Bluelove 24.04.2007, 13:59 Uhr 7 2

Die Liebe kommt immer anders

Gestern schleichend, heute mit einem Paukenschlag, morgen geht sie und übermorgen kommt sie wieder.

Wie soll ich denn da wissen, wann es die Richtige ist? Die Große, die einzig Wahre?

Als ich das erste Mal verliebt war, so richtig mit Herzrasen und Schmetterlingen im Bauch und dem dringenden Bedürfnis, in allem was ich tat, perfekt für ihn zu sein, da war ich fünfzehn und todsicher, dass er der Mann für's Leben ist.
Hätte mein Leben lediglich weitere drei Monate gedauert, wäre das der Wahrheit sogar ziemlich Nahe gekommen. Ein einziger Blick hat damals gereicht, um zu wissen: den will ich.

Die nächste Beziehung, falls man das mit sechzehn schon so nennen kann, hielt sogar neun Monate - ein Rekord, den ich die nächsten acht Jahre nicht mehr brechen sollte. Als wir ein Paar wurden, kannten wir uns bereits über ein Jahr. Solange hat es gedauert, bis ich glaubte, mir sicher zu sein, dass er der Mann für's Leben ist.

Die Liebe - oder das, was ich dafür hielt - kam immer anders.
Mit achtzehn verliebte ich mich in den Schwarm meiner besten Freundin, man könnte es Liebe auf den ersten Blick nennen. Meine beste Freundin wurde sie erst wieder, als auch diese dritte große Liebe nach einem halben Jahr scheiterte. Allerdings scheiterte sie nicht genug, so dass wir noch zwei weitere Male beschlossen, es miteinander zu versuchen.
Nach dem dritten Versuch ließen wir es sein. War auch besser so, denn da traf ich gerade meine vierte große Liebe und die sollte für immer sein.
Wer weiß, vielleicht wäre sie es gewesen, hätte er mich nicht verlassen.

So ging das, bis ich vierundzwanzig war. Alt genug, um nach Meinung meiner Eltern endlich sesshaft zu werden und mich mit einer vernünftigen Partnerschaft, wie sie das nannten und Kinderplanung auseinanderzusetzen, wie es mein drei Jahre jüngerer Bruder schließlich schon seit drei Jahren tat. Auch mein Opa war der Ansicht, dass ich nun genug Männer verschlissen hätte und er doch ganz gerne noch die Hochzeit wenigstens eines seiner Enkel erlebt hätte.
Ich verwies auf meinen Bruder, der da eine solide Partnerschaft führte und auch heute noch führt und machte mich auf die Suche nach der ich weiß nicht wievielten großen Liebe, die nun endgültig sein sollte.

Ich lernte ihn im Suff in der Disco kennen, während er mit meiner Freundin rummachte und beschloss - einmal mehr: der muss es sein.
Zwei Jahre lang waren wir uns sicher, dann begann auch diese Fassade zu bröckeln. Unsere Interessen waren zu verschieden geworden und nicht mehr vereinbar. Vielleicht war das auch schon zu Anfang so, aber da hatte die rosarote Brille nicht zugelassen, die Zukunftsplanung etwas nüchterner in Augenschein zu nehmen. Nach knapp drei Jahren gingen wir getrennte Wege.

Zufällig traf ich genau zu diesem Zeitpunkt einen Mann wieder, den ich mit neunzehn Jahren kennen gelernt und nie vergessen hatte. Das musste ein Omen sein. Er sah das genauso und weil alles so gut passte und wir nun wirklich alt genug waren und weil es ja irgendwann einfach der Richtige sein musste, wurden wir ein Paar. Und sind es heute noch.

Auch diese große Liebe wird scheitern. Weil er einen ganzen Stall voller Kinder möchte und ich gar keines. Das lässt sich nicht vereinbaren, sagt er. Er kann sich ein Leben ohne Kinder nicht vorstellen.
Ich kann mir ein Leben mit Kindern nicht vorstellen.

Der einzige, der mich versteht, ist der Mann, mit dem ich Pferde stehlen kann. Mein bester Freund. Der Mensch, der alle meine Wünsche, meine Sorgen, meine Abgründe kennt.
Der Mensch, der mich bereits seit einigen Jahren liebt und seither keine andere Frau mehr auch nur angesehen hat.

Wer weiß. Vielleicht ist er ja der Richtige. Die große, die einzig wahre Liebe. Und ich musste nur ein paar Umwege gehen, um ans Ziel zu gelangen.

Dumm nur, dass ich das gar nicht herausfinden will.
Weil ich nicht mehr daran glaube, dass das mit der Liebe tatsächlich noch passieren könnte.

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7 Antworten

Kommentare

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    ...viele (eigentlich alle) deiner artikel sind so gnadenlos ehrlich geschrieben - großartig!
    und deinen schilderungen vom ewigen scheitern kann ich nur zustimmen, leider. bei mir ist es übrigens der große bruder, der in unserer " großfamilie" für nachwuchs gesorgt hat. trotzdem denken meine verwandten das gleiche wie deine wenn es um familienplanung geht, auch wenn sie es mir bisher noch nie direkt gesagt haben.
    viele grüße
    von t*nja

    22.10.2007, 09:56 von tannie
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    Liebe ist wie die Freiheit, wenn man versuchst Sie zu fassen, Sie zu bändigen oswe Sie einzusperren ist Sie auf einmal weg.

    06.05.2007, 14:41 von Viktor
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    haha gut beschrieben :D so gehts mir nämlich auch... "hätt er mich nicht verassen, dann..." haha yaa man sagt ja der beste Mann steckt im besten Freund ! Aba ich mit mein besten freund. neeee das kann ich mir voll nicht vorstellen :/ ich warte auch lieber noch auf meine grosse Liebe... und dir wünsche ich auch noch GAAAAAAAANZ VIEL GLÜCK... der richtige kommt schon bald schon ;)

    05.05.2007, 22:10 von channa
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Wie auch immer du dich entscheiden wirst, ich wünsch dir viel Glück und Stärke. Und die xte große Liebe wird dann die wahre sein.

    25.04.2007, 21:32 von sidra
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    Also ich neige stark dazu, mich immer ehr in 'beste Freundinnnen' zu verlieben, als in irgendwelche Fremden...
    DIe Leute kennt man dann einfach... Ist mir behaglicher als jemanden wildfremden.
    Aber naja!
    Nicht aufgeben.

    24.04.2007, 22:12 von moritz_schlarb
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    ich drücke dir die daumen, dass alles gut endet. ich glaube daran.
    grüße an dich.

    24.04.2007, 21:42 von el_viento
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