Naala 30.11.-0001, 00:00 Uhr 27 45

Die letzten 14 Tage mit dir

So ganz wusste ich nie, was ich für dich fühlen sollte. Der Grat zwischen Liebe und Hass ist schmal und ich tanzte auf ihm herum.

Vierzehn Tage. Die letzten vierzehn Tage dieses Jahres, die letzten Tage mit dir. Ich habe mir verboten, dich mit ins neue Jahr zu nehmen. Zulange bist du schon da, wie ein dunkler Schatten, den ich loswerden möchte und doch schalte ich das Licht nicht aus.

Als du damals das erste Mal vor mir standst, beschloss ich, dass ich dich haben möchte. Wahrscheinlich fing es darum schon so verkehrt an, einen Menschen kann man schließlich nicht „haben“. Was ich bekommen habe? Einen Tanz. Küsse. Und danach viel Drama.

So ganz sollte es 2013 doch noch nicht klappen und ich begann, dich zu vergessen. Bis du am Valentinstag 2014 wieder in mein Leben gestürmt kamst. Deinetwegen lehnte ich einen Studienplatz ab und blieb in Madrid. Plötzlich entwickelte sich alles ganz schnell und ich sollte lernen, warum es manchmal besser ist, nicht zu bekommen, was man haben möchte.

So ganz wusste ich nie, was ich für dich fühlen sollte. Der Grat zwischen Liebe und Hass ist schmal und ich tanzte auf ihm herum. Du hast so viele Dinge getan, die mich verletzt haben. Aber manchmal frage ich mich, ob ich nicht nur auf diese Momente gewartet und bewusst Probleme gesucht habe. Und dennoch kam ich nicht von dir los, obwohl ich es oft versuchte.

Bis du in den Bus gestiegen und zum Flughafen gefahren bist. Einen Tag bevor dein Flug überhaupt ging. Weil du es nicht mehr mit mir ausgehalten hast. An diesem Tag bist du für mich zum Monster geworden, zu etwas wahnsinnig Grausamen. Und der Schmerz und der Schock haben gereicht, um in einem Moment der Zerstörungswut das Band, das mich mit dir verband, endgültig durchzuschneiden. Es war die feige Lösung, es in diesem Augenblick zu tun. Natürlich kann man ein Band, dessen Enden 8000km voneinander entfernt sind, nicht wieder zusammen binden. Diesmal hast du nicht nur zwei Metrostationen von mir entfernt darauf gewartet, dass ich wieder zurückkomme. Die Distanz war mein Selbstschutz.

Ich tue immer so, als hättest nur du die Schuld an allem. Aber ich weiß, dass ich dir oft sehr weh getan habe und das tut mir leid – ich will, dass du das weißt. Also ist doch auch alles zu deinem Schutz, oder nicht? Ich schütze mich vor mir selbst und ich schütze dich vor mir. Vor den Phasen, in denen ich uns zerstören möchte, um dir weh zu tun und mich am Ende selbst an den Scherben verletze.

Ich will dich für mich allein – „Ganz oder gar nicht“, haben wir immer gesagt. Und ich habe festgestellt, dass man einen Menschen nicht besitzen kann.

Ich konnte nie aufhören, mich über die Dinge zu beschweren, die du mir in meinen Augen nicht genügend gegeben hast: Liebe, Geborgenheit, Sicherheit, Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit. Ich war darauf fokussiert, jemanden zu finden, der mir diese Dinge gibt, und vergaß dabei, sie selbst zu geben.

Ich wünschte, ich hätte dich von ganzem Herzen lieben und es dir täglich zeigen können. Ich wünschte ich wäre unkomplizierter und dafür verständnisvoller. Ich wünschte, ich wäre deine „Perfect Love“ gewesen. Das wünschte ich mir von ganzem Herzen und es ist wahnsinnig schwer, all die Hoffnungen und Träume los zu lassen.

Jetzt wünsche ich mir, dass du eine Frau triffst, die deine „Macken“ nicht nur akzeptiert sondern mag. Weil sie erkennt, dass sie das sind, was dich ausmacht. Ich wünsche mir, dass du mich vergisst und wahnsinnig glücklich mit ihr wirst. Dass ihr zusammen in deiner Wohnung in Santo Domingo lebt und viele kleine Michels im Hof herum toben. Vor allem wünsche ich mir, dass ich all das irgendwann vollkommen aufrichtig behaupten kann, ohne tausend Stiche der Eifersucht zu spüren. Ich denke, dass du all dies verdienst und ich möchte es dir geben, auch wenn ich selbst es nicht geben kann.

