AnnieKa 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 0

Die Hochzeit

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Die Hochzeit

»Das hier ist meine Hochzeit. Hallo erst Mal, ich bin Karo. Und, wie ich schon angemerkt habe: Das hier ist meine Hochzeit. Ich bin recht nervös und das ist wahrscheinlich noch untertrieben, ich bin nicht recht nervös, ich bin ein Nervenbündel, wie es im Buche steht. Dabei hab ich sonst die Ruhe weg. Karo, die, die immer einen flotten Witz auf den Lippen hat, die das auch viel lieber tut, also Witze machen, als erst zu sein. Das ist wahrscheinlich auch das große Problem an meiner persönlichen Heiratsmission. Ich muss ernst sein, die Hochzeit ist nämlich etwas ernstes und sie soll ja auch für immer halten, ich will ja nicht als eines dieser lästigen Charityweiber enden, die sieben Scheidungen und zehn Schönheirsoperationen hinter sich haben. Nein, ich will stolz altern und ich will heiraten. Jetzt. Obwohl: Ich muss das ja gar nicht wollen, bin ich doch schon mittendrin in der Misere. Basti heißt er, mein Bräutigam. Also eigentlich ist sein Name nicht Basti, sondern Sebastian, aber eigentlich ist mein Name ja auch nicht Karo, sondern Karolin, aber vom Gefühl her sind wir eben Karo und Basti. Schon seit zweieinhalb Jahren sind wir das, was wir jetzt immer noch sind und was wir mit dieser Veranstaltung besiegeln wollen. Dabei passen wir eigentlich gar nicht recht zusammen. Ich könnte mindestens vierundzwanzig seiner Eigenarten aufzählen, an denen ich mich störe. Er raucht zu viel und in der Wohnung, er geht zu viel aus und ohne mich, er hat komische Freunde und vor meinen gibt er unentwegt mit seinen Jobplänen an, er gluckst komisch beim Lachen und kuckt doof, wenn er mal nicht im Mittelpunkt steht. Aber im Gegenzug könnte er wahrscheinlich auch mindestens vierundzwanzig meiner Eigenschaften aufzählen, an denen er sich stört. Ich bin cholerisch und kokettiere auch noch mit der Cholerik, ich rauche nicht, trinke nicht und bin auch sonst komplett unspannend, null Sophistication in meinem Leben, ich liebe Anglizismen und gebe auch sonst gerne die komplett verblödete Großstadttussi, trotz dass mein Hirn keine Wüste, sondern den reinsten Mind Map Dschungel darstellt, was wiederrum ebenfalls ein Störfaktor wäre. Basti und ich, wir waren uns von Anfang an nicht grün, aber irgendwas zwischen blau und gelb und das ist doch schon mal ein guter Start, haben wir uns gedacht. Unser Kennlernort war kein romantischer Central Park oder der neuste In Club, nein, Basti und ich, wir haben uns im Biosupermarkt getroffen. Ich hab meine Bananenchips, Reiswaffeln und Fairtradeschoki fürs gute Gewissen in den Wagen geschmissen und an der Kasse stand dann mein Zukünftiger vor mir. Er war mir von vornherein zuwider, seine olle Vintagelederjacke, die bescheuerte und viel zu enge Cheap Monday Jeans und sein hässlich schiefes Grinsen beim Kreditkarte ziehen und auf meine Fairtradeschoki zeigend ''Na, fürs gute Gewissen?'' sagen. ''So ein bescheuerter Besserwissersnob'', dachte ich mir und hab dann aber nur ''Und Du, äh, Du wohl auch nur fürs gute Gewissen, wa?'' erwidert. So ein Mist. Ich hätte mich ohrfeigen können und ihn gleich dazu, weil er schon wieder so bescheuert grinste und mir dann seine Handynummer auf einem Kassenbon notiert in die Hand drückte. ''Glaub aber nicht, dass ich Dich anruf!'', hab ich gesagt und mich dann später doch noch bei ihm gemeldet und was dabei rausgekommen ist, das sehen wir ja heute. Gleich bin ich seine Ehefrau. Oh man. Ich sterbe und gleich knicken meine Wackelpuddingbeinchen ein, ich seh's schon kommen. ''Na Püppi'', raunt mein Papa mir ins Ohr, fängt mich gerade so vorm Wackelpuddingbeinchenzusammenbruch auf und wir gehen zusammen zum Altar. Wir gehen nicht, wir schreiten. Ciao Freiheit, war schön mit Dir! Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.«

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