Theaterlady 01.03.2012, 20:58 Uhr 3 5

Die kleine Seejungfrau in mir...mehr Meer!

Das Leben einer Seejungfrau ist wundervoll. Doch wenn das Herz erwärmt wurde... gibt es nur die Frage: lieben/leben oder einsam/sterben.

Die kleine Seejungfrau in mir

Tropf, Tropf, Tropf. Es gibt so viel Wasser in meiner Welt. Ich liebe das Wasser. Ich liebe den Regen. Ich liebe eine Kalte Dusche an einem heißen Tag. Ich liebe Flüsse, Bäche und das Meer. Ich liebe Tränen, sie zeigen mir dass der Mensch fühlt und schwimmt auf seinen Emotionen, oder in seinen Gefühlen.

Ich liebe dich, doch diese Liebe lässt mich ertrinken. Ich bekomm keine Luft mehr und das was ich liebe wird zur Gefahr. Ich habe nicht mehr die Ruhe mich im Wasser treiben zu lassen. Mir fehlt die Kraft gegen den Strom zu schwimmen. Die Wellen die mich einst sanft umschlungen haben ziehen mich immer weiter in die Tiefe und der Boden ist dunkel, schwarz, kalt und einsam. Ich war eine glückliche Seejungfrau. Doch du hast mein Herz erwärmt und mir gezeigt dass es noch viel mehr Meer gibt. So vieles was mir Unbekannt war.

 Ich bin aus meiner Welt weggeschwommen und habe mich in tiefere Gewässer gewagt. Ich habe mich dabei so sicher gefühlt. Bei dir. Keine Muschel mehr um mich herum, keine Algen die mich festhalten. Du hast mich geerdet. Ich hatte zum ersten Mal festen Boden unter mir.                                 Der Fischschwanz verschwand  und es  wuchsen mir Beine. Ich war eine Frau. Eine erwachsene in deinen Augen, wunderbare Frau. Die Welt dort oben bei dir war faszinierend und neu. Voll mit Farben, Gerüchen. Ein Mann der trotz der Unterschiede meine Sprache sprach. Stundenlang, immer tiefer und tiefer. In den Augen so viel Liebe, Glück und die Erinnerung an zu Hause. Solch eine Verbindung das ich mir nicht vorstellen konnte das dies zu Ende gehen könnte das ich nicht die Deine sein sollte. Eines morgens als du das erste Mal abweisend und doch liebend warst, kam mir die Geschichte in den Sinn die mir meine Großmutter einmal erzählt hatte.:

 „Der Mensch wurde erschaffen. Erst der Mann, dann die Frau. Doch beide aus einem und deshalb gehören sie zusammen. Meine kleine stell dir eine wunderschöne Muschel vor die in zwei Hälften gebrochen wurde und eines dieser Stücke ist ein Teil von dir und das andere eines des Mannes der zu dir gehört. Zusammen ist die Muschel vollkommen und kann ihre Schätze einschließen. Wenn es der richtige ist, wird es passen. Du wirst vollkommen sein, dort ist keine Einsamkeit mehr, jedes Leid wird erträglich und jedes Glück wird ein größeres Glück sein, als du es bis dahin kanntest.“

 Als kleine Seejungfrau suchte ich lange nach der fehlenden Muschelhälfte und fand nur grobe, unförmige, farblose Steine. Die Traurigkeit ließ mich  versuchen diese Muschelstücke mit Gewalt aneinander zu schlagen, doch es wollte nie zusammen passen. Steine attackierten mich und hinterließen tiefe Risse. Meine Muschel war alt geworden, schimmerte kaum noch und war übersät von einschnitten. Durch dich wurde sie schön. Denn in deinen Augen war sie es.

Ich bereue es nicht mit dir geschwommen zu sein. Denn ich habe mich zum ersten Mal ganz gefühlt und war voll mit Glück.

Aber warum kam es so, wie es kam? Hat die böse Seenixe dich verhext? Dir Unkraut in den Kopf gepflanzt, Piranhas auf dich gehetzt oder hast du Angst das ein Hai kommt und du mich verlierst? Deine Sicherheit verlierst. Dein Herz verlierst. Ich habe mein Herz verloren. Ich ertrinke. Du bist nicht da. Du liegst neben einer Erdenfrau. Ich sehe keine Verbindung. Bin ich doch so vernarbt das es für deine Augen nicht möglich ist zu sehen das ich dein bin? Hat ihr schimmern dich vergessen lassen was wir hatten, was wir hätten haben können? Hörst du nicht auch noch die Musik im Ohr. Wo wir waren, war Musik. Ein kleines Orchester in den Tiefen unserer selbst.

Ich hoffe du bist glücklich. Ich hoffe du bist vollkommen. Ich hoffe du spürst nicht das was ich spüre. Ich hoffe du warst nicht wirklich mein zweites Stück vom ganz großen Glück.

Ich sehe euch zwei. Den Dolch in meiner Hand. Ich schmeiße ihn ins Meer und springe ihm nach. Ich bin in meinem Element. So allein wie nie zuvor.  Ich schaue mir meine blasse Haut an. Schaue in den Himmel und warte auf dich. Etwas in mir fehlt. Mein Körper löst sich in Meerschaum auf und steigt gen Himmel. Vielleicht treffen wir uns dort… ich gebe die Hoffnung nicht auf, selbst an diesem Ort der mir bisher fremd war kann ich deinen  Geruch, den Klang deiner Stimme und die Farbe deiner Augen wahrnehmen.


Tags: Michael Ende, Fantasie, Liebeskummer, Sehsucht
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3 Antworten

Kommentare

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    freut mich das euch mein artikel gefallen hat. lieben gruß an alle kleinen seejungfrauen.

    11.04.2012, 22:04 von Theaterlady
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    schön...

    02.03.2012, 01:54 von Vanela18
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    Das ist wunderbar!!Also wunderbar geschrieben. Ich habe genau das gefühlt, vor einigen Monaten. Aber du hast Worte dafür gefunden, die es so unglaublich traurig aber wahr beschreiben...ich mag deinen Text wirklich sehr.

    02.03.2012, 01:25 von Sunny_82
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