Maibowle 19.07.2007, 15:04 Uhr 0 0

„Der Hund hat das Handy gefressen…“

„… und danach bin ich dann auch noch vom Bus überfahren worden!“

Abenteuer Online-Dating. Ja, mag sein, dass ihr mich deswegen für kommunikationsgestört oder sonst was haltet. Vielleicht ist sogar was dran. Und wenn ich behaupte, dass das nur die reine Neugier ist und ich das Ganze nicht so richtig ernst nehme, dann mache ich mir damit vielleicht auch selbst was vor.
Trotzdem hab ich’s getan: mich im Internet bei einer so genannten Singlebörse angemeldet.

Ich hab eins der wenigen Fotos von mir, die ich für gelungen halte, hochgeladen, pflichtschuldig die Kästchen mit den Äußerlichkeiten, Charaktereigenschaften und Interessen angeklickt, und auch ein paar eigene Worte dazu geschrieben, nicht zu viel, nicht zu wenig, gerade so, dass man(n) hoffentlich neugierig auf mich wird.

Und siehe da, nach einigen eher belanglosen Nachrichten meldete sich tatsächlich einer, der es schaffte, auch mich neugierig zu machen. Zuallererst einmal damit, dass er mich nicht anschrieb, weil er mein Foto so toll fand oder nur mal schnell wissen wollte, ob eine Affäre mit einem verheirateten Mann für mich eigentlich tabu sei. Nein, er hatte ganz offensichtlich auch den Inhalt meines Steckbriefs gelesen und machte in allem, was er mir so mitteilte, einen offenen, sympathischen, intelligenten Eindruck.

So wanderten die Nachrichten nun hin und her, man unterhielt sich gut, tauschte weitere Fotos und Kontaktdaten aus, die Sympathie wuchs, und bald waren wir uns einig, dass wir uns gern „in echt“ kennen lernen würden.

Aber zuerst kann man ja mal telefonieren. Wir verabredeten eine feste Zeit, er versprach anzurufen, und als mein Telefon nach einer halben Stunde immer noch schwieg, hakte ich nach. Er entschuldigte sich per SMS damit, dass er gerade in einer Umkleidekabine stehe und eine Hose anprobiere. Er sei aber in den nächsten 30 Minuten zu Hause und werde sich dann melden. Anderthalb Stunden später rief er dann tatsächlich an, und das Gespräch war so nett und angenehm, dass ich ihm verzieh, mich zu Gunsten einer Hose vergessen zu haben.

Nächstes Etappenziel: ein Treffen.
Er sagte zwar knapp, aber rechtzeitig ab, erklärte mir in einem wiederum äußerst netten Telefonat seine durchaus nachvollziehbaren Gründe und überließ es mir, ob ich ihm trotzdem noch mal eine Chance geben wollte.

Ich wollte, er freute sich, brachte dies auch deutlich zum Ausdruck, und ein neuer Termin wurde verabredet.
Ich war fünf Minuten früher als verabredet am Treffpunkt, es regnete; da er gesagt hatte, er werde sich in der Nähe aufhalten, rief ich ihm an, um mitzuteilen, dass ich schon da sei. Er ging nicht ans Telefon. Ich wartete, versuchte, den Regen zu ignorieren, und rief ihn nochmals an. Keine Reaktion. Ich platschte die Straße auf und ab, spähte in die umliegenden Cafés – keiner dort sah ihm ähnlich –, rief ein weiteres mal an. Wieder ohne Ergebnis. Nach einer knappen halben Stunde sah ich ein, dass er wohl nicht kommen würde, und entfernte mich vom Treffpunkt mit einer gewaltigen Wut im Bauch.

Soweit, so gut. Mag sein, dass meine Menschenkenntnis nicht die allerbeste ist, aber dass ein 35jähriger Mann Spaß daran hat, mich zu einem Treffpunkt zu bestellen und von einem Versteck aus sich ins Fäustchen lachend zu beobachten, wie der Wasserspiegel in meinen - zugegebenermaßen dem Wetter nicht angemessenen – Schuhen steigt: davon will ich mal lieber nicht ausgehen.

Was also ist der Grund, einfach nicht zu kommen, ohne Absage? Nicht anzurufen, keine SMS, keine E-Mail zu schicken? Womöglich werde ich es nie erfahren, denn er hat sich seither nicht mehr gemeldet. Aber falls er es doch noch tut – ist so ein Verhalten entschuldbar? Wie gut muss eine Ausrede sein, damit ich ihm noch eine aller-allerletzte Chance einräume? (Und wie dämlich muss ich sein, um ihm zu glauben??)

Aber wer weiß, vielleicht läuft da draußen ja auch irgendwo ein klingelnder Hund rum…

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