pOwpOw 29.02.2008, 01:57 Uhr 1 1

Die kleinen Helfer

Ganz unvorhergesehen sind sie plötzlich da und genauso schnell verschwinden sie wieder heimlich still und leise.

In letzter Zeit verhalte ich mich sehr seltsam.
Ich gehe so oft wie es geht vor die Türe, ich gehe Umwege, ich wechsle bei jeder Gelegenheit die Straßenseite, dann bleibe ich stehen und harre aus, schaue mich um und warte. Vielleicht kommt er ja gleich an der Ecke vorbei, aus der Bahn, aus dem Laden dort drüben oder rennt mich über den Haufen. Schnell zum Bäcker vielleicht kauft er gerade Brötchen, schnell zum Kiosk, vielleicht braucht er eine neue Schachtel Zigaretten. Ja, in den Drogeriemarkt wollte ich ja auch noch, - Klopapier kaufen und in den Supermarkt, vielleicht stehen wir ja in der gleichen Schlange an, dicht an dicht gedrängt. Mist, schon wieder zur falschen Zeit am falschen Ort. Wo ist er bloß? Wo treibt er mich hin? -Durch durchströmte Straßen, durch leere Gassen, durch Gedrängel von Menschenmassen, wo nur wo ist er? Was macht er?
Und dabei immer schön cool und gelassen aussehen, 'nen Becher Kaffee zum Mitnehmen und die Kippe für zwischendurch.
Angekommen, Sachen abgelegt, erfolglos die große Suche. Der Moment wäre es auf alle Fälle wert gewesen. Dieser Moment, der wie purer Zufall hätte wirken können, der Moment in dem sich unsere Augen treffen und wir dann schließlich aneinander vorbei gehen würden.
Doch nichts.
Und morgen das Ganze dann noch einmal. Vielleicht.
Ich weiß nicht, wie konnte das geschehen? Und ich weiß nicht genau ob es so etwas gibt, oder ob es an der Zeitumstellung liegt. Ich bin verwirrt und süchtig nach diesem Gesicht, dem Gesicht von vielen in dieser Stadt.
Doch, wenn ich es sehe, erfüllt es mich mit Wärme und gleichzeitig einem gruseligen Schauer, der sich vom Genick an bis runter in die Beine zieht. Aber ich mag es. Es ist spannend.
Ich wache auf mit diesem Gesicht vor Augen und schlafe mit dem gleichen Bild wieder ein.
Es ist schön. Denn manchmal braucht ein Mensch jemanden, den er toll finden kann.
Ich weiß nicht warum, aber es tut einfach gut, wenn man all seine Gedanken auf etwas projezieren kann, nicht mehr soviel über sich selbst nachdenkt und man frei von all dem Bösen da draussen ist, es fühlt sich sogar fast nach Freiheit an.
Mir ist auch völlig bewusst, dass das niemals zu etwas führen wird, es ist eher ein Spiel, bei dem niemals mehr als möglicher Blickkontakt zu Stande kommen wird, aber das ist ok so.
Denn bis das Spiel endet, habe ich mich wieder verliebt und führe ernst zu nehmende zwischenmenschliche Kontakte. Doch derzeit bin ich weit davon entfernt.
Heute ist es Ewan McGregor und morgen vllt. Johnny Depp.
Sie sind die Lückenbüßer, kleine Schwämereien, die uns dabei helfen die Zeit des Alleinseins zu überbrücken.

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Kommentare

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    kenn ich :)
    wirklich schön geschrieben. toller text.

    29.02.2008, 12:20 von lotic.kruemel
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