liebeswandel 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 3

Dating: Was SIE will- was ER will…und was beide tun

Dating könnte so einfach sein- wären nicht Mann und Frau am Werk...


Aus aktuellem Anlass ein Thema, das ich noch etwas hätte warten lassen: Das Dating-Verhalten von Mann und Frau- und welchen Absichten tatsächlich hinter den jeweiligen Handlungen stehen. Hervorgebracht hat es eine neue Frau im Freundeskreis, die irgendwie keine gescheiten Typen kennenlernt, sondern nur die Falschen- und davon jede Menge. Jammern auf hohem Niveau würden es manch andere anwesende Geschlechtsgenossinnen im Freundeskreis nennen, aber es macht diese Dame fertig! Es macht sie fertig, dass Keiner bleibt. Aktiv kenne ich logischerweise nur die Männerseite des Dilemmas, passiv beobachte ich aber schon lange, was die Herren der Schöpfung sprichwörtlich mit Frauen anstellen.

Dass Männer und Frauen grundsätzlich erst einmal verschiedene Beweggründe haben, um jemanden kennenzulernen, ist den meisten klar. Pauschal betrachtet, kann man behaupten:

Männer wollen Sex

Frauen wollen Beziehung

Dies mag vielleicht nicht in allen Fällen so sein und oft gibt es auch Phasen einzelner Singles, während denen sich dies auch umverteilen kann. Kommt es dann zu einer „Mann will Sex – Frau will Sex“-Paarung dann ist alles gut für eine gewisse Zeit. Die Paarung „Mann will Beziehung- Frau will Beziehung“ kann in der Regel länger halten als vorige, jedoch haben beide schlechte Karten alsbald einer der beiden seine innere Ausrichtung von Sex auf Beziehung oder anderes herum ändert.

Damit mag ich mich aber an dieser Stelle weniger beschäftigen. Im Fokus steht das 08/15-Date-Verhalten junger Männer und Frauen. Fangen wir mit dem Paarungsverhalten des Mannes an, denn es ist in der Tat ein Paarungsverhalten, wie es auch in der Tierwelt zu beobachten ist. Der Mann geht aus mit Freunden, meist aktiv- in Bars, Kneipen, Diskotheken, Events. Das primäre Ziel  ist- und da kann mir kein Mann etwas anderes erzählen- eine Frau kennenzulernen. Egal wie erfolglos Männer sein können, sie gehen aus dem Haus um HEUTE eine kennenzulernen, aufzureißen, flachzulegen. Männer gehen aus dem Haus und akzeptieren als geringsten Erfolg Sex zu haben. Für viele wäre das schon das Best-Case-Szenario, denn der Anspruch die Frau fürs Leben zu finden (oder realistischerweise für die nächsten zehn Jahre bis zur Scheidung), besteht nicht. Klar wäre es schön wenn es passieren würde, da es aber bisher selten der Fall war, ist „nur Sex“ schon ausreichend. Man kann diese Einstellung keinem Mann verübeln, denn es muss in den Genen der männlichen Spezies liegen, für Nachkommen zu sorgen und seinen Samen weit zu streuen. Frauen sind da von Natur aus anders, dazu aber später.

Soweit gäbe es kein grundlegendes Problem mit dem unterbewussten Paarungstrieb des Mannes, wenn, ja wenn er sich denn auch nach außen hin so verhalten würde. In aller Regel ist es nämlich gänzlich anders. Da Männer über Generationen gelernt haben, dass sie mit einem ehrlichen „Ficken!?“ nicht ihr gewünschtes Ziel erlangen, mussten sie ihre Taktik ändern. Fern von dem, was sie ausdrücken wollten, lernten sie zu sagen, was Frauen hören wollen. Und das mag ich an einer Analyse eines klassischen Kennenlern-Zyklus zwischen Mann und Frau darstellen.

