ficusbenjamina 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Das zweite erste mal.

Hier versuche ich, meine Gedanken, Gefühlen und alles andere zu verarbeiten. Entschuldigung für mein schlechtes deutsch.

Wir haben schon öfter geschrieben, so wie an diesen Abend auch. Irgendwann fragt er, ob ich ihn besuche. Es ist 2 Uhr. Ich ziehen mir einen Jogginganzug an und öffne die Haustür. Es stürmt. Stärker, als schon am vergangenen Tag. Schnell laufe ich zum Auto und fahre los.


Immer wieder kommen die fragen: Warum mache ich das? Will ich das? Langsam werden die Zweifel größer. Hat er AIDS? Wird er mich mögen?


Ich verfahre mich.


Irgendwann komme ich an. Er lässt mich rein. Er ist jung, nicht hässlich. Seine Wohnung ist interessant. Es riecht nach Zigaretten Qualm, an der Wand hängt "Die Erschaffung Adams" von Michelangelo. Wir reden. Smalltalk. Er ist sympathisch - mit einer hohen, schwulen Stimme. Kurze braune Haare, einen kleinen Bauch.

Die Fragen lösen sich auf.

Er zeigt mir sein Schlafzimmer. Der Qualm wird stärker. Es riecht nach Schweiß. Ich sehe ein Doppelbett mit einem rosa Leuchtstreifen. Über dem Bett ist eine weiße Schräge mit einem Wandtatoo: "Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!"


Ich drehe mich um. Bevor ich einen Zweifel äußern kann kuschelt er sich an mich. Langsam zieht er mich aus. Wir legen uns auf das Bett. Das blasen fühlt man nicht, einen leichte Wärme vielleicht. Ich ekle mich vor seinem Penis  - überwinde mich aber. Es ist leer. Nicht an Ideen sondern an Gefühlen.


Immer wieder kommt diese eine Frage auf: Mag er mich so, wie er mich jetzt sieht? Diese Frage hindert mich daran, irgendwas zu genießen. Er schaut mich an und onaniert, zu meinem Gesicht. Auge in Auge. Er nimmt mich wahr. Er akzeptiert mich, mag mich, so wie ich bin. Lange habe ich mich nicht mehr so bestätigt gefühlt - ein schönes Gefühl, geschenkt von einem One night stand, einen fremden. Warum kann er mir mehr schenken als meine Freunde, mehr als meine Familie? Dieses, und alleine dieses Gefühl war ein einziger Höhepunkt. Dafür - und allein dafür hat sich alles, der Ekel, die Überwindung, die Angst gelohnt.

Aber da gab es etwas leeres. Ich merke, das ich kein Sex brauche, sondern emotionale Nähe. Das kann mir eine fremde Person nicht geben. Sex ohne Gefühle - wie leben ohne Idee. Etwas sinnfreies, Zweckloses. Ich habe gemerkt, das Sex etwas besonderes ist, so besonders, dass man eine wichtige Person braucht. Nicht nur das, sondern eine Beziehung.

Wir sind fertig. Reden. Er bietet mir eine Cola an. Ich fahre nach Hause und habe eine Frage: Warum? 


Tags: Schwulsein, sex, Angst, Verarbeitung, Erfahrungsbericht
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