HeavenKnowS 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 5

Der richtigste Fehler meines Lebens

Wenn man die Zeichen nicht deuten, die Liebe nicht verletzen und das vermutlich richtige nicht tuen kann.

Mittlerweile sind es Jahre, die ich zurückdenken muss, wenn mich jemand fragt, woher ich dich eigentlich kennen würde. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht mehr richtig wie viele Jahre es sind, wieviele Monate, Tage, Stunden und Sekunden seither vergangen sind. Ich weiß das ich vor einigen Jahren gelangweilt die Profile von Frauen auf einer billigen Website durchgegangen bin und deines dabei war. Du spieltest Gitarrre auf diesem Foto, trugst ein kariertest Holzfällerhemd, hattest ein schwarzes Top an, und man sah deine grünen Augen, sowie deine wunderschönen Brüste. Ich habe dich angeschrieben, du hast geantwortet. Eine ganze Weile ging das so, wir haben viel geschrieben, während du in Amerika warst.
Deine Patenfamilie war mies zu dir, dein Freund hier in Deutschland stresste und sehen, sehen konnten wir uns auch nicht.
 Ich weiß auch noch genau, wie ich Nächtelang schmachtend vor deinen Bildern saß, eine Zigarette nach der anderen rauchte.
Irgendwann dann konnte ich nicht mehr, ließ dich los, ließ dich ziehen und hatte schon fast damit abgeschlossen.

 Ein Paar Monate später habe ich dich wieder angeschrieben. In diesen Monaten hattest du mir gefehlt, du, die, die ich gar nicht kannte.
Niemand wusste wohin mit uns, niemand war da, keiner konnte uns helfen und so endete das Ganze wieder in SMSn, die ich dir schrieb, die unbeantwortet blieben. Es führte dazu, dass ich dir von der Arbeit aus in jeder freien Sekunde eine SMS zusendete, ich war süchtig nach deiner Nähe. Vermutlich hätte ich mir ein Bein ausgerissen, nur um dich zu sehen. Aus mir unerfindlichen Gründen ging es bei dir nicht, du sagtest du hast einen Freund, du sagtest deine Mutter will nicht das ich komme, dein Auto wäre kaputt, dein Knie, deine Hüfte. An dem Tag als ich kommen wurde passierte es dann.
Ich fuhr auf einer Landstraße, es war nass, Schneeregen, ein Fuchs kreuzte die Fahrbahn. Sekunden später - Totalschaden. Das Auto war hin, gesehen haben wir uns auch nicht.
Der Kontakt fror erneut ein und ich beschloss dich ein zweites Mal zu vergessen, ein zweites Mal aus meinem Herzen zu reißen und dich von diesem Ort für immer zu verbannen.

Ich lernte meine Freundin kennen. Wir waren glücklich, unbeschwert, und das obwohl ich panische Angst hatte sie zu verletzen. Ich schlief in ihren Armen ein, wachte in ihren Armen auf. Eines Abends fuhr ich nach Hause, hörte ein Lied von Prinz Pi und hatte ihren Schal neben mir liegen. Wenn er sagte "Der Geruch von dir war meine Heimat", dann roch ich an ihm. Es war schön. Ich war glücklich, ich hatte all das gefunden, wonach ich gesucht hatte. Ungefragt.

Ich beschloss einen drauf zu machen, mit einem guten Freund zu Rock am Ring, die Sau rauslassen. Weg von der Arbeit, weg von den Verpflichtungen, Ruhe, Randale und Rock am Ring.
Gerade als wir von The Kooks zurückliefen rief es aus einer Menschenmenge "Danny ?", ich blieb stehen und blickte mich um. Ein Hot-Dog-Stand, eine Bierbude, eine Frau mit einem Rosa Hut, ein dicker Kerl der sein Bier verschüttet hatte und: Du.

Da standest du, mit deiner Freundin neben dir, völlig fassungslos. Deine Freundin sah ich nicht, ich sah nur deine Augen, es muss mindestens eine Minute vergangen sein, bis wir den ersten Ton sprachen. Ich war fassungslos, ich zitterte regelrecht. Inmitten Tausender von Menschen treffe ich dich. Ungeplant.

Ich treffe dich, ich sehe dich, du stehst vor mir. Ich rieche dich, ich fühle dich, ich wünschte ich könnte dich schmecken. Wir lagen zusammen auf einer Wiese, du saßt vor mir, umrandet von meinen Beinen. Ich habe deine Haare an meinem Kinn gespürt und deinen Geruch eingeatmet, als wäre er Äther. Es fühlte sich so verdammt richtig an, ich wünschte mir ich könnte in deine wundervollen Lippen beißen, sie aussaugen und mit meinen verschmelzen lassen. Ich wünschte ich könnte dir das Top vom Leibe reißen und dich vor 40.000 anderen Menschen auf dieser Wiese mit mir verschmelzen lassen. Ich wünschte es.

Wir gingen zu KIZ, du hast meine Hand genommen und mich in den Moshpit gezogen. Einfach so. Dann hast du sie losgelassen und wir sind in dieser Menschenmasse verloren gegangen. Ich wusste das du weg bist, ich wusste aber auch, das du wiederkommen würdest. Weil wir uns bisher immer wiedergesehen haben. Ich wusste tief in mir drin, wie von einer göttlichen Hand gelenkt, du würdest wiederkommen.
In dieser Menschenmasse, die sich willkürlich bewegte und mir obendrein auf losem Untergrund auch noch Schmerzen zufügte fühlte ich mich überlegen. Die Ganze verdammte restliche Welt war egal, eigentlich drehte sich die Masse um uns. Das Schicksal arbeite für uns.
Ich sah dich in der Masse und nahm deine Hand, bevor wir auseinander gerissen wurde, ich zerrte dich raus. Draußen nahm ich dich ind en Arm, roch deine Haare, sah deine Augen und du fingst an deinen Arsch an meinem Schwanz zu reiben.
Ich wolte dich Küssen, gerade weil es regnete und wir bis auf die Knochen durchnässt waren. Ich konnte es nicht.
Ich konnte es nicht. Ungewollt.