Männersicht:

Das Männchen bewegt sich sicher in seinem Revier. Es hat zur Feier des Tages ein entsprechend auffälliges Federkleid aufgelegt. An gemischt-geschlechtlichen Orten der Flüssigkeitsaufnahme erspäht das Männchen ein Weibchen, das aufgrund seiner Gestik und optischer Darbietung Fruchtbarkeit und Paarungswillen aussendet. Der Mann spricht die Frau folglich an und versucht einen guten Eindruck zu machen. Mein Haus, mein Auto, mein Boot…was er beruflich macht, warum er ein cooler Typ ist, er hat Verständnis für dies, hat Bla schon gesehen und war auch schon in Blub. Der Mann tut alles um der Frau eine gewisse Sicherheit zu suggerieren, geistige Stabilität und breiten Horizont- ohne zu weit raus rudern zu wollen (natürlich!). Aber warum das Ganze? Entsprechend seinem urinstinktiven Anliegen sollte seine Faktenkette aus Körperliche Ausdauer, sexuelle Bandbreite und gesundheitlicher Unbedenklichkeit bestehen- tut sie aber nicht. Es werden Nummern getauscht, noch nachts wird versichert, dass „es ganz toll war SIE kennenzulernen“ und auf ein baldiges Wiedersehen gehofft.

Beim tatsächlichen Date, Tage später, beginnt alles von vorn: Anfangs nüchtern werden die bereits genannten Grundfakten aus der Samstag-Nacht-Broschüre erneut verifiziert. Unter leichtem Alkoholeinfluss wird das Gespräch um Randthema der Persönlichkeit und anderes Belangloses erweitert. Später am Abend dann der obligatorische Kuss als Brückenelement zum sexuellen Akt (selten am gleichen Abend) Tage später. Ist der Sex erst Tage später, so gibt sich der Mann wirklich Mühe recht regelmäßig zu schreiben und die Abstände von Nachricht zu Nachricht nicht zu groß werden zu lassen. Weil er jedoch keine Lust hat in ein SMS-/Whatsapp-/Facebook-Pingpong zu geraten, lässt er die Dame bewusst teils Stunden auf die Antwort warten. Meist enthalten die Antworten keine geistigen Ergüsse, Originelles oder versteckte Informationen. Oft hätte der Mann diesen, exakt diesen Text schon sofort antworten können- er tut es nicht, denn er will kein Pingpong.

Dann der Abend: Bei ihr angekommen, in ihr gekommen und endlich runtergekommen, hastet er ins Bad. Hygiene ist wichtig, ebenso wichtig, wie heute nicht zu spät ins Bett zu kommen, da er ja schließlich morgen pflichtbewusst arbeiten muss (schließlich warb er sich als der zuverlässige Versorger). Mit ihrer Zustimmung und dem Hinweis, dass er sie „so bald wie möglich wieder sehen“ will, trennen sich der beiden Wege für diesen Abend. In den Folgetagen schraubt der Mann dann die Frequenz der Nachrichten runter und dehnt somit auch die Wartezeiten der Nachrichten auf ein Maximum aus. Er tut dies nicht um etwa sein Pulver nicht zu früh zu verschießen. Das hat er nämlich schon mit ihr gemacht- seine komplette Ladung verschossen. Auf Grund des diplomatisch-sensiblen Geschickes der Frau und etwas eigenem, schlechtem Gewissen geht es nun in die zweite Runde. Sparsam, wie er als potenzieller Ernährer ist, wird das Cocktail-Trinken in der schicken Bar in zwei Flaschen Rotwein auf der unschicken Ikea-Couch umgeplant. Nach ungefähr 700-800ml Rotwein hat er nun die richtige emotionale Grundlage, um geistig bereit für Sex zu sein.

