Ellie30 30.11.-0001, 00:00 Uhr 7 8

Der andere Teil von mir

Und dann eines Tages war er da, dieser eine Moment, in dem man weiß, was richtig ist.

Es hat immer etwas gefehlt. In all den Jahren, in denen ich eine Beziehung führte und dachte, ich sei glücklich. War es auch manchmal, ganz bestimmt. Dachte, das alles muss so sein und redete nicht darüber. Darüber, dass etwas nicht stimmte. Dass ich mich unwohl fühlte, oftmals lieber allein war, die Nähe anstrengend und erdrückend fand. Dass ich mich abends im Bett immer wegdrehte. Weil du schnarchst, sagte ich. Weil ich deine Nähe nicht ertrug, wollte ich sagen. Aber das hätte dich verletzt und du hättest es nicht verstanden. Und ich, ich hätte mehr erklären müssen. Und das wollte ich nicht. Und das konnte ich auch nicht.

Also machte ich weiter, heiratete, fand einen Job, eine neue alte Stadt, eine, aus der wir kamen und die wir verlassen hatten. Und jetzt waren wir wieder da. Ich gab der Stadt die Schuld. Die Schuld daran, dass wir es gegen die Wand fuhren. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich ging. Du hast eine Weile gebraucht, aber schließlich sagtest du, dass du genauso gut wusstest wie ich, dass es einfach nicht mehr ging. Du warst genauso erleichtert wie ich.

Und plötzlich fühlte ich mich frei. Ich fand zurück zu mir. Lebte, wie ich es wollte, lebte, wie ich es für richtig hielt. Und fing an, das zuzulassen, was da schon immer war, aber was ich in die hinterste Schublade meines Herzens verbannte, abschloss und den Schlüssel vor mir selbst versteckte.

Und dann eines Tages war er da, dieser eine Moment, in dem man weiß, was richtig ist. Es war, als wäre ein großer Knoten geplatzt, als wäre etwas von mir abgefallen, ich konnte endlich wieder tief durchatmen und lernen, auch der andere Teil von mir zu sein.

Der Teil, der schon vor Jahren hätte sagen sollen, dass jeder, der an meiner Seite gestanden hätte, der Falsche gewesen wäre. Dass es nicht den Richtigen, sondern nur die Richtige geben konnte.

Und eines Tages, als ich am wenigsten damit rechnete, kamst du in mein Leben. Ich sah dich an und ich wusste sofort, dass du diejenige bist, die an meine Seite gehört. Ich fand das fast schon kitschig, aber von der ersten Sekunde an war da dieses Gefühl, tief in mir, dass mir sagte, dass du etwas ganz besonderes bist. Dieses Gefühl sollte recht behalten.

Neben dir fühle ich mich komplett. Da ist kein Gefühl mir, dass mir sagt, etwas würde mir fehlen. Wenn ich jetzt abends im Bett neben dir liege, dann genieße ich deine Nähe. Ich lasse zu, dass du mich in den Arm nimmst und mich fest an dich drückst. Du erdrückst mich nicht. Ich möchte nicht mehr allein sein und wenn ich es doch mal bin, dann warte ich auf den Moment, in dem ich dich wiedersehen werde. Du lässt mich mich sein und ich lasse dich genauso sein, wie du bist. Du bist der andere Teil von mir. Danke, dass ich endlich komplett bin.


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7 Antworten

Kommentare

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  • 2

    Ja, voll schön. Ich bin total valüpt in den Täkst.

    17.03.2016, 18:16 von Fin_Fang_Foom
    • 3

      Ich bin dafür, dass Neon eine Rubrik einführt "Meine Geschichte" . Früher gabs mal so eine Art Groschenroman-Heftchen, da konnte man nur solche Stories lesen. Tragische Geschichten aus dem (Liebes-) Alltag von Frauen^^
      Heute würde so eine Online-Plattform auch diverse Möglichkeiten des Austauschs, der Lebenshilfe und des allumfänglichen Mitgefühls bieten.
      Man könnte sich auch dann zu Leidens- und Selbsthilfegrüppchen zusammenfinden ;)

      17.03.2016, 20:49 von Gluecksaktivistin
    • 1

      Au, das wird der virtuelle Straßenfeger! 

      17.03.2016, 21:43 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Hihihihi.

      17.03.2016, 21:44 von Gluecksaktivistin
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  • 0

    Oh ist das schön!

    17.03.2016, 17:47 von Choccina
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  • 0

    schön. <3

    14.03.2016, 16:42 von feinesuesse_xo
    • 0

      Vielen Dank!

      16.03.2016, 11:25 von Ellie30
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