Die letzten vierzehn Tage. Ich lasse dich gehen, jeden Tag ein kleines Stück. Bis wir beide endlich wieder frei sind. 

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27 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Oh, interessant.

    06.01.2015, 21:29 von M.Tubia
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  • 2

    Wunderschön. Deine Situation kenne ich nur zu gut. Er hat es geschafft, hat eine neue liebe und wird bald Vater werden. Das was "wir" eigentlich wollten. "wir" ist schon fast 2 Jahre her und trotzdem tut es weh, irgendwie. Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Sowas ist nie leicht, aber es wird gehen. Glaub mir. :)

    29.12.2014, 15:52 von emmeline
    • 0

      Danke, die wünsche ich dir auch. Wenn einen so etwas kalt lassen würde, liefe ja auch was falsch. 

      09.01.2015, 21:22 von Naala
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  • 0

    Borderline macht traurig und einsam...

    22.12.2014, 08:47 von Slitbrain
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  • 1

    Das ist das schönste, was ich seit langem hier gelesen habe!
    Danke, dass du das mit uns teilst.

    22.12.2014, 00:06 von MelliMelson
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    • 0

      Ich würde sagen so mittel...meistens aus den Sparten Liebe, Gesellschaft oder Erwachsen werden :)

      23.12.2014, 21:33 von MelliMelson
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  • 1

    Hey Naala! Deine Zeilen haben mich wirklich sehr berührt! Leider bin ich nicht so stark wie du.schon seit längerem sollte ich diesen Schritt wagen und stehe auch kurz davor. Aber auch dieses mal werde ich es wohl nicht schaffen. Ich wünsche dir für deine Zukunft alles gute!

    20.12.2014, 04:03 von Lizlis
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  • 2

    Oh mein Gott, das trifft mich genau ins Herz. Wie wahnsinnig schön und berührend.

    Loslassen ist so unfassbar schwer, weil man weiß dass es anders wird aber nie wieder so wie es einmal war. 

    19.12.2014, 20:35 von josefinelkfld
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  • 4

    Vielen vielen Dank, ihr Lieben! =) 

    Einfach ist das leider ganz und gar nicht. Man muss die Entscheidung jeden Tag aufs neue treffen und hat leider all zu oft "Rückfälle". Man bekommt einen Menschen nicht einfach von einem Tag auf den anderen aus den Kopf und man darf auch nicht zu streng mit sich selbst sein. Natürlich ist man traurig und leidet, das gehört zu dem Prozess dazu. 
    Meine Einstellung dazu ist: "Ich liebe dich, aber ich liebe mich selbst mehr." Wenn dich ein Mensch krank macht, musst du lernen loszulassen. 

    19.12.2014, 20:12 von Naala
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  • 1

    Jetzt hab ich mich extra hier registriert, um zu kommentieren (das ist ein großes Lob an dich!). Hatte echt Gänsehaut beim Lesen, es ist, als hättest du all das aufgeschrieben, was ich mir schon so lang nicht eingestehen will. Jeden Tag versuch ich das, und nie will es klappen. Wie schafft man das...? Aber ich hab auch bald die Möglichkeit einer feigen Lösung. Aus den Augen, aus dem Sinn - funktioniert das tatsächlich? Auch wenn das Herz an jemanden gebunden ist wie an einen Fleischwolf, der es so lang zerstört, bis nichts mehr da ist, um den Kummer zu fühlen?

    19.12.2014, 20:04 von Charlie
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      Charlie, 'aus den Augen - aus dem Sinn', das funktioniert nicht. Zumindest bei mir nicht.
      Wir haben unsere Fernbeziehung beendet, das ist fast drei Jahre her. Uns in den drei Jahren .. drei, vier Mal gesehen. Hilft alles nichts.

      29.12.2014, 07:44 von nirgendsueberall
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  • 1

    Aber auch ist es ein scheisgefühl jemanden nicht zu lieben,  der dich liebt. Den du zerstörst. Grund genug Schluss zu machen?

    19.12.2014, 16:34 von noisy96
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  • 1

    Dein Text berührt mich sehr. Ich bin genau in der Situation, ich weiß, dass ich jemanden liebe, der mich zerstört. Und dennoch schaffe ich es nicht, es zu lassen, gebe immer wieder nach... Wie schaffst du das?

    19.12.2014, 16:30 von Lola_Fuchs
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