Glücklicherweise ist das auch gerade noch die Füllmenge, mit der körperlich höchst performant wird. Etwas gequält davon, dass ihm die vorherige Alkoholzufuhr einen leichten und abrupten Orgasmus verwehrt, verzweifelt er daran, dass auch sein Kopf nun nicht mehr genug Fantasien liefert, um ein baldiges Ende hervorzurufen- Augen zu und konzentrieren! Da sie, nun beim zweiten Fick, gar nichtmehr so geil ist, sei auf sie auch kein Verlass. Eine dreiviertel Stunde reinen Stoßaktes später klappt es dann doch und weil es so viel länger gedauert hat als geplant,…äh…“soviel geiler war als beim ersten Mal (,Baby!)“ und er nicht glaubt, dass er noch genug Restladung für eine zweite Session hat, huscht er ins Bad, gibt ihr einen Kuss und ab. Schließlich ist morgen wieder die Nacht rum. Und dann? Noch ein drittes mal? Viertes sogar oder mehrmals noch? Irgendwann ist die Luft jedenfalls raus (aus dem Sack) und der Nachrichtenintervall wird von ihm auf einen Tag und größer gesetzt. Er entschuldigt sich regelmäßig mit „Sorry, Baby. Bin busy auf der Arbeit- alles so stressig im Moment“, ohne wirklich auf ihre Fragen einzugehen. Irgendwann dann sind in seinen Nachrichten alle Verwandte und Haustiere als tot gemeldet worden und es bleibt nichts mehr zu schreiben. Die finale Nachricht, dass er nicht denkt, dass sie sich nochmal sehen, spart er sich- er ist ja schließlich sparsam!

Was hat er getan? Er hat ihr die Beziehung vorgespielt, um an Sex zu kommen! Unverschämt? Das wäre es normalweise, aber schauen wir erst was Frauen machen.

Frauensicht:

Das Weibchen bewegt sich in einem Revier, das ihr andere Geschlechtsgenossinnen mit dem Hinweis empfahlen, dass dort viele taugliche Männchen zugegen seien. Auf Grund der mäßigen und oft nur kurzfristigen Paarungserfolge der vergangenen Zeit beschließt sie, nun etwas eigeninitiativer zu sein als bisher: Sie wird nun aktiv Männer ankucken. Dennoch fühlt sie sich etwas unsicher und das sieht man ihr auch an. Mit ihrer optischen Darstellung hat sie ihr möglichstes getan, denn mehr konnten sie und ihre Beraterinnen nicht rausholen. Doch welch´ Glück, denn schon bald bekundet das erste Männchen Interesse und schon bald stellt sie fest; er ist ein ganz Charmanter im Werben um sie. Sie weiß schon garnichtmehr was sie ihm alles erzählt hat und noch weniger welche Fragen sie ihm bereits mehrmals stellte. Was sie weiß ist; er hat ein Auto, ein Haus und ein Boot, weil er arbeitet. Ab nun ist klar, sie kann zu Hause bleiben und sich um den Nachwuchs kümmern- jetzt also bloß nichts falsch machen! Doch was kann schon schief gehen; er hat vieles schon gesehen und hört ihr zu, und wie er „jaja, kenn ich“ sagt- zum dahin schmelzen. Die Zeit an diesem Abend verläuft wie die Eiswürfel im Glas. Am Ende noch schnell die Nummern ausgetauscht- ab jetzt kann nichts mehr schief gehen. Doch kaum daheim angekommen, stellt sich die Fragen:

„Fand er es auch gut, wie halte ich in bei der Stange? Wie bekomme ich in eine Beziehung? Genau, erst mal die Lässige machen! Wenn ich nicht bald mit ihm ins Bett gehe, denkt er ich spinne…aber ich bin anders als die anderen, das wird er schon noch sehen!“ *Dingding*

