Der von der Weihnachtsfeier…
Ich wollte Dich, nun habe ich Dich und will Dich nicht mehr!
Wir sind Kollegen, Du der Sozialpädagoge und ich die Buchhalterin. Wir haben uns nicht oft gesehen, aber immer, wenn es soweit war, schauten wir uns an und verschlangen uns fast mit unseren Blicken.
Ich die untypische Büroangestellte – laut, gepierct, tätowiert und Du, der optisch voll in mein Muster passt – größer als ich, Glatze, nettes Lächeln, strahlende Augen.
Du der Single, ich in einer Beziehung. Wir sprachen kaum miteinander, sahen uns meist nur verstohlen an, mit Blicken, die Lust aussagten.
Dann kam unsere Weihnachtsfeier. Oh, was trank ich mir für Mut an – unzählige Gläser Sekt, danach folgte der Whiskey – im Minutentakt. Wir redeten, tanzten und irgendwann sagte ich Dir, dass ich auf Dich stehe – ich habe auch Deine Blicke gespürt. Wir verschwanden auf der Toilette. Doch außer heftiges Geknutsche fand nichts statt.
Einige von uns zogen weiter durch die nächsten Kneipen, doch Du warst verschwunden. Ich habe gar nicht gemerkt, dass Du gegangen bist. Oh man, was war ich betrunken.
Einige Tage später Kontakt und Mails und dann ein Treffen aufm dem Weihnachtsmarkt, während mein Freund seine Weihnachtsfeier hatte. Scheiße war das kalt – um gut auszusehen trug ich meine geliebten Chucks. Bei Minusgraden und Schnee eine verdammt blöde Idee. Wir liefen über den Markt, redeten, tranken Tee, gingen aufs Pfannkuchenschiff, aßen etwas und redeten weiter. Dazwischen immer wieder Küsse und Streicheleinheiten. Du sagtest, Du hättest nicht gedacht, dass ich zärtlich sein könnte.
Wir hatten so eine Lust aufeinander, aber die Vernunft siegte und jeder ging in sein eigenes Bett, mit einem Lächeln im Gesicht.
Silvester trennte ich mich das erste Mal, Du erzähltest mir kurze Zeit später, Du hättest eine Frau kennen gelernt, nahmst mich in den Arm und sagtest: „Schade“. Ich versuchte es noch mal mit meinem Freund – es klappte nicht lang und endete in einem riesigen Drama. Du warst mit der Frau zusammen, durftest von ihr aus keinen Kontakt mehr mit mir haben.
Dann warst auch Du wieder solo. Und wir trafen uns… gingen Karaoke singen, knutschten, redeten, telefonierten…dann warst Du im Urlaub. Wir telefonierten fast jeden Tag, schrieben uns SMS. Du warst noch nicht mal zwei Stunden wieder in Bremen, als Du vor meiner Tür standst. Wir schliefen das erste Mal miteinander. Wir trafen uns immer öfter, am Freitag den 13. Mai waren wir offiziell ein Paar.
Morgen lerne ich Deine Mutter kennen und will es nicht, weil ich Dich nicht mehr will. Du spielst Gitarre – wie romantisch. Du erzählst von Deinen Reisen – wie schön. Du bist ruhig, voller Geduld. Du stehst auf Kultur, Spieleabende, segeln und Lagerfeuer.
Ich bin laut, bunt, ungeduldig und betrinke mich, wenn ich Lust dazu habe. Ich will nicht jeden Tag telefonieren, muss Dich nicht öfter als 2-3 Mal die Woche sehen, bin in der Woche abends kaputt, weil ich um 6 aufstehe, mein Kind wecke, es in den Kindergarten bringe, arbeiten gehe und erst abends wenn das Kind schläft, Feierabend habe. Wenn ich kindfrei habe, will ich feiern gehen, tanzen bis es hell wird, morgens an der Weser ein Bier trinken und dann erst nach Hause gehen. Du bist um drei müde. Ich will Konzerte besuchen, mich dort schweißnass tanzen – es ist nicht Deine Musik.
Du willst bei mir schlafen, ich will allein sein, Zeit für mich haben.
Du hast mich gereizt, als ich in einer Beziehung war, als Du es warst, als ich Dich nicht kannte. Doch nun bist Du mir zu ruhig, zu erwachsen, zu nah, willst zu viel. Redest jetzt schon von der Zukunft, willst hören, welche Pläne ich fürs Wochenende habe, störst die Abläufe, die meine Tochter und ich haben.
Ich bin in den letzten Jahren, die meine Tochter auf der Welt ist, erwachsener geworden, habe Umschulung und Fortbildung mit erstklassigen Ergebnissen hinter mir, habe eine wunderbare Wohnung, mir so viel mit meinem Kind aufgebaut. Doch ich will nicht ganz erwachsen werden. Will keine Beziehungspläne mehr schmieden, niemanden, der sich in Unseres drängt. Will mich nicht entschuldigen müssen, wenn ich allein schlafen will, weil ich traurig angeschaut werde.
Du bist 42 und ich 26 – ich will Dich heute nicht mehr. Der Reiz ist nicht mehr da. Keine heißen Vorstellungen mehr, weil ich weiß, wie es ist, mit Dir zu schlafen. Kein Kribbeln, keine Schmetterlinge mehr.
Ich will laut, bunt und ungeduldig sein! Ich will frei sein! Ohne Dich




Kommentare
11.08.2011, 13:16 von Taneakann ich leider nicht nachvollziehen...
unter anderem, wegen:
um gut auszusehen trug ich meine geliebten Chucks.
Ich will laut, bunt und ungeduldig sein! Ich will frei sein! Ohne Dich
11.08.2011, 12:59 von MisterGambitWärst du 45, würde das Synonym sein für:
"Ich gehe zum Friseur, sag, er soll mal frech schneiden, und rot färben, rooooot. Dann Stiefel über die Jeans und ab ins Capitol sich so einen Sparkassenazubi im After-Work-Angelo-Litrico-Anzug angeln"
ach weeßte, der letzte satz ist nett.
10.06.2011, 20:32 von Ozelotte@Ozelotte der vor-vorletzte. ich glaub ich war betrunken.
11.08.2011, 13:21 von Ozelotte