Loewen_herz 31.01.2011, 01:23 Uhr 1 1

Der Entscheidungskritiker

Morgens im Bett denke ich oft eine halbe Stunde darüber nach, ob ich mich noch einmal fünf Minuten umdrehen sollte. Das ist einfach..

Der typische Entscheidungskritiker- eine ganz besondere Spezies von Mensch. Morgens im Bett fällt es schwer, sich zu entscheiden, ob man aufstehen sollte oder sich doch nochmal umdrehen sollte. Beim Shopping mit der besten Freundin scheint es unmöglich zu sein, zu entscheiden, ob im Schrank noch ein Platz für ein T-shirt ist, was den anderen eh komplett gleicht, aber doch total anders ist. Abends im Restaurant scheint die Speisekarte einfach zu lang zu sein, um eine schnelle Entscheidung zu treffen. So scheint es immer zu sein. Doch das ist einfach im Gegenteil zu den wirklich wichtigen Entscheidungen.
Es scheint, als sei diese besondere Gabe, sich nicht entscheiden zu können weit verbreitet auf das gesamte Wesen in ihrem Sein und Handeln, doch wie immer trügt der Schein. Wenn ihr etwas wirklich wichtig zu sein scheint, dann weiß sie was sie will. Aber genauso gut weiß sie auch, dass sie niemals bekommt, was sie will. So läuft das Spiel. Alles andere würde sie nicht glücklich machen. Mal davon ausgeschlossen, dass die Variante, nicht das zu bekommen, was sie will, sie auch nicht glücklich macht, wollen wir den Spaß am Spiel nicht verderben. Denn lange glücklich sein, das liegt eben nicht in ihrer Natur.
Jetzt weiß sie genau was sie will: Sie will ihn. Aber er sie nicht. So war ja das Spiel. Jetzt kommt ihre Fähigkeit zum Vorschein:
Sie weiß genau, dass sie nur ihn will. Bekommt ihn aber nicht. Nimmt sie nun einfach alles von ihm, was sie kriegen kann. In diesem Fall würde sie nie glücklich werden, weil sie ihn nicht ganz bekommen kann.
Wenn sie ihn vergisst, dann nimmt sie ihn gar nicht und damit auch nicht das was sie will. Sie würde nicht glücklich werden, weil sie nicht versucht, das zu bekommen, was sie will.
Jetzt steht fest, dass sie nicht glücklich wird, sie muss sich aber trotzdem entscheiden. Kritisch.
Sollte sie sich für eine Freundschaft entscheiden, von der sie weiß, dass sie niemals funktioniert, weil sie ja weiß was sie will. Oder sollte sie alles aufgeben. Vielleicht wird sie später glücklich mit jemand anderem. Das schließt sie natürlich aus, weil sie im Moment einfach niemand mehr will als ihn. Also wieso alles geben, wenn man nehmen kann, was man bekommt? Auch wenn es nur ein Anteil ist. Wer bringt den Mut auf, alles zu geben. Alles loszulassen, obwohl man weiß, man verliert alles, sich selbst. Das Bewusstsein, dass man sich in das totale Chaos stürtzt und nichts besser wird, sondern gar das Gegenteul zutrifft, man kann es nicht lassen. Niemand kann es.
Das Resultat daraus ist, dass wir lieber bewusst selbstzerstörerisch handeln, denn jeder weiß genau, wie sehr er sich verletzt, auch wenn man es sich oder anderen niemals eingestehen würde, als das wir unsere Angst zu verlieren endlich besiegen.
Nichts scheint uns schlimmer zu sein, als alles aufzugeben, diesen einen Menschen einfach gehen zu lassen und alles einfach zu akzeptieren, was wir soweiso wissen, aber nicht wahrhaben wollen. Doch diese Entscheidung scheint unmöglich rational durchführbar für den Entscheidungskritiker.

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Kommentare

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    Ist das nicht eher ein Neurotiker als ein Kritiker?

    31.01.2011, 09:38 von B.tina
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