befindlichkeit 04.01.2007, 00:02 Uhr 7 4

Der Abend, an dem alles anders wurde...

Ein Faden von Gedanken fesselt mich an meinen Stuhl, das einzige, was ich kann, ist immer tiefer in diesen zu sinken.

Fast ein Jahr, fast ein ganzes Jahr ist es nun her und ich erinnere mich an diesen Abend, als wäre das alles erst gestern passiert. Wirklich erst gestern?

„Du ich glaub Tim ist tot. Zumindest hat das gerade dieser Gunnar gesagt.“ Eine sehr gute Freundin sendete mir diese 13 Worte. 13, meine echte Pechzahl.
Als ob die letzten Woche nicht schon schlimm genug waren. Diese Ungewissheit - wacht er auf? - wie lange noch? - 1 1/2 Wochen Koma - die bis dahin schlimmsten Tage meines Lebens, aber es sollte ja noch schlimmer kommen...

Ich sitze auf meinem Stuhl, kann nicht ganz glauben, was ich da lese, kann nichts, kann nicht einmal anfangen zu schreien, zu weinen, zu lachen. Ich kann nichts. Ich sitze einfach nur da wie gelähmt. Ein Faden von Gedanken fesselt mich an meinen Stuhl, das einzige, was ich kann, ist immer tiefer in diesen zu sinken.

Ich weiß nicht, was ich machen soll. Jetzt ist es ja auch zu spät. Ich habe meine Chance vertan. Alles auf Risiko gesetzt. "No risk, no fun". Wie fun? Das ist hier alles garantiert kein fun.

Ich sitze einfach nur da und starre auf die paar Worte. "Scheiße, was machst du denn jetzt?" Ich bin viel zu geschockt, um zu weinen oder um überhaupt irgendwelche Anzeichen von Gefühlen zu zeigen. Ich kann einfach nichts tun. Plötzlich schießt es mir in den Kopf. Lauf weg, einfach nur weg hier. Ich werde noch gefragt, was ich mache, was ich tun werde, aber ich weiß es selber nicht so genau. Ich solle keine Scheiße bauen, wie ich es schon so oft getan habe. Ich will einfach nur weg aus dieser Umgebung. Einfach feige, wie ich immer bin, fliehen. So wie ich immer fliehe, wenns brenzlich wird, so wie ich mich vor allen bösen Angelegenheiten drücke, ihnen aus dem Weg gehe. Ich bin auch vor der Verantwortung geflohen, mich um einen Menschen zu kümmern. Einfach auf ihn aufzupassen. Der größte Fehler meines Lebens.

Auf der Straße angekommen entscheide nicht ich, wohin ich gehe, sondern meine Füße tragen mich wie ferngesteuert zu unserem Ort und da sitze ich dann fast eine Stunde. Erst da wird mir alles klar und Tränen sammeln sich in meinen Augen. Er hat sich umgebracht - wegen mir - anscheinend!

Was habe ich da getan? Ich habe meinen besten Freund aufgegeben und mir fällt noch nicht einmal ein, wieso. Sicher es gab Probleme, aber diese lassen sich klären. Ich bin einfach wie immer vor den Problemen und vor den Lösungen geflohen. Wie immer, machte ich mir alles leicht.

Darf man das? Darf man sein „Ein-und-Alles“ aufgeben? Er war mein „Ein-und-Alles“. Er war alles, was ich je wollte und brauchte.

In stillen Momenten erinnere ich mich noch an ihn und fange an zu weinen, weil dieser Schmerz einfach zu groß ist.

Es ist nicht das Schlimmste, einen geliebten Menschen zu verlieren, es ist das Schlimmste, dass man alleine weiterleben muss und von einem erwartet wird, schon nach einem Tag so weiterzumachen, wie man aufgehört hat!

Ich habe es nun versucht zu verarbeiten und lerne mit dem Schmerz und den Vorwürfen zu leben, aber ich bin immer noch der Mensch, der diese geliebte Person braucht und als „Ein-und-Alles“ ansieht und wie es aussieht gehe ich nur als eine Hälfte von einem Ganzen durch das Leben. Vielleicht sollte ich einfach wieder fliehen... Wie immer...

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7 Antworten

Kommentare

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    ... ich hab grad ziemlich gänsehaut bekommen ...

    06.02.2007, 18:24 von nani-ipo83
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    ...schlimm... wünsch dir stärke...gib dir selbst nicht die schuld... nieman kann wissen wieso...

    20.01.2007, 21:13 von PDK
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    oh mann, so etwas wünsche ich niemandem... ich wünsch dir alles gute

    20.01.2007, 17:58 von Crazy4life
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    *eine Träne für dich..

    10.01.2007, 21:42 von MissLyra
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    ich kann dich sehr gut verstehen. ich bin auch geflohen, vor meinem besten freund. weil ich nicht damit klar kam, dass er heroinabhängig ist. ich kann nicht meinem besten freund dabei zu sehen, wie er langsam aber sicher an dem zeug verreckt. deshalb bin ich gegangen. habe abstand gesucht. ich warte nur auf den tag, an dem ich erfahre, dass er nicht mehr lebt. un das tut weh.

    08.01.2007, 21:06 von summersong
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    ich kann alles genau nachenpfinden, bei mir ist es mit ausnahme des selbstmordes das gleiche,sogar der name ist der name ist der gleiche.wenn er gehen würde,ich müsste mit,sonst würde ich es nicht ertragen

    08.01.2007, 17:18 von anneliseSchmidt
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