Flora_Saindoux 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 2

Die Nächte sind besser jetzt

Eine wahre Geschichte.

Ich fühle mich unfrei. Eingeengt zwischen Räumen und deren Wänden auch wenn, oder gerade weil ich feststelle, dass vier Wände noch kein Haus machen und zwei Herzen noch keine Liebenden. Denn auch reife Zeit hat ihr Ablaufdatum und dann wird sie faulig wie ein gefallener Apfel. Ewiges Warten auf den Startschuss und immerwährendes Laufen im Hamsterrad unserer eigenen Grenzen lässt uns den Moment verpassen, der es uns erlaubt die über die Zeit gereifte Frucht zu ernten und auszukosten. Und bevor ich mich versehe ist es oftmals zu spät.

Ich dachte immer ich würde die Welt ein wenig besser machen. Etwas hinterlassen, an das man sich erinnert, jemand sein, nach dem man Straßen bennent und über den man Bücher schreibt. Ich muss lachen, denn ich bin immernoch hier, wo ich gestern war. Ich habe Hoffnungen platzen und wachsen sehen, habe Liebe gespürt und gegeben, Feuer entfacht und geschürt.
Mein Atem haucht kleine Wolken in den kalten Himmel und jetzt warte ich nicht mehr auf dich, und das ist in Ordnung. Ich habe mich beim Vergessen ertappt. Was bleibt? Stille. Stille über das Gesagte und Schweigen über das Gedachte. Doch durch die löcherne Decke des leuchtenden Sternenhimmels und den trüben Nebel meines Atems dringst du nicht mehr durch. Die Nächte sind besser jetzt denke ich, und schicke einen Gedanken los richtung Westen.

Man sieht Sterne noch, obwohl sie bereits verglüht sind. Vielleicht ist es bei den Menschen genauso und man sieht einige noch lange, obwohl sie insgeheim längst verschwunden sind. Auch wenn das nicht auf alle Himmelskörper zutrifft, so sind verglühte Sterne kurz vor der ewigen Dunkelheit am hellsten und von der Erde aus betrachtet wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt auch am schönsten. Wenn man für einen Menschen glüht, dann drohen daraus Brände zu werden. Feuer, die sich langsam entfachen, später grelle Stichflammen schlagen und letztlich flackern, sodass allein die Konturen des Gegenübers auf Finsternis warten. Wir sind allein in unserer Dunkelheit, glühen jedoch zusammen.

In Büchern suche ich nach uns. Nach geschriebenen Geschichten, die das erlebte besser ausdrücken, als ich es je könnte. Doch alles was ich finde sind schlechte Kopien. Was bleibt sind unpräzise Abzüge mit unscharfen Konturen, die ich selbst nicht nachzeichnen kann.

Verblasste Sterne hinterlassen eben verblasste Bilder.

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