Die Frau mit dem roten Kleid
Sanft schwang sie ihre Hüften hin und her und lächelte mich dabei hinterlistig an. Das war der Unterschied, mich hätte man da nie hinstellen dürfen
Ein Anruf, eine SMS, so fing das ganze Drama an oder vielleicht doch etwas später, aber das ist im Nachhinein egal.
Es war ein herrlicher Sommertag in dieser Kleinstadt, wie ich sie so gerne beschimpfe, denn hier ist alles klein, auch die Hauptstadt.
Wir fuhren hinaus mit einem kleinen Boot, spazierten auf einer fast einsamen Insel herum, genossen die Sonne, das Leben und alles was sonst noch dazu gehörte.
Du und ich, so ganz alleine. So war mir das Leben recht.
Erst später musste ich erfahren, dass das Leben leider doch nicht immer so lieb zu mir war. Wir kamen spät zurück, waren müde, erschöpft vom vielen Laufen, aber ich fühlte mich so wohl.
Lange lag ich in seinen Armen und sagte nichts, lag einfach nur da und dachte nichts, so wie ich es mochte. Doch dann mussten wir los. Die Nacht der Künste, so schimpfte sich das Drama und so schnell werde ich sie wohl nicht vergessen.
Ein Freund hatte mich eingeladen seine Theatervorführung anzusehen und ich hatte zugesagt und so gingen wir. Er mochte es nicht sonderlich wenn ich mich mit anderen Jungs traf, aber bei Mika war es eh egal, der war schwul. Ein lieber Kerl, mit dem sogar er keine Probleme hatte. Anschließend zogen wir weiter, bewunderten Skateboarder die nichts drauf hatten und ihr Können trotzdem zur Show stellten, Künstler die im Schaufenster mit Neonfarben pinselten und ein Konzert einer unbekannten, talentlosen Band.
Dann bogen wir um die Ecke, um die ich lieber nie gebogen wäre. Er wollte die Tanzdarbietung einer Freundin sehen, besser gesagt die seiner Ex, die ich vorher noch nie gesehen hatte.
Er hatte wenig von ihr berichtet.
Und da stand sie nun auf einmal, eine unbekannte Frau in einem roten Kleid und sie tanzte, tanzte um ihr Leben, schwang ihre Hüften und lächelte mich dabei hinterlistig an.
Mir wurde schlecht.
Ich war so gut wie nie eifersüchtig, jetzt war ich es.
Die Frau war ein Traum. Alles was sich ein Mann wünschen konnte. Hübsches Gesicht, eine Traumfigur und hinzukommend gut trainiert und sie lächelte und tanzte weiter, während mein Kopf mich umbrachte.
Ich hätte da nie stehen können. Denn ich konnte weder tanzen noch hätte ich die Leute mit meiner Figur beglücken können.
So standen wir da, meine Hand lag schlaff in seiner Hand und ich blickte ihn flehend an, wie ein kleines Mädchen, das den Weg zum Ausgang nicht kannte und ihn nun suchte.
Er lächelte, doch ich sah seinen Blick, der jede ihrer Bewegungen verschlang.
Sie war hübsch.
Ich ging weiter, konnte ihre höhnischen Blick nicht mehr ertragen und ich merkte wie er mir folgte, langsam und den Blick nach hinten gewandt.
Mein Herz zerbrach dabei und tiefe Wunden meiner Vergangenheit wurden dabei aufgerissen, doch ich sagte nichts. Ich gehöre nicht zu den Frauen die ein riesiges Drama um alles machen, ich schweige.
So sitze ich nun hier, einen Tag später und schiebe gelangweilt meine Müslischale von mir weg. Ich habe heute keinen Hunger, morgen vielleicht auch nicht, aber übermorgen werde ich dann wohl einen Apfel essen.




Kommentare
wow, traurig, schön, emotional, ehrlich, ... ein toller text..
12.03.2010, 22:08 von curlicueEin Text mit Tiefgang
25.10.2008, 12:50 von fool_on_hillDer Schluss ist ironisch gemeint, ich mager doch nicht, dafür esse ich zu gerne ;)
01.09.2008, 08:28 von EineSuchendeWas bitte willst du uns mit diesem Text sagen? Ich verstehs nicht so ganz. Magerst du jetzt ab, um so auszusehen wie die Ex? Obwohl er dich doch so genommen hat, und mag, wie du bist? Irgendwas muß ja an ihr nicht so traumhaft sein, dass sie seine Ex ist, und du die Freundin? Oder? Mehr Selbstbewußtsein bitte.
24.08.2008, 15:54 von Tanea