Der rote Faden.
Eine hoffentlich nüchterne Retrospektive.
Wenn mich jemand nach dem roten Faden, der Stringenz in meinem Leben fragen würde, ich würde ihm die Suche nach Liebe und die damit einhergehende Enttäuschung nennen.
Mein Leben dreht sich um Vieles, die Familie, Freunde, wahrlich auch um die Uni, doch vor allem um die Liebe. Nicht um irgendeine freundschaftliche, nein, um die eine Liebe, die man sucht und nur schwer findet. Um die, die, wenn man sie einmal hat, sich nur schwer ertragen lässt, weil das Gefühl so überraschend stark und plötzlich vor einem steht. Die, die sich auch nur schwer einfangen lässt und noch schwerer zu halten ist. Die eine Chance im Leben, die man nicht verstreichen lassen sollte. Das eine Mal, in dem man seinem Stolz die kalte Schulter zeigt und sich mit dem Kreuz in den Sturm stellt. Die, in der man Dinge tut, die wenig, nein, wohl gar nicht rational sind. Die, bei der man aber auch den Drang nach Rationalität in keiner Weise verspürt. Die, bei der sich die Welt zu einem kleinen Gummiball reduziert und, wie ein Planet um die Sonne, nun um diesen einen Menschen dreht.
Pathetisch? Ganz klar. Alles Schmonz? Vielleicht.
Stellen wir uns auf einen Stuhl, einen Tisch, einen hohen Berg und betrachten die Suche, das Finden und das Verlieren einmal von oben. Ich stieg auf mein Bett.
Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr war ich nie länger als vielleicht drei Monate ohne Partner. Aus den Bubis wurden Jungs, aus den Jungs dann Männer. Die Liebe hatte es mal gut, mal schlecht mit mir gemeint. Mal bot sie mir Pralinen an, mal war sie eine gehässige Schwiegermutter. Und so kamen und gingen die Jahre. Die schönsten Jahre waren die Jahre mit Marc. Eine geistig, emotional und körperlich feste und starke Beziehung. Zu einem flatterhaften Schmetterling zwar, aber dennoch, die Liebe war groß. Meine zumindest.
Und dann ist er gegangen. Ich habe es ertragen müssen, der Schmerz hat nachgelassen, die Liebe ist allerdings geblieben. Ein wenig.
Der Mann ging, viele Männer kamen nach ihm. Und um den Bogen zu dem roten Faden vom Anfang der Geschichte zu schlagen: Sie kommen und gehen immer nach dem gleichen Muster, das mich fragen lässt, was ich wirklich will. Ein Beispiel.
Politikvorlesung. Er sitzt zwei Reihen vor mir. Locker, lässig, wie ein Politikstudent eben so aussieht, mit Mütze und geringeltem Pullover. Prima, denke ich, genau mein Typ. Wie durch Zufall, göttliche Vorbestimmtheit, Glück, oder einfach nur eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, hab ich natürlich kein Feuer, aber er ist ja da. Der Retter und Unterstützer. Manieren hat er auch, denk ich mir, er hat mir ja immerhin die Tür vorhin aufgehalten. Und dann diese Mütze und die dunklen Haare! Toll! Ich bin ein bisschen hin, er bald ein wenig weg, er hat noch eine andere Vorlesung. Schade, denk ich mir.
Eine Woche später, das gleiche Spiel dieselbe Besetzung. Und so geht das ein paar Wochen, bis wir uns mal auf einer Party treffen, durch den Alkohol die Zunge locker und die Sinne verführt. Da ist er wieder, der Retter. Ich bin bei ihm, er in Gedanken bei seiner Freundin. Wir reden lange und intensiv. Ich weiß jetzt mittlerweile auch von seiner Freundin. Tja, so ist das immer, denke ich und lache ihn verlogen an. Wir treffen uns immer mal wieder, reden, verstehen uns, tauschen uns aus. Wir mögen und auch immer mehr.
Die sexuelle Anziehung ist so weit, dass ich alles stehen und liegen lassen würde. Wenn er fragen würde. Er weiß das und ich, dass er es genauso sieht. Also zerreden wir die Sache, wägen die Vor- und Nachteile einer körperlichen Übereinkunft ab und auf und kommen zu dem Schluss, wir mögen uns gern, hätten es auch gerne riskiert, aber, bla, bla.
Eigentlich kommt er zu dem Schluss, ich nicke nur.
Wie immer, denke ich mir. Und ich nicke weiter.
Die Liste ist beliebig erweiterbar.
Das geht seit zwei Jahren so. Versteht mich nicht falsch, ich beklage das nicht. Ich stehe immer noch auf meinem Bett und betrachte das von oben. Ganz nüchtern. Aber manchmal, wenn auf die Knie sinke um mich dann in meinem Bett hinzulegen und den Beobachterposten verlasse, dann, ja, dann in diesem Moment, still bei mir, denke ich, dass das was ich am Ende suche, gar nicht nur die Liebe ist, die oben so pathetisch beschrieben ist. Eigentlich suche ich manchmal nur nach jemandem, der bei mir schläft.




Kommentare
:-))
26.09.2007, 13:41 von GottimHimmelImmer das gleiche leidige Thema und die eine Frage:
Will ich den Einen oder nur irgendeinen?
Kann dein Leid verstehen und wünsche dir, eine Antwort zu finden.
LG