Diasam 21.02.2011, 15:45 Uhr 4 1

Die Bewohner meines Herzens

„Das Herz ist verräterischer, als sonst irgendetwas und ist heillos“ (Jer. 17:19)

„Pass auf, wem du dein Herz schenkst!“ hat mein Vater immer warnend gesagt, wohl wissend, dass man nicht vorsichtig genug sein kann, wem man es anvertraut.
Doch nur, was man auf Herz und Nieren prüft, kann letztendlich für Gut empfunden werden. Oder eben auch nicht.

Ich habe viele Menschen in mein Herz gelassen. Sie kamen und gingen, manch einer laut, mit Gepoltere und Geschrei, viele aber auch still und heimlich, kaum hörbar. Einige hinterließen Spuren und man lernte sein Herz auszuschütten, um das, was man auf demselben hatte, loszuwerden, um es nicht zu erdrücken. Andere rissen Wunden auf, die wehtaten und Narben zurückließen.
Doch genau diese Narben sind es, die mich daran erinnern, wozu Menschen imstande sind, was ein Herz alles auszuhalten vermag und die mich schließlich zu der gemacht haben, die ich bin.

An Mietnomaden erinnere ich mich. Sie kamen leise, hielten sich lange, stifteten Unruhe in meinem Herzen und hinterließen nichts als Chaos und Unzufriedenheit. Auf dem Schaden blieb ich sitzen, genauso, wie auf dem Stein, der mir so viele Male nicht gleich vom Herzen fiel.
Das Durcheinander blieb noch lange, nachdem der Messi längst weitergezogen war. Tausend Dinge, die mich an ihn erinnern, nicht loslassen und längst Todgeglaubtes versetzt einem urplötzlich wieder einen Stich und das Herz beginnt von Neuem zu bluten.

Andere, kurze Begegnungen endeten weniger dramatisch und hinterließen nur hier und da Spuren ihres flüchtigen Aufenthaltes. Einer Ferienwohnung gleich, wurde das mitgenommen, was zuvor eingebracht wurde und die Zeichen dieses Daseins waren bald vergessen. Nur dann und wann erinnert eine schwach pochende Stelle an diese kurzlebige Liaison.

Zeitweise nahmen sich Ruhelose Unterschlupf, Sprunghafte, die von einem zum nächsten zogen und bald in Vergessenheit gerieten, je bewusster man sich machte, dass die Zuflucht, die man bot, allenfalls als Zweitwohnung in Betracht gezogen und beim geringsten Anzeichen von Ernsthaftigkeit, verlassen wurde. Auf nimmer Wiedersehen.

Was mal eine Lebensgemeinschaft auf Zeit werden sollte, wurde immer mehr zu einer Wohngemeinschaft, deren Mitglieder das Für und Wider ihrer Beziehung abwogen und feststellten, nicht mehr zusammen finden zu können. Es entstand eine Ferne zwischen den Parteien, die weit über die wohnlichen Strukturen hinausging. Als man begriff, wie weit man sich voneinander entfernt hatte, obwohl man sich doch so nah war, war es bereits zu spät. Und das war der Zeitpunkt, an dem ein Teil meines Herzens starb.

Doch dann kamst Du! Ohne mit der Tür ins Haus zu fallen, bahntest du dir einen Weg, der mich direkt ins Herz traf. Lange sahst du dich darin um. In den hintersten Ecken und den verborgenen dunkelsten Winkeln hieltest du dich auf, kramtest stundenlang darin rum, verlorst dich jedoch nie, fandest immer wieder zu mir. Du gabst deiner Eroberung einen neuen Anstrich, räumtest alte Geschichten aus, machtest Platz für Neues, Schönes. Zu meiner Verwunderung bliebst du.
Es vergeht kein Tag, an dem nicht alte Wunden mehr und mehr verblassen, neues Erlebtes den Raum füllt und ich mir nicht wünschte, dass du schon viel eher Einzug erhalten hättest.

Vielleicht wird sie irgendwann zu deiner festen Eigentumswohnung. Den Schlüssel dazu hast du ja bereits.

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4 Antworten

Kommentare

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    Eine schöne Liebeserklärung. Hoffentlich erweist sich der derzeitige Beohner als würdig, vor allem über längere Zeit hinweg. Ich wünsche es Dir.

    18.04.2011, 14:41 von Cyro
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    Solltest nicht "du" die Einzige sein, die dein Herz entrümpelt und saniert?! ;)

    27.02.2011, 14:00 von M00NLIGHT
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    Mir gefallen viele Sätze in diesem Text :)

    26.02.2011, 18:04 von topfbluemchen
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