Suresh3k 21.06.2009, 12:40 Uhr 3 5

Die Natur findet seinen Weg

The link between fuck you, hab mich lieb.

Und dann war da ja noch der Samstag. Ich muss raus. Schnell. Die letzten Wochen waren unerträglich. Da floss viel Alkohol in den Körper rein. Hauptsache nix mehr spüren und vergessen. Und melden werd ich mich auch nicht mehr. 10 Tage schon. Pah! Hab’ ich nicht nötig. Selber Schuld.

Zum Glück gibt es aber noch nette Menschen, die sagen, man solle doch vorbei kommen zum Bier trinken und Dummzeug quatschen. Och, meine zwei Königsdisziplinen. Sozusagen Suresh in seiner Paraderolle als Suresh. Goldene Himbeere verdächtig. Ich höre schon den Applaus und die Jubelrufe. Mit diesem Glücksgefühl und dem guten Gewissen, bald Brad Pitts bester Zechkumpane zu sein, schließe ich die Wohnungstür mit meinem Penis ab. Verdammt, bin ich heute wieder potent! Armin Meiwes, besser bekannt als der „lustige Kannibale von Rotenburg“, hätte seine reinste Freude an mir. Müsste wahrscheinlich die Kettensäge noch mal nachschleifen, so gut sind wir beide drauf.

Bei den netten Menschen angekommen wird sofort und ohne Umwege der Körper dem Alkohol zugeführt. Ich mag es, wenn man gleich zum Punkt kommt. Das hat so was von Rotlichtgeschacher. „Wieviel?“ -„Zwanni. Aber nur mit ohne Gummi.“ - „Ok“. Sätze, in denen alles passt und die Fronten geklärt sind, das ist der Shit, Baby. Ein paar Stunden später will ich aber nach Hause. Irgendwann kommt halt der Punkt, da hat man alles gesagt. Von da ab besteht in der Regel die Gefahr dass die Situation eskaliert. Meinungen gehen auseinander und dann wird’s laut. Und wenn man sich das dann von Außen aus seinem Körper heraus anguckt, sieht das aus wie Unterschichtenfernsehen. So mit den ganzen Alkflaschen, Kippenresten und Schmodder und Rumgepöbel überall. Essen-Kray. Das mag ich überhaupt unbedingt verhindern und laufe, ich glaube, ohne mich zu verabschieden, schnurstracks aus dem Haus; genau wie das verfluchte Schicksal, dass mir unauffällig folgt.

Ungeschickter Weise komme ich auf dem Nach-Hause-Weg an diesem Dreckschuppen vorbei, der in den Bankerkreisen dieser Stadt für seine Abstürze sehr bekannt ist. Und da ich ja so willig und erotisch bin, gehe ich rein. Discoschlampe 3000, yeah! Gott sei Dank sind da Leute, die man kennt und die auch betrunken sind. Man befindet sich sozusagen in schlechter Gesellschaft. Es gibt wie so oft viele schlimme Dinge für umsonst. Das liegt nämlich daran, dass man sich in Geldstadt gerne beweist, dass man mehr von Selbigem hat, den höheren Bonus, die dickeren, haarigeren Eier, den größeren Brustvorhof. Das ist oft ganz herzerweichend, zuzusehen, wie man sich selbst feiert, aber zum Teil auch der totale Scheiß. Egal, Hauptsache Suff und Tanzlokal.

Und dann wurde ich IHR gewahr. Ein Bild von einer Frau, nur in Echt. Blond (steh’ ich auf blond?), so Beine (Gott sei Dank ist sie nicht größer als ich), etwas kürzer bekleidet (Jungs sind so einfach) und lagunenblaugrüne Funkelaugen, in denen kein Schnapskonsum zu erkennen ist (Schade). Ich wage zu behaupten, dass sie eines der schönsten Dinge ist, die ich je geschaut habe; innerhalb der letzten zwei Stunden. Ich bin sehr aufgeregt. Ich spreche sie an und gebe ihr einen Cocktail aus. Mit Schirmchen, Eis und allem Zip und Zap. Guck her, Puppe, alles was Du willst! Ich bin der Typ der Dich total rockt. Das doofe ist aber, dass, wenn man aushält, auch Konversation betreiben muss. Und das ist mit fortgeschrittenem Alkoholkonsum mitunter fatal. Warum kann man nicht mal ausgeben ohne doofes Geschwaller? Einfach: Hier Drink, nimm hin, ich steh da hinten bei meinen Jungens und wenn Du gehen willst, sag bescheid, mein Pimmel und ich kommen mit. Aber so einfach ist das nicht. Ich erzähle Zeug, frage Dinge, lache über meine eigenen, armseligen Witze. Joaa...aber gefühlt hab ich die Situation ganz gut im Griff. Das Problem ist allerdings, dass ihre Themen ständig in Richtung Textilbranche abdriften. Ob ich irgendeine neue Prada-Tasche kennen würde und LaMartina fände sie bei Männern ja extrem geil. Schön. Ich nicht. Weder LaMartina, noch Männer. Nach einer halben Stunde läuft Blut aus allen Körperöffnungen und unter dem Vorwand zu gehen, gehe ich.