Aus irgendeinem Grunde war ich das erste Mal in meinem Leben treu. Ich habe meine Freundin nicht betrogen, warum kann ich bis Heute nicht genau sagen. Wie kann das, was sich richtig anfühlen sollte, für mich nur so schwer sein ? Ich verstehe nicht, wieso ich es nicht konnte. Wieso ich es überhaupt eigentlich wollte. Es war der wohl richtigste Fehler meines Lebens.


Du warst traurig, ich wollte nicht das du traurig bist. Ich habe dir geschrieben, habe dich versucht zu trösten, ich konnte nicht. Der Kontakt brach ab. Ein paar Monate Funkstille, ein paar Monate trauerte ich im Stillen um dich.
Ich bekam diesen Moment nicht mehr aus meinem Kopf, ich habe ihn nie vergessen und ich werde ihn nie vergessen. Noch Heute, über ein Jahr nachdem wir uns das erste Mal gesehen haben bekomme ich Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.

Ich erzählte meiner Freundin nichts davon, ein einsamer Sieg. Niemand erfuhr von diesem vermeindlichen Sieg, niemand feierte ihn mit mir. Was blieb war diess ungute Gefühl, ich glaube wirklich das ich dich hätte küssen sollen. Vermutlich hätte ich darauf scheißen sollen, vermutlich hätte ich es einfach machen sollen, was wäre schon dabei gewesen ?
Wer weiß, was passiert wäre.

Die Zeit starb weitere Tode und in den Zeiträumen dazwischen wusste ich genau, wann du betrunken warst. Im Wein liegt die Wahrheit sagt man ja. Es waren die Momente, in denen SMSn auf meinem Handy ankamen in denen die Dinge standen, die du mir persönlich nie sagen würdest, die ich aber so gerne von dir hören würde. Hättest du mir einmal diese Dinge gesagt, ich wäre mit dir sofort an das Ende der Welt geflohen. Ich denke nicht, dass ich eine andere Wahl gehabt hätte.

Das Schicksal schickte mich beruflich in die Stadt, in der du wohnst. Das es keine von den 43 anderen Städten, die zur Auswahl standen, geworden sind, spricht für sich. Wir schrieben und trafen uns.
Als ich bei dir war, nicht wusste was ich sagen sollte, und dir einfach alles sagte, was ich dir sagen konnte. Da passierte es, du hast mich an dich gelassen, ich war für einen kurzen Moment da, wo ich fühle hinzugehören. Ich berührte deine Lippen und verschmolz mit ihnen, ich spürte wie dein Atem schneller wurde und dein Herz an meiner Brust hämmerte. Ich spürte wie die Zeit sich zu krümmen begann wie eine Brücke im Sturm. Es wurde spät, ich wollte nicht gehen, ich hätte bleiben sollen, denn die Tür ließ sich nicht öffnen. Es war ein Zeichen glaube ich, aber ich schätze wir sind nicht besonders gut darin, Zeichen zu erkennen und die notwendigen Schritte daraus abzuleiten. Du hast mir versprochen das wir uns wiedersehen würden: Indianerehrenwort.

Ich fuhr nach Hause, durch die tiefste Nacht, das Fenster unten, bei 10° und 170km/h. Ich habe fast geweint, weil ich so glücklich war und mich gleichzeitig so verloren gefühlt habe, wie all die Male zuvor. Ich habe die Ganze Nacht kein Auge zugetan, ich habe nur an dich gedacht. Ich habe darüber nachgedacht alles stehen und liegen zu lassen, alles zu beenden und alles mit dir neu aufzubauen. Ich glaube ich liebe dich. Unglaublich.

Du wurdest rasend, du sagtest du hast nun einen Freund und würdest das nicht für so einen Mist aufgeben, hast mich beleidigt - obwohl ich dir Glück gewünscht habe. Ich möchte tatsächlich nur, das du glücklich bist. All diese Dinge wollte ich dir an dem Tage sagen, an dem wir uns nochmal treffen wollten. Wollte dir die Chance geben die Wahrheit zu hören, mir endlich zu vertrauen. Ich weiß, wie oft du verletzt wurdest, ich weiß wie schwer es dir fällt dich auf Menschen einzulassen, und egal wie unglaublich schwer es jedesmal war, ich bin immer irgendwie bei dir geblieben. Sei es nur im stummen.
Ich wünsche mir das wir eines Tages unsere Chance nutzen, das wir uns nun zum letzten Male in der Masse verloren habe, ich deine Hand greifen kann und mit dir küssend im Regen stehe.

Ich werde da sein.

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2 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ohne Scheiß! Deine Texte sind der Wahnsinn! - immer mit einer Portion, meiner Lieblingsmusikrichtung und dann total gefühlvoll. Sehr geil.

    24.04.2013, 17:38 von BrinaColada
    • 1

      Wow, danke für diesen netten Kommentar. Das finde ich echt wahnsinnig schön, sowas zu hören.

      Freut mich, dass du Spaß am lesen meiner Texte hast.

      25.04.2013, 00:32 von HeavenKnowS
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