerannt, die ich für andere offen hielt, in der aber unverrückbar dein Fuß steckte.
Anfangs dachte ich noch, das kann nicht sein, so einfach gibt sich doch niemand her, aber ein simples "Baby ich vermisse dich!" oder "Kommst du um 22 Uhr zu mir?" genügten, um unbeschwerten Sex mit dir haben zu können. Meine Bedenken hast du zerstreut, mein Gewissen war beruhigt, denn du wusstest ja um die Tatsache, dass ich dich nicht mehr liebte. Wie oft muss dies ein Mann sagen, damit eine Frau es versteht? Einmal? Zweimal? Ein Dutzend Mal? Wie kann es sein, dass du so lange gebraucht hast, um zu kapieren, dass es nur der Sex ist, der uns verbindet? Und ganz ehrlich: Sag nicht, dass es dir nicht gefallen hätte, du wolltest es doch ebenso wie ich.
Ein "Nein, ich will nicht ficken!" hätte genügt. Aber das hast du nicht gesagt. Es stand also ausgeglichen, wir haben uns beide nichts vorzuwerfen. Meine Sehnsucht nach Freiheit wurde durch deine unmissverständliche Bereitschaft bedient. Oft stellte ich mich danach matt und müde, hielt die Augen geschlossen, atmete gleichmäßig mein stummes "Ich liebe dich nicht mehr" aus. Einmal musstest du doch begreifen. Es klappte nicht auf die harte Tour, also wählte ich die sanfte. Die Entwöhnungstour. Ich weiß bis heute nicht, welche Art dir wirklich lieber gewesen, welche weniger schmerzlich für dich abgelaufen wäre, weil du einfach nicht begreifen wolltest.
Und dann hattest du endlich eines Morgens begriffen. Hast endlich in dich hinein gehorcht, meine Körpersprache verstanden, für die Laute aus meinem Mund warst du ja taub. Ich fühlte es in dem Moment, wo du mich betrachtest hattest, es waren Wellen, die du plötzlich aussandtest. Die gleichen Gefühle, die ich spürte, als ich vor deinen dreiwöchigen Liebesbeteuerungen Schluss gemacht hatte.
Ich hatte damals unsere zweijährige Beziehung beendet, weil die Sehnsucht, die ich immer für dich empfunden hatte, nicht mehr da gewesen war. Die Sehnsucht nach dem Gefühl der Liebe. Du warst nicht die Letzte, die mir dieses Gefühl vermitteln würde, davon bin ich nach wie vor fest überzeugt, du bist nicht die Einzige, die dies kann. Woher ich das so besser weiß? Weil ich mir zuhöre, wenn in mir etwas spricht. Wenn die erste Liebe die einzig wahre sein soll, so müssten die meisten Menschen ein armseliges Liebesleben führen.
Ich wartete bis du aufgestanden warst, dich leise angezogen hattest und gegangen warst. Dann atmete ich erleichtert auf. Ich wusste es schon immer. Die Liebe kann man nicht halten, sie ist oder sie ist nicht.
*
Als literarische Vorlage diente der Artikel:
Die Sache mit dem Ex-Sex
Der Sex war toll. Technisch gesehen. Gefühlsmäßig betrachtet: Selbstzerstörung. Ich wollte ein ICH LIEBE DICH. Ich bekam ein BABY DU MACHST MICH SCHARF
von harlem"Wichtige Links zu diesem Text"
Die literarische Vorlage dazu




Kommentare
Super text, aber wenn du wirklich der Typ wärst, könnte ich dich nicht ab! Das ist so typisch Kerl. So ne Rechtertigung dafür, dass wir halt ständig ohne Hirn denken! Als wenn der Kerl das dabei gedacht hat, dass er versucht ihrs auf die "sanfte Tour" beizubringen. ;)
04.02.2007, 20:03 von glatteispogoSorry, aber auch wenn ich die Geschichte aus "seiner Sicht" kenne, wird das Verhalten dadurch nicht besser.
29.10.2006, 15:47 von Taurina"Ein "Nein, ich will nicht ficken!" hätte genügt. Aber das hast du nicht gesagt. Es stand also ausgeglichen, wir haben uns beide nichts vorzuwerfen. Meine Sehnsucht nach Freiheit wurde durch deine unmissverständliche Bereitschaft bedient."
Was für einen miesen Charakter muss der Typ denn haben, um ihre Verzweiflung so auszunutzen?
Um jemandem das AUS einer Beziehung begreiflich zu machen, fallen mir spontan ein paar Dutzend Möglichkeiten ein, die allesamt ehrlicher und anständiger und und sicherlich auch deutlicher gewesen wären.
Ja, der Text hier hat mein Verständnis für sein Verhalten gefördert. Aber eher in Verbindung mit dem leisen Gedanken: "Aha, Männer sind also doch Schweine!"
@Taurina Ja, sind sie. Und dieses Schweinsein entsteht in einigen Fällen unbeabsichtigt und aus Kommunikationsfehlern. Für IHN war das doch klar: Wir sind nicht mehr zusammen, ficken aber ab und zu noch ein bißchen, weil's so schön war. Gibt's doch bisweilen, oder? Ist doch nichts dabei, oder? Wenn es beide wollen ist es doch ok, ODER? Und da hören wir auf , weiterzudenken und geben uns unserem fortpflanzungstriebunterstützten Vergnügen hin.
11.11.2006, 15:51 von QuergedachtDaß wir durchaus imsatnde sind, zu begreifen, was wir bewirken und in einem - manchmal faulen -Kompromiss mit uns selbst stecken, zeigt dieser Artikel.
Kenn ich irgendwoher, diese Gedanken...
Aber: Es kann auch anders ausgehen. Ich hab da schon erlebt, daß aus einer Liebe eine Sympathie und später wieder eine Liebe werden kann....
Wie der Lateiner sagt: Shitus hapensis!
:-)
kann ich mich nur anschliessen.
26.10.2006, 15:11 von gasa26sehr interessant, die geschichte aus "seiner" sicht zu sehen bzw. zu lesen.
mann mann, beim lesen dacht ich noch :"ist das hier der sauhund, der harlem so benutzt hat?"
26.10.2006, 15:05 von Faedaresuper umsetzung *applaudier*
Well done, ZZ!
26.10.2006, 13:28 von KiyanGute Antwort auf die Vorlage! So was ähnliches hab ich mal erlebt und ich hab auch eine ganze Weile gebraucht bis ich meinen Ex verstanden hatte. So ist das eben mit der ersten Liebe. Aber die Erfahrung ist wichtig, denn das Mädel wird sich nie wieder so behandeln lassen. So ist es zumindest bei mir.
26.10.2006, 13:14 von Kwenda.MzuriAlso: toller Artikel!!
LG
Chris