Frau_Irma 30.11.-0001, 00:00 Uhr 26 65

Die Liebe in Zeiten des Solala.

Durchhalten.

Ich komm da nicht mehr raus, hörst du.
Auch wenn alles dafür spricht, dass wir es schaffen.
Es wird nicht funktionieren. Ich kann so nicht funktionieren.
Da läuft sicherlich einiges schief bei mir. Aber so bin ich nun mal. Und jetzt strengt es mich an. Unser wir strengt mich an. Dabei hatte ich diesmal Hoffnung. Säcke voller Hoffnung, dass es klappt. Dass wir klappen. Es fing doch so gut an.
Diese Leichtigkeit, der Sommer, deine Küsse, die Überraschungen.
Das alles hat meinen Kopf übertönt. Die dunkle, sonore Stimme der Vernunft, die immer wieder sagte: aber das bist nicht du. Du willst es sein, aber du bist es nicht.
Und das kleine leuchtende Herz, das der Vernunft die Zunge rausstreckte und lauthals schrie: Mach es! Du musst es immer wieder probieren - sonst bereust du den Stillstand irgendwann!
Beide haben Recht, weißt du.
Mein Herz liebt dich. Wirklich.
Es ist verrückt nach dir.
Schlägt und springt und hüpft, sobald es dich sieht.
Aber das kann die Vernunft nicht beeindrucken. Sie sitzt da. Ganz ruhig. Und beobachtet. Sie muss nicht viel sagen. Sie nickt nur hin und wieder zustimmend.
Du hast meine Berge aus Zweifeln und Misstrauen am Anfang einfach bezwungen. Dich nicht abschrecken lassen, bist nicht vom Weg abgekommen. Hast dein Ziel verfolgt: mich.
Und jeden Schritt, den du furchtlos gegangen bist, kam ich dir ein Stück entgegen. Mit Vertrauen und Liebe im Gepäck.
Ich konnte es gar nicht glauben.
Meine Schritte wurden schneller. Mein Herz glücklicher.
Und dann kommt dieser Moment. Du zweifelst.
Du sagst irgendetwas, das zunächst keinen Sinn für mich ergibt.
Etwas, das aber alle Zweifel mit einem Mal aufblühen lässt. Ihnen Nahrung gibt. Ängste schürt. Misstrauen spuckt.
Und es bricht ein. Das wir bricht ein. Mein Halt in dir.
Obwohl es doch gar nichts Schlimmes war.
Obwohl du dich sogar entschuldigt hast.
Du kannst es nicht mehr rückgängig machen.
Du hast der Vernunft eine Stimme gegeben. Dem Zweifel damit Stärke. Nur mein Herz versucht einzig und allein noch zu rudern, zu kämpfen, zu lieben. Alles abzutun. Es freut sich, wenn alle sagen, dass ich mir das alles nur einbilde. Dass aus uns was Großes werden kann.
Ich sehne mich wieder nach Freiheit.
Nach Ruhe. Nach Nicht-mehr-drüber-nachdenken-müssen.
Nichts entscheiden wollen.
Die Vernunft lächelt nur wissend.
Streichelt mein Herz, versucht es zu beruhigen.
Es wird nicht so weh tun, wie du denkst.

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26 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Gefällt mir gut, schön geschrieben.

    30.09.2015, 17:50 von ErikRothe
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  • 0

    genau so.

    16.09.2015, 21:57 von MrMelancholia
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  • 1

    [geht mir schon seit drei tagen im kopf rum, wenn ich auf die startseite blicke und deinen texttitel so halb am unteren ende sehe: dann muss ich an den spanischen fußballulf roberto soldado denken.

    vielleicht hört ja der spuk auf, wenn ich diesen kommentar verfasse?]

    11.09.2015, 14:40 von libido
    • 0

      nö, das bleibt jetzt so.

      11.09.2015, 15:58 von Freyr
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  • 0

    »Mit Tränen in den Augen
    würde man die letzten drei Sätze lesen...«

    Wenn man keine Angst
    vor Hohn & Spöttergift hätte ...

    11.09.2015, 12:04 von Alexander13
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  • 1

    echt schön geschrieben!

    09.09.2015, 21:26 von missraincatcher
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  • 1

    Wow.. Auf den Punkt getroffen! 

    09.09.2015, 20:21 von RainFlowe
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  • 1

    Wunderbar! 

    09.09.2015, 17:31 von Elisanancy
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