Die Nachricht von ihm kommt an, anscheinend fand er den Abend auch gut. Tage später dann legt sie folgende Taktik an den Tag: Sie wird locker und entspannt sein, sie wird ihm zeigen, dass sie keine verkrampfe Kuh ist wie alle anderen. Er soll ja nicht denken, dass sie auf der Suche nach einer Beziehung ist, denn das könnte ihn nur wegekeln. Sie wird mit ihm ins Bett gehen, auch wenn sie sich nach dem letzten Malheur geschworen hat, das nicht mehr zu tun. Sie ist sich sicher, nur ein paar Abende mit ihr und sie hat ihn am Haken, denn sie ist anders als die anderen. Soweit der Plan… Und es läuft gut, beim Date, denn tatsächlich stimmen alle seine Eckdaten und nun erzählt er sogar etwas mehr über sich- zum Glück keinen Sex-Kram. Das ist ein gutes Zeichen- ihr Plan könnte also aufgehen. Er ist natürlich Gentleman und legt es heute noch nicht darauf an mit zu ihr zu kommen, sie im Gegenzug freut sich sehr darüber. Die Euphorie bleibt, denn er gibt sich Mühe und schreibt regelmäßig. Zur Sicherheit muss logischerweise die beste Freundin mitlesen, denn vielleicht steht was zwischen den Zeilen- wer weiß? Geplant ist das nächste Date schnell. Er kommt zu ihr, was sie sehr sympathisch findet. Er will sie kennenlernen und sich involvieren, ihre Wohnung sehen, sehen wie sie lebt. Als Dank dafür und gerade weil der Brückenkuss schon beim letzten Date stattfand, gibt es heute keinen Grund zu warten. In ihren Augen hat er bewiesen, dass er Gentlemen und kein Sex-geiler Kasper ist. Es kommt wie es kommen soll- er kommt nach kurzem Akt. Sie fühlt sich geschmeichelt, dass er sie so heiß fand und nicht länger mit dem Höhepunkt warten konnte. Schade dass er gleich gehen muss, es ist erst 23 Uhr, aber vernünftig, sogar sehr vernünftig. Schließlich soll er auch so pflichtbewusst sein, wenn Janis und Paula erst mal auf der Welt sind. Gegen Mitternacht schickt sie ihm dann eine Nachricht, in der sie sich für den schönen Abend und den guten Sex bedankt, eine gute Nacht wünscht und in zärtlich küsst. Dass er erst um zehn am nächsten Morgen antwortet, hat sie diese Nacht lange beschäftigt, aber er schreibt so süß:

„Baby, da hab ich wohl schon knallhart geschlafen, als du geschrieben hast…“

Die beste Freundin verifiziert den Inhalt und interpretiert frei in einem 346-wörtigen Monolog eine „rosige Zukunft“. Schade, dass er beruflich so eingespannt ist, denkt sie, als sie wieder und wieder lange auf seine Antworten warten muss. Immerhin gibt das Zeit um regelmäßig jedes Wort von den mittlerweile drei bestesten Freundinnen bewerten zu lassen. Als endlich der Vorschlag kommt, dass sie doch „was Gemütliches bei ihr machen könnten, bei Rotwein, vielleicht ´n Film auf der Couch“, erkennt sie seinen Willen auf die nächste Stufe über zu gehen. Später am Abend dann, einen Film und zwei Flaschen Rotwein später wird auf der Couch rumgemacht und gepoppt- wie aufregend, mal nicht im Bett! Heute ist er gut drauf, das spürt sie, denn er dreht und wendet sie wie ein Blatt Papier. Es muss wirklich intensiv für ihn sein, denn er hat die ganze Zeit die Augen geschlossen. Nach gefühlten zwei Stunden der Penetration kommt er endlich. Diesmal wollte er anscheinend genießen und ließ sich daher Zeit. Weil sie froh ist, dass er sie nun ernst nimmt und sie nicht auf die Sex-Schiene geraten ist, erleichtert es sie ungemein, dass er ankündigt, heute zu keinem zweiten Akt in der Lage zu sein. Schade, dass er nicht da bleiben will, aber klar- der Job und morgen früh ist die Nacht vorbei. Kuss, Kuss und gute Nacht- er muss gehen. Leider ist er so beschäftigt auf Arbeit, dass es etwas dauert bis zum nächsten Date. Aber irgendwie ist das schon nervig mit seinem Job, er hat kaum noch Zeit zu schreiben. Leider dauert es teilweise mehr als einen Tag bis er antwortet. Die wenigen Nachrichten, die er schreibt werden bei Rotwein mit der Freundin analysiert. Nicht bei Sekt oder Prosecco, denn der ist freudige Momente. Der Rotwein und die beste Freundin unterstreichen es: „Er hat wohl keinen Bock mehr auf dich!“

Sie hat ihm Sex vorgegaukelt, um ihn in die Beziehung zu bekommen! Leichtsinnig? Keinesfalls, denn sie wird es wieder tun!

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