Die letzte Runde einer Beziehung
Keine Tränen, keine Gedanken. Nur Entsetzen darüber, wie fremd wir uns geworden sind.
Noch immer schwer atmend liegst du neben mir und bläst den weiss gräulichen Rauch deiner Zigarette an die Decke meines Zimmers. Ich habe mich in dich eingelegt, deinen Arm fest um mich, meinen Blick deinem Rauch folgend. Bloss nicht dich ansehen. Ich will in die Ferne sehen. Lass uns einfach so tun als gäbe es eine Zukunft. Für dich und für mich und für Uns.
Deine Lippen formen Worte und erzählen mir von deinem Leben ohne mich. Du müsstest viel lernen. Strenges Studium. Egal. Es tut dir leid, dass du dich so wenig meldest. Leere Worte in einem so vollen Raum. Leere Emotionen zwischen zwei so vertrauten Personen.
Du küsst mich auf die Stirn. Drückst meinen Körper noch ein Stückchen dichter an deinen. Mein Kopf passt sich deinem Atem an. Ich kann deinen viel zu schnellen Herzschlag hören. Du fliegst mit mir davon. Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit.
Du warst für mich immer jemand ganz besonderes. Du warst. Ich war. Wir waren. Es war. Wie sehr sehne ich den Tag zurück, an dem du mir deine Nummer zugesteckt hast. Als wir uns das erste Mal getroffen haben und ich dich, wie du mir irgendwann gesagt hast, glücklich gemacht habe. Wie innig wünsche ich, dass du mir noch immer sagst, wie sehr du mich liebst und dass der Moment, in dem du aufstehst und gehen wirst, nie kommt.
Eine weitere grau-weisse Wolke fliegt gegen die Zimmerdecke. Ein weiteres Mal steigt mir der beissende Geruch in die Nase. Ich mag ihn. Ich mag es, wenn du nach Rauch riechst. Ich mag sowieso alles an dir.
Dann schiebst du meinen Kopf von deiner Brust und meinen
Körper von deinem. Du setzt dich an den Bettrand und ich wehre mich nicht.
Versuche nicht zu atmen. Jeder Atemzug hätte dich meine Traurigkeit erahnen lassen. Und du würdest
wohl nicht wieder kommen, würdest du meine Traurigkeit bemerken.
Deine linke
Socke. Du suchst nach deiner rechten. Sie liegt bei deiner bläulich
verwaschenen Unterhose. Ich schliesse die Augen - will dir nicht beim Gehen
zusehen. Versuche meine Tränen zu unterdrücken und mir einzuschärfen, dass ich
nur noch fünf Minuten stark sein muss. Nur noch einen kurzen Moment muss ich dir
beweisen, dass du mir nichts ausmachst.
Du verschwindest aus meinem Zimmer und
holst deinen Mantel. Vollgepackt mit deiner Tasche, den Kopfhörern und deinen
Schuhen kehrst du vor meine Türe zurück. Erst jetzt öffne ich meine Augen. Zum
Glück bist du zu eitel für eine Brille. Zum Glück kannst du nicht sehen was ich
fühle. Ich stehe auf, wie es sich halt eben gehört, und öffne dir die Tür,
durch die du zwei Stunden zuvor erst gekommen bist. Du küsst mich auf meinen linken
Mundwinkel. Dann gehst du. Ich schliesse die Türe.
Noch lange starre ich dir nach. Selbst dann, als ich dich nicht mehr sehen kann.
Keine Tränen, keine Gedanken. Nur Entsetzen darüber, wie fremd wir uns geworden sind. Wie sehr du mich mittlerweile verletzen kannst, ohne es zu bemerken. Ohne zu spüren, dass alles was du machst, das ist, was du nie tun wolltest.
Du wirst wiederkommen. Meine Gefühle werden abstumpfen – wie ein Bleistift, der zu oft auf den Boden gefallen ist. Ich werde irgendwann stark genug sein, dich nicht mehr in meiner Nähe haben zu wollen.
Du wirst dich neu verlieben.
Ich werde mich neu verlieben.
Und bis dahin drehen wir unsere letzten Runden - wartend auf den Stillstand.






Kommentare
einfach nur wow.
07.01.2013, 04:31 von CrunkBallin...was ich nie verstehen werde, ist dieses Versteckspiel mit seinen Gefühlen. Warum muss man jemandem beweisen, dass er einen unberührt lässt? Viele führen dann den Stolz ins Feld. Für mich ist Stolz was anderes als nicht empfindsam gegenüber Menschen zu sein mit denen man viel geteilt hat. Für mich hat Stolz eher mit Aufrichtigkeit zu tun...und damit habe ich persönlich nie schlechte Erfahrungen gemacht.
30.12.2012, 11:36 von LilaKoboldmakiunglaublich gut. zählt für mich zu den besten!
29.12.2012, 20:19 von MerryDscheinhmm ich denke da können einige Parallelen zu sich selbst ziehen. Guter Text, vertrauter Text.
29.12.2012, 13:40 von SneydaEs ist ungerecht:
Wie sich Menschen, die sich lieben, fremd werden.
Mag ich! Ganz klar. Schöner Text.
29.12.2012, 00:42 von unoriginell123musste weinen
28.12.2012, 17:13 von CharlyGuardiansehr berührend!
28.12.2012, 16:23 von wasauchimmerundsoweitergutes ding!
23.12.2012, 22:20 von johnnythunderwundervoll!
22.12.2012, 10:45 von bierschnaps