Ein wenig schräglagig muss ich jetzt endlich nach Hause. Hat doch keinen Zweck mehr. Alles. Hilfe, diese Frau. Bernadette, das Brot. Draußen auf der Strasse fingere ich an mir rum - bei youporn würde ich mich „public“, „drunk“, „teen“ taggen - aber nicht ganz so exibizionistisch wie Franky die Fickparade, sondern eher stümperhaft in der Hosentasche, weil auf der Suche nach der Schachtel mit den Fluppen. Und dann, in einem Augenblick der Unachtsamkeit, passiert es. Leicht warmes Metall trifft auf stinkendes Epithelgewebe. Ich ziehe die Metallhand aus der Hose. Ungläubig schauen wir uns an. Mein Mobiltelefon und ich. Dann geht alles ganz schnell. Tastensperre weg, Schnellzugriffstaste gedrückt und Zack! warten 160 Zeichen darauf ordentlich rangenommen zu werden. Mobile Gangbang, nur mit mir. Echte Gefühle. Und echte Gefühle nenne ich mal das, was dann aus meinen Fingern flockt. Phrasen, die von ‚vermissen’ reden und auch das doch so schöne, aber leider mittlerweile inflationär angewandte s-Wort mit dem Umlaut in der Mitte findet den Weg in die alkoholgeschwängerten Ergüsse, die meinem Kopf wie eine Flatulenz entweichen. Und da ich ja zwischenzeitlich meine Kippen gefunden und auch aktiviert habe, bin ich beschäftigt, mit schreiben, rauchen und laufen. Leider zu beschäftigt, um vielleicht einmal anzuhalten, nachzudenken und dann das kleine Wunderwerk der Technik mit Schmackes in seine Elementarteilchen zu zerlegen. Aber Nein! Man ist ja lieber betrunken und schreibt Dummdämlichesliebhabzeug an ein super Mädchen, das 5.000 km weit weg ist und dann daumt man lässig auf die Sendefunktion; weg mit dem Rotz!

Herbert Grönemeyer hat mal geplärrt „Männer lügen am Telefon“, doch das ist leider lange her, 1984. Sonst hätte ich nämlich so Sachen geschrieben, wie, dass sie doof sei und ich froh bin, dass sie so weit weg ist; Weh-Tu-Dinge halt. Aber mittlerweile hat sich das Bild des Mannes vom brusthaartoupierten Vokuhila-Opelfahrer zum funky-drei-tage-bärtigen Fußgänger evolutioniert. Und plötzlich darf man Gefühle zeigen. Sogar um 4:00 Uhr morgens und die eigene Zurechnungsfähigkeit spielt erst recht gar keine Rolle. Wo ist denn der Überwachungsstaat von dem alle Computer-Nerd-Spastis immerfort warnen?! Das Mobiltelefon ist dem Stolz sein Tod. Soviel steht mal fest. Aber das raffe ich in dem Augenblick ja nicht, wegen der vielen Scheiße in meiner Birne. Erstmal den Rausch ausmachen.

Gerade bin ich mit einem dumpfen Gefühl aufgewacht. Irgendetwas war gestern. Aber was? Portemonnaie HIER, Hausschlüssel ANWESEND, Blackberry YES SIR! Privatmobiltelefon JAP! Arrrggghh…schön wäre jetzt ein Filmriss. Hab ich aber nicht. Das gibt’s nur in Hollywood oder Babelsberg. Die Erinnerung des nächtlichen Rumgeschreibe schleicht sich atombombenartig in mein Gedächtnis und 10 Tage Stolz sind nur noch ein Haufen Lehman Brothers-Anleihen wert. Im Prinzip war das gestern Abend so, wie damals, beim Zivildienst, als ich meinen Finger in die Friteuse gehalten habe, um zu überprüfen, ob das Fett noch heiß ist: saudämlich.

Etwas Gutes hat die Sache aber, ich bin der Auszeichnung für Dämlichkeit mit der Goldenen Himbeere ein Schritt näher gekommen. Brad Pitt soll schon mal die Würfel rausholen, denn Schach spielen kann ich ganz gut.


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PS: Appropros Stolz und Babelsberg. Vor kurzer Zeit wurde mir zugetragen, dass die Zivi-Band Sportfreunde Stiller eine Unplugged Platte mit dem verheißungsvollen Titel „Unplugged in New York“ herausbringen würden. Ich war schwer begeistert. Hatte ich die Kapelle bisher immer gemieden, dachte ich bei mir „Geil! Also erstmal ein Konzert in New York geben und dann haben die auch noch Fans die da hinfliegen. Ned schlecht.“

Ein paar Tage später vernahm ich morgens im Radio von den Bandmitgliedern persönlich, dass das Konzert in Deutschland stattgefunden hat und zwar in einer New York-Filmkulisse in den Filmstudios Babelsberg. Angewidert habe ich umgehend die CD virtuell von meinem Rechner gelöscht und real im Hausmüll entsorgt. Höchstwahrscheinlich kamen die auf diese kackscheiß Idee, als der Frontspaten der Band, Peter Brugger, mit seinem Kasperkopp nachgeschaut hat, ob das Frittenfett noch heiß ist. So viele SMS kann ich gar nicht schreiben, so stolzlos und beschissen, wie die sind.

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3 Antworten

Kommentare

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    Rund.
    Späte Perle!

    09.02.2010, 02:53 von mezzanine
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      @mezzanine THX. Ganz schön Streng, gute Frau :)

      18.02.2010, 20:54 von Suresh3k
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    nur geil.
    durchweg.

    21.06.2009, 14:07 von frl_smilla
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