Konfettischwester 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 26

Der Rastlose

Ich werde wach, es ist schon hell, aber noch zu früh für einen Sonntagmorgen. Ich höre den Regen und dich auf meinem Balkon. Du rauchst, und grübelst.

Ich werde wach, es ist schon hell, aber noch zu früh für einen Sonntagmorgen. Ich höre den Regen und dich auf meinem Balkon. Du rauchst, und grübelst. Ich tue so, als würde ich schlafen. Denn ich kann dir bei deinen Kämpfen nicht helfen.

Es ist das erste Mal, dass du in meiner neuen Wohnung schläfst. Nach über 2 Monaten. Etwas in mir hatte gehofft, dass es niemals dazu kommen würde. Dass ich diesen Ort frei von Erinnerungen an dich halten kann. Dass ich den Absprung finden würde, dass ich wegkomme von dir, meiner wunderschönen und zerstörerischen Droge.

Vieles hat sich geändert, vieles nicht. Es geht dir besser, du bist wieder gesund. Doch du grübelst noch genauso viel wie zuvor. Neue Wohnung, neuer Job - neues Leben? Mit oder ohne mich? Abwechselnd reden und schweigen wir das Thema tot, denn über ein Jahr fragen wir uns was wir eigentlich füreinander sind. 

Du hast wieder Schlaf gefunden, wenn auch nur unruhigen. Von was du wohl träumst? Mit wilden Locken und vollen Lippen krümmst du dich um meine Bettdecke und wirst deinen unverwechselbaren Geruch hinterlassen. Den Geruch, von dem ich monatelang nicht genug kriegen konnte. Du bist der schönste Mann, den ich jemals getroffen habe. Und sicherlich einer der zerrüttetsten. So viele Stunden habe ich schon zugebracht dir einfach nur beim Schlafen zuzusehen. Denn nur dann wirkst du friedlich – und so zerbrechlich, dass mein kleines Herz ganz groß wird.

Ich sitze in der Küche, es regnet noch immer. Der Kaffee wartet auf dich und ich, dass du mit deinem dürren und mit Tattoos zugetackerten Körper vernebelt in der Tür stehst. Ich frage mich, was ich für dich fühle. Gedanken über Gedanken. Gefühle über Gefühle. Doch auf viele Fragen im Leben findet man keine Antwort – dies scheint eine davon zu sein.

Ich habe dich begehrt, ich habe dich geliebt, doch nie habe ich den Schutzwall um dein Herz zu durchbrechen vermocht. Nach so vielen kleinen Stichen ins Herz habe auch ich angefangen einen Schutzwall um meins zu bauen – Stein für Stein. Begehren tu ich dich auch heute noch. Jede einzelne Faser meines Körpers gibt sich deinen Händen hin und sehnt sich nach deiner Haut. Wie schön doch letzte Nacht war. Doch ob ich dich noch einmal lieben kann?

Es ist Sonntagmittag, es regnet noch immer in Berlin. Ich vertage die Suche nach der Antwort, denn ich höre, dass du wach wirst. Gleich wirst du hinter mir in der Küche stehen, mir durch die Haare streichen und meinen Kopf küssen.

Und ich werde wie immer dahinschmelzen. 


Tags: liebe
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6 Antworten

Kommentare

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    Schöner Schreibstil, gefällt mir gut!

    24.08.2016, 13:59 von jamiro
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    Sehr ansprechend geschrieben! Weiter so

    19.08.2016, 15:34 von jakob1111
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    sehr schön zu lesen!

    21.07.2016, 22:39 von halfsowild
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    Wunderbar Sinnlich

    19.07.2016, 21:09 von Mary32
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    wunderschön!

    19.07.2016, 13:37 von DayDreamingNightThinking
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    Liebe ist eine Geisteskrankheit, die durch Heirat geheilt werden kann.  (A. E.) 

    18.07.2016, 23:31 von Dr_Lapsus
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