Der Mann und die Katze
"Hol Dir eine Katze", meinte meine Mutter, als ich argen Liebeskummer hatte, "dann fühlst Du Dich nicht so allein."
Eigentlich ist das ja was angenehmes, so zwei Katzen zu Hause zu haben, die einen wie treue Partner an der Haustür begrüßen, und sei es um 4 Uhr morgens, wenn man betrunken reinwankt, schon auf halber Strecke zum Klo, um sich zu übergeben, wie sie dann neben einem auf dem Wannenrand sitzen und ihre warmen Körper an meinen Schenkeln reiben.
Treu sind Katzen aber garantiert nicht - sie kümmern sich um ihr eigenes Ding, das wichtigste ist, das ich allzeit bereit zum Dosenöffnen und Platzmachen auf der Couch bin. Ich muß natürlich auch anhand der Schlitzaugenblicke sofort erkennen, wann ich streicheln darf und wann ich es lieber lassen sollte, auch das Futter sei doch bitte dampfgegart und Wasser frisch aus dem Wasserhahn, von wegen Napf, wo sind wir denn hier bitteschön?
Ja, ich liebe sie. Oft schimpfe ich mit ihnen, wenn sie wieder besonders tragisch mautzen und mir nicht die Ruhe gönnen, die ich mir wirklich auch mal verdient habe.
Dann sage ich so Sätze, wie: "Seid bloß froh, das ihr hier seid, ihr hättet auch im Sack und dann im See verschwinden können, wenn ich euch nicht gerettet hätte!"
Ich erzähle wirklich nur die Wahrheit - aber dann schauen sie mich vorwurfsvoll an, als wenn sie sagen wollen: "Sei DU doch froh, das wir hier sind, sonst wäre dein Leben doch sowas von langweilig..." - und da haben sie Recht, und dann tut es mir leid, und ich flitze in den Tiergroßmarkt und kaufe kleine, teure Dosen mit halben Lachsen drin, die sie dann mit hochgezogenden Brauen doch noch verspeisen. Puh - haben sie mir doch noch mal verziehen.
Doch eigentlich ist die Sache tragisch.
Denn ich will nicht als Katzenmutti mein Dasein fristen. Ich will nach Hause kommen, und dann steht da ein Mann, der mir den Atem raubt, der mich liebevoll küsst und nach meinen Tag fragt, der mir dann den Platz auf der Couch streitig macht und ich lasse es zu, denn ich kann mich ja einfach auf seinen Bauch legen.
Bis vor 3 Monaten hatte ich so jemanden. Alle Typen davor, die ich mit nach Hause nahm, die waren allergisch, angeekelt und verloren den Kampf gegen meinen eifersüchtigen, siebeneinhalb Kilo Kater.
Doch dann kam er und er blieb, fast ein Jahr, und im Endeffekt scheiterte es an anderen Dingen. Ich versuchte, den Katzen zu erklären, das es nicht an ihnen lag. Sie schauten, als wäre ich irre, und für sie ging der Alltag weiter.
Nur für mich ging es bergab, wochenlanger Liebeskummer, zum Schluss sogar Suizidgefahr, aber als ich mein Testament schrieb, wer die Katzen bekommen sollte, hielt ich inne und mußte mir doch eingestehen, das sie niemand so liebevoll behandeln könnte wie ich, und dann hätte ich ja noch eine "Achtung! Bitte bei der Pflege folgendes beachten:"-Liste verfassen müssen, und dazu fehlte mir die Kraft.
Also lebte ich weiter, und das war mein Glück...
Denn ich lernte einen neuen Mann kennen. Ich ließ Gefühle zu und erfuhr welche, die mir lange unbekannt waren. Ich konnte wieder lachen, ich genoss die kleinen Dinge, ich hatte Bauchflattern: Ja, ich war verliebt.
Es hätte alles so schön sein können. Aber eines verdrängte ich mit aller Gewalt:
Er ist Allergiker. Kann Katzen eigentlich auch überhaupt nicht leiden. Ist aber gerne bei mir, denn hier ist es gemütlich.
Katerchen hat keine Chance mehr, ins Bett zu hüpfen - Schlafzimmertür ist zu.
Bei anregenden Gesprächen miaut er dazwischen und bekommt dafür Ärger. Wenn der tolle Mann weg ist, kümmere ich mich dann umso mehr um Kater's Wohlbefinden- das schlechte Gewissen halt.
Doch warum sollte ich auch mal Glück haben - nach ein paar Wochen ist die Beziehung, die im Endeffekt nie eine war, von seiner Seite vorbei. Natürlich liegt es an unser beider Vorgeschichten zum Thema schlimme Trennung, aber dann fallen die Worte, die mir Tränen in die Augen treiben, so sehr tun sie weh: "Und es hätte eh nicht mit uns auf lange Zeit hingehauen, ich bin Allergiker, ich kann mit Tieren nicht zusammen wohnen, auch, wenn Du im Endeffekt mehr Aufregung als ich verbreitet hast..."
