Paperclip-Lena 15.03.2006, 18:41 Uhr 0 0

Der eine. Oder keiner?

„Was wäre gewesen, wenn du die Bahn damals nicht verpasst hättest und wir uns nicht kennengelernt hätten?“

"Dann hätte ich eine andere Frau kennengelernt."
So in etwa lautet der Satz von Jürgen Vogel in „Nackt“ auf den Alexandra Maria Lara (im Film seine Freundin) in Tränen ausbricht.

Schnitt.

Sie sind seit knapp anderthalb Jahren befreundet. Ihr Umgang miteinander ist entspannt und offen. Niemand kann sie so zum Lachen bringen wie er, mit niemandem hat sie soviel Spaß.
Eines Abends nach einigen Gläsern passiert das, was beide von ihnen seltsamerweise geahnt, wenn nicht sogar gewusst hatten. Sie küssen sich.
Er ist seit fast zwei Jahren mit seiner Freundin zusammen, sie hat seit drei Monaten einen Freund.
Er sieht den Kuss ohne zu zögern als Fehler an und hat seiner Freundin wegen ein schlechtes Gewissen. Sie hingegen nicht. Sie kommt nicht mehr davon los, hat nur noch ihn im Kopf.
Das war es, worauf sie die ganze Zeit gewartet hat, denkt sie.
Am nächsten Tag kommt ihr Freund zu Besuch. Entgegen ihrer Befürchtungen, ihre Gefühle ihm gegenüber seien völlig verdreht, ist alles wie immer.
Sie ist ratlos. Sie will beide, überlegt sogar zweigleisig zu fahren obwohl sie weiß, dass sie auf dieser Grundlage keine Beziehung führen könnte.
Trotzdem will sie auf keinen von beiden verzichten.
Nachdem sie schließlich eine Nacht für sich allein war und am nächsten Morgen aufwacht, scheint ihr klar zu sein, dass sie nur ihren Freund will. Nur ihn, niemand anders.
Seltsam? Ja. Sie weiß es. Sie hat die Bahn verpasst. Sie hat ihn kennen gelernt, sie hat sich verliebt.
Es gibt weder „den einen“ noch „die eine“. Es gibt viele.
Hätte ..., wäre dann ...? Wäre..., würde dann...? Sie weiß die Antwort.
Sie weiß, dass er die Antwort auf diese Frage auch kennen würde, falls er sie sich stellt.

Ja, hätte Jürgen Vogel die Bahn nicht verpasst, hätte er eine andere Frau kennen gelernt, sich verliebt, sie geheiratet und Kinder mit ihr gezeugt.
Er hätte ihr ein Haus gebaut, ihr jede Woche eine rote Rose gekauft, gut, wahrscheinlich nur die ersten zwei Monate, aber er wäre im besten Fall trotzdem glücklich.
Doch Herr Vogel verpasste die Bahn und lernte Fräulein Lara kennen.

Er kann doch durchaus zufrieden sein.

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