RosieJosie 30.11.-0001, 00:00 Uhr 13 46

Die ominöse Einmischung des Bauchs

"Ich will Fehler machen dürfen", sagte ich. "Du fängst mit dem größten an", meintest Du.

Stäbe brachen, das kleine, geliebte Gefängnis plötzlich offen, Freigang für immer. "Ich will Fehler machen dürfen", sagte ich. "Du fängst mit dem größten an", meintest Du. 

Es geht mir gut, sage ich und meistens stimmt das auch. Doch dann kommt die Nacht, das dumpfe Gefühl und zu laute Musik. Ich weine nicht, weil ich es bereue, sondern weil es mich todtraurig macht, dass ich ohne Dich echter bin. Mehr ich und weniger die, die ich nicht sein will. Die, die ich bei Dir oft war. Die Einzige, die Du akzeptiertest.

Ich trauere um UNS. Nie Seelenverwandte. Aber beste Freunde, die sich liebten. In hundert Dingen einig, in tausenden entzweit. Weil wir immer dachten, wir werden es trotzdem schaffen. Oft Stirn gegen Stirn, oft lachend. Ich von Selbstzweifeln und Fernweh geplagt. Du so oft von Eifersucht und Zorn geblendet. Die verdammte Eifersucht, die wie der dritte Partner zwischen uns stand.

Plötzlich der Satz einer Seelenverwandten, sich einnistend wie ein hässlicher Parasit "Nur Du bist für dein Glück verantwortlich" - Bauchweh, Abstürze, beste Freunde. So viel Wein. Ich will glücklich sein. Sofort! Oder irgendwann.

Als ich beschloss, mich selbst um mein Glück zu kümmern, machtest Du Deines von mir abhängig. Nie wieder könntest du jemanden lieben wie mich, sagtest Du. Dass Du am Tag Deiner Hochzeit wissen würdest, dass eigentlich ich vor Dir stehen sollte. Wir zogen so lange Hand in Hand in verschiedene Richtungen, bis es wehtat. Der Schiffbruch war da, aber ich ließ das geliebte Stück Holz treiben. Ich wollte schwimmen. Mich selbst retten. Nachts wachliegend wünsche ich mir, dass Du es irgendwann einsiehst. Dass unser "Wir" ein einziger großer Kampf war, bei dem immer nur einer siegen konnte.

Dann, irgendwann kam der Punkt, sich stumm und heimlich anschleichend. Der Punkt, an dem sich Bauch und Herz trennten. Der Bauch gewann die leise Schlacht, das Herz litt stumm und kapitulierte. Untrüglich und schon viel zu lange still, entschied er sich, bevor ich es wusste. Er erinnerte mich daran, was mein Herz wollte. Die Welt sehen. Mein Glück jagen. Echt sein. Irgendwann mit Stolz zurückblicken, auf mutige Entscheidungen und gemachte Fehler. DU warst kein Fehler. Und auch mein Entschluss kein Irrtum. 

Einzig die Trauer um das UNS bleibt ein großer Riss des abgerutschten Reißnagels im Poster meines Lebens.



Tags: Trennung, Zweifel, Schmerz, Allein, traurig, Weg
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13 Antworten

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  • 1

    Der langjährig anhaltende Kampf zwischen Bauch und Herz. 

    21.09.2015, 19:25 von Verkatert
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  • 2

    Eifersucht ist die Pest am Arsch einer Beziehung...

    21.09.2015, 15:40 von sailor
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  • 0

    Schön geschrieben! Danke.

    21.09.2015, 14:08 von Anna_Mehl
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  • 1

    Super! Beim letzten Absatz hab ich leichte Gänsehaut bekommen ;)

    17.09.2015, 22:51 von Minimee
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  • 0

    Mag ich!

    28.08.2015, 14:41 von Gedanken.art
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  • 0

    Sehr schön dicht geschrieben, plastische Bilder im Kopf. Und die Herz-gegen-Bauch Geschichte ist auch mal was anderes. Ich mag's. 

    27.08.2015, 18:32 von emozwonull
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  • 1

    kleine nichtige Kritik am Rande - falls es nicht eh schon aufgefallen, und als unwichtig erachtet wurde...:

    Bei dem Satz mit der Hochzeit müsste es "stehen" und nicht "stellen" heißen. 

    Aber das mal nur nebenbei...
    Es ist schön zu lesen, dass solche Geschichten nicht nur einem selbst passieren, und vor allem ist es auch schön zu wissen, dass es trotz Schmerz wirklich GEHT, sich dazu zu entscheiden, sich davon zu trennen.

    Habe ich auch vor ein paar Jahren getan. Und ich hatte immer gedacht, das werde ich nie verkraften. 
    Aber es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Also, nicht den Mut verlieren :) Gut so!

    27.08.2015, 14:17 von Ultravioletta
    • 0

      Danke, glatt übersehen :)


      27.08.2015, 15:27 von RosieJosie
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  • 0

    Oh das kommt mir so bekannt vor :)

    27.08.2015, 12:30 von Comina
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  • 0

    Gefällt mir sehr!!

    27.08.2015, 09:43 von Judith.it
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  • 1

    Das tragische daran ist, dass man manchmal keinen Rettungsring verdient hat. Das ist das Leben, und das geht auch nur ohne Rettungsring.

    27.08.2015, 08:24 von marco_frohberger
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