Sarah.tanzt 16.11.2012, 04:17 Uhr 5 15

Der ganzen Welt präsent.

Sie alle waren zu aufgeregt über ihre Entdeckung, als dass sie darüber sprachlos geworden wären.

Ich hatte in dem Traum keinen Körper, oder zumindest keinen Spiegel. Und die Wahrnehmung meiner Selbst war vollkommen belanglos.
Viele Menschen, auch sie körperlose Stimmen, erzählten mir von dem schönsten Foto, das sie bisher gesehen hätten, und von dem Mann, den das Foto abbildete.
Sie alle waren verzaubert von seinem Lächeln, fasziniert von seinen Augen und sie alle waren zu aufgeregt über ihre Entdeckung, als dass sie darüber sprachlos geworden wären.

Es dauerte wohl ewig, bis ich mich dazu hinreißen ließ, dieses Foto zu betrachten. Doch dann steckte es mir jemand zu. Die Situation lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Am Ende hielt ich es jedoch in der Hand:

Das erste Bemerkenswerte an dem Foto war die Intimität, die es ausstrahlte. Es war, als wäre ich heimlich in ein Leben eingedrungen und würde einen sonst gar unmöglich authentischen Moment beobachten.
Es war eine Wand auf dem Foto, der Bodenbelag und ein Stuhl. Und auf dem Stuhl saßt Du.
Fast lächerlich falsch herum, die Arme locker auf der Lehne verschränkt, den Kopf geneigt; in einem weißen T-Shirt und der dunkelroten Boxershorts , in der ich mich oft unbesiegbar gefühlt hatte.

Du sahst aus, wie so viele Male zuvor.
Doch in diesem Augenblick wurde mir bewusst.
Dass Deine Schönheit nicht mehr mein Geheimnis war.
Und ab sofort der ganzen Welt präsent.

Deine Lippen spielten mit einem sanften Lächeln. Deine Grübchen zeichneten kleine Fältchen und Dein Blick. War so tief. Dass mir die Lunge riss. Oder das Herz. Oder Beides.

Mein Blick wanderte Deine dünnen Beine hinauf. Dann entdeckte ich den Schaft Deines Schwanzes.
Beschämt schaute ich weg. Zu intim war dieser Moment. Als hättest Du mich direkt angesehen. Mit all Deiner Imperfektion. Die unerreichbar schmerzte.

Ich ließ das Foto wohl fallen, denn einen Sekundenbruchteil später war ich wach. Und das Foto von Dir nicht mit mir in der Realität.

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5 Antworten

Kommentare

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    erst dachte ich mir:
    geht. der Text. so weiter. wie. der Teaser. ?

    fand ihn dann aber stilistisch doch ganz nett zu lesen.

    19.11.2012, 20:00 von Ansotica
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    "An deinen dünnen Beinen bleib ich hängen, wandere Deine... hinauf..." Biste 'ne Spinne?

    19.11.2012, 16:10 von Justaff
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      Haste Recht, eigentlich nich.

      19.11.2012, 19:29 von Sarah.tanzt
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  • 2

    Bis zum Schwanz fand ich den Text gut, sprachlich wie auch stilistisch. Beim Schwanz allerdings, auch wenn es ab da sowas wie ein Stilmittel ist, die ruhige Art des Erzählens ins Aufgebrachte zu lenken, dachte ich noch, ja, die Perfektion der Fotografie lässt uns auch in keiner Realität zurück.

    Jetzt bin ich verwirrt zwischen gut und nicht wissend, wo ich den Text einordnen soll.

    18.11.2012, 13:46 von marco_frohberger
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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