drops_of_august 08.07.2008, 19:18 Uhr 3 1

Der Fremde

Es war einmal ein Junge. Er hatte schon immer eine ziemlich große Klappe, aber die Leute mochten das.

Es war einmal ein Junge. Er hatte schon immer eine ziemlich große Klappe, aber die Leute mochten das. Wann immer er etwas vielleicht Beleidigendes sagte, machte er es mit einem Grinsen und einem vertraulichen Augenzwinkern wieder wett. Die Menschen mochten ihn.
Seine Mutter sagte, er sei schon im Kindergarten schwierig gewesen und schon in der Grundschule mit seinen Lehrern angeeckt.

Später fand er eine schönes Mädchen, die seine Freundin werden sollte. Sie hätten eine schöne Zeit haben können. Aber schon damals, im Alter von 16 oder 17 Jahren, zeigte sich, dass es für ihn schwierig war, eine Beziehung zu führen, wie sie andere als normal ansehen würden. Trotzdem blieben sie vier Jahre lang ein Paar, bis sich das Mädchen dazu entschloss, nicht mehr mit ihm zusammen sein zu wollen. Zu oft hatte er sie verletzt, durch Aussagen, durch sein Verhalten, durch hunderte von Kleinigkeiten. Und plötzlich fehlte ihm etwas, das ihm vorher lästig erschienen war. Er kämpfte darum, sie zurück zu bekommen, doch sie wollte nicht mehr. Er trauerte mindestens 2 Jahre um alles, bis er eines Tages ein neues Mädchen kennenlernte.

Mittlerweile war er gereift, dachte er, immerhin bereits 23 Jahre alt. Seine neue Bekanntschaft war schon 25, aber das gefiel ihm. Denn obwohl er selber der Typ Partymensch war, sehnte er sich nach Geborgenheit, Sicherheit, etwas Stetigem in seinem Leben. So kamen sie also zusammen. Und es hätte schön werden können. Doch auch sie machte ihn nicht glücklich.

Nach einem halben Jahr musste er beruflich 700km weit wegziehen. Beschränkt zwar auf ein halbes Jahr, doch von nun an sollten geistig mehr als ein paar Kilometer zwischen ihnen liegen, vielmehr wurden es Welten. Er machte dort Party, lernte neue Leute kennen und sogar, als sie ihn für eine Woche besuchen kam, schien es ihm lästig zu sein.

Als er zurück kam nach 6 Monaten, fühlte er sich bedrängt, in seiner Freiheit eingeschränkt, beendete die Beziehung. Es gab ja noch so viel zu sehen und sich festzulegen war noch nie sein Ding gewesen. Doch plötzlich fehlte ihm etwas, und er versuchte, sie zurück zu bekommen. Es klappte, denn sie liebte ihn noch, obwohl er sie oft enttäuscht hatte. Wieder durch Aussagen, Verhalten, hunderte von Kleinigkeiten. Und es lief besser.

Doch nach einem halben Jahr musste er wieder beruflich in eine andere Stadt, 500km diesmal. Und es klappte trotzdem. Er stellte sich sogar eine Zukunft mit ihr vor und fragte sie, ob sie mit ihm ins Ausland gehen würde, denn das wollte er auf jeden Fall noch erleben. Sie sagte ja, denn sie liebte ihn. Doch schon einen Monat später erhielt er ein besseres Angebot, wieder 500km Entfernung. Da er sich nicht anders zu helfen wusste und er dieses Angebot ja annehmen musste, viel zu vielversprechend klang es, beschloss er wieder, dass die Beziehung zu lästig war. Und verhielt sich so lange so mies, bis diesmal sie es war, die ihn verließ. Und er ging fort. Optimistisch.

Doch auch diesmal fehlte ihm etwas und er dachte sogar, dass sie ihm fehlte. Also meldete er sich nach ein paar Wochen wieder, weinte am Telefon, bat um eine neue Chance. Es war doch alles so schön gewesen und sie ihm noch immer so wichtig. Sein Fels in der Brandung. Und sie liebte ihn noch immer und gab ihm nach langem Zögern diese Chance. Da war er noch immer 500km entfernt. Und von nun an gab er sich mehr Mühe. Sie war schließlich eine tolle Frau und er hatte sie sehr lieb. Ob er sie liebte, darüber musste er sich keine Gedanken machen, denn er war ja zufrieden.

Es lief über ein halbes Jahr gut. Man sah sich alle paar Wochenenden und verbrachte eine schöne Zeit. Doch sie fing an, sich nach mehr Nähe zu sehnen, emotionaler Nähe vor allem. Und die konnte er nicht geben. Sowieso hatte er noch immer den Plan, ins Ausland zu gehen. Das machte man doch so, wenn man mal erfolgreich im Beruf sein wollte. Inzwischen kannte er genug Leute, die diese Erfahrung schon gemacht hatten und da muss man doch auch mithalten können. Und sie liebte ihn noch immer und bot ihm an mitzugehen, denn nach seiner Nähe suchte sie noch immer.

Doch dann fragte ihn ein Freund, warum er nicht ihr zuliebe auf das Ausland verzichten würde. Und er fing an, sich Gedanken zu machen. Leute zu fragen, was sie davon hielten. Denn selber Entscheidungen treffen musste er ja noch nie. Also fügte er sich der Mehrheit, denn die hatte ihm gesagt, dass er seine Freundin dann wohl nicht lieben würde. Und das teilte er seiner Freundin mit. Schrieb ihr einen Brief. Und sagte ihr ganz lieb, dass sie der wichtigste Mensch in seinem Leben sei, er total glücklich mit ihr gewesen sei, gerade in der letzten Zeit und dass er sie schon jetzt vermisse. Und er ging und hoffte, von da an glücklicher zu sein.

Was aus ihm geworden ist? Das weiß man nicht, aber es gibt Leute, die munkeln, dass er sich nie auf eine richtig feste Beziehung einlassen wird, da er viel zu egoistisch sei. Dass er vielleicht irgendwann, vielleicht mit 40 Jahren, plötzlich merke, was er da verpasst hat. Wünschen wir ihm viel Glück, dass es nicht so ist.

Was aus ihr geworden ist? Sie schreibt gerade diese Zeilen und versucht, ihn endgültig zu vergessen.

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3 Antworten

Kommentare

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    It's a mad world.
    aber der Text ist schön.
    Und stimmt, irgendwie passt er zu mir....

    "And I find it kind of funny
    I find it kind of sad
    The dreams in which I'm dying
    Are the best I've ever had"

    31.07.2008, 09:51 von Drei-Punkte-Fredde
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    hoffe mal' du schaffst den absprung - auch im kopf!

    16.07.2008, 10:38 von hongkongfui
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    schrecklich..."stromberg" ist mittlerweile 37 und hat immer noch diese probleme...das ändert sich wahrscheinlich nicht...gestört bleibt gestört

    08.07.2008, 21:32 von norma
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