Wieder einsam. Wieder am Heulen. Stopfe Vollmilch-Katzenzungen in mich rein und überlege, eine Selbsthilfegruppe zu gründen.
Oder mich im Tierfachhandel vor den Regalen mit dem Katzenfutter rumzutreiben...
Gerade schläft mein Bein ein, denn da liegt der fette Kater drauf und schnürt mir die Blutzufuhr ab. Und gerade, als ich das hier schreibe und mir wieder ein paar Tränchen runter kullern, schaut er mich an, als würde er endlich begreifen, streckt sich, kriecht an mein Ohr und brummt. Und ich weiß - allein sein ist was anderes.




Kommentare
das erinnert mich sehr an meine kleine, liebenswerte nervensäge zuhause, die mich schon durch die noch geschlossene tür daran erinnert, dass sie schon seit stunden auf mich wartet.
09.06.2010, 12:50 von derFledertoller text! ich hab auch nen Kater, der sich meine Sorgen anhört, wenn es mal wieder Probleme gibt.
30.05.2010, 15:40 von an_goDa muss ich schmunzeln, schau meinen Kater an - und denke mir: genauso ist es hier auch!
28.05.2010, 19:30 von LaLuna9Wir hatten auch schon alles durch: Allergiker, Katzen-nicht-möger, von-katzen-eifersucht-vertriebene ... und natürlich auch den, den wir beide liebten und er uns!
That's life!
Aber so einer kommt auch noch mal wieder - irgendwann....
Ich mag Haustiere. Schon in früher Kindheit hatten wir eine Katze. Keine Katze, die nur im Haus gehalten wurde, sie konnte wann immer nach draußen und zurück rein. Bis sie nicht mehr wiederkam. Ist schon übel wenn man in der Nähe einer Bundesstraße wohnt.
25.05.2010, 10:10 von CyroSpäter dann hatten wir einen Hund. Der Hund ist wirklich der beste Freund des Menschen .. bis ich von zu Hause ausgezogen bin, war der Hund ein Teil der Familie. Nicht vermenschlicht, aber ... eben trotzdem dazugehörend, mit allen positiven Seiten, aber auch allen Pflichten, die das mit sich bringt.
Heute, zur Miete wohnend, ohne Garten, Stadtwohnung, hat sich das mit den Tieren erledigt. Obwohl ich schon mal mit dem Gedanken gespielt habe, eine Katze anzuschaffen. Doch ist das nicht Tierquälerei, ihr die Welt vorzuenthalten ? Einzelhaft auf rund 50qm, lebenslänglich ? Ich weiss es nicht. Ich akzeptiere es in meinem Bekanntenkreis, wo jemand sich eine Hauskatze hält. Aber selber scheue ich sehr vor diesem Schritt. Wahrscheinlich werde ich es nicht tun. Auch wenn ich deinen Kater beim Lesen des Textes schon schnurren hörte. Also, Gruß (unbekannterweise) an deinen Kater : )
das ist ein sehr schönes geschichtlein zum einschlafen, aber wegen der sprachlichen gestaltung halt doch nur zum einschlafen.. (:
25.05.2010, 00:34 von mondjungeallerdings sind wir hier doch keine germanistikdozenten, sondern wollen nur nette geschichten lesen.
Wie schön :-)
24.05.2010, 11:18 von m0ndiiiWirklich sehr schön geschrieben, so herzzerreißend. (:
23.05.2010, 20:37 von bea_callousMit mit Gefühlen und Allem, was noch dazu gehört.
http://bit.ly/tHS7h
23.05.2010, 10:00 von frl_smillaMan kann sich Superkräfte gegen seine Allergien spritzen lassen.
Und wirklich coole Kerle machen das auch.
@frl_smilla ...das funktioniert nicht nur bei Katzen.
23.05.2010, 19:45 von akmsu74SEHR geiles Video übrigens!!!
*feier*
Wie findet mensch sowas?^^
@akmsu74 Ich habe Leute, die schicken mir sowas unaufgefordert. Ich muss mich um nichts kümmern -- nur konsumieren.
24.05.2010, 01:02 von frl_smillaText fand ich übrigens recht schrottig. In allen Belangen.
@frl_smilla Na DU kanns Leute kennen...
25.05.2010, 12:21 von akmsu74*feier*
Was den Text angeht, bin ich recht emotionslos - jeder wie er mag. Wenn mir die Augen anfangen, weh zu tun, schalt ich aus...
;)
so ein schöner text, wirklich :)
22.05.2010, 21:54 von Foal