lisafred 30.11.-0001, 00:00 Uhr 40 33

Das Nichts und ich.

„Entschuldigung“,sage ich zu dem Nichts,„wie lange willst du denn noch so ungefähr bleiben?“Das Nichts hat für diese Frage nur ein müdes Lächeln übrig

Es gibt Tage, da ist nur Wut.
Oder schlimmer noch das Nichts. Wut ist immerhin etwas. Wut kann man im besten Fall kanalisieren und im schlechtesten Fall explodieren lassen.

Das Nichts kann man nur aushalten und eigentlich trifft es das nicht, das Nichts kann man nur abwarten. Das ist ein elendes Warten. Ein Warten ohne Ende in Sicht, weil wenn das Nichts einmal da ist, fühlt es sich stets so an, als würde es immer bleiben.

Das Nichts lässt keine Antworten, keine Fragen, keine Träume, keine Ideen, keine Hoffnung am Leben. Das Nichts löscht alles aus. Man kann es beobachten, indem man versucht zu träumen während das Nichts da ist oder Pläne zu schmieden oder Ideen auszuarbeiten. Das Nichts wird es unmöglich machen. Den Anfangsgedanken, den bekommt man vielleicht noch zu fassen, aber dann steigt jenes säuerliche Gefühl in einem auf und man spürt wie sich jede Regung in einem zusammen zieht und ganz klein und schrumpelig wird. Der Geist, der erstickt, das ist das Nichts. Es ist der Widerhall von dumpfer Leere in Herz und Kopf. Wenn beim Blick in den Spiegel nur die Lächerlichkeit deiner Existenz zurückgeworfen wird und das Nichts neben dir steht und „naja so ist das Leben“ sagt.

Auch nachts ist es nicht besser. In dunklen Träumen greifen dunkle Gestalten nach mir. Ich kämpfe ständig gegen irgendwen oder irgendwas, schwer definierbar, und verliere immer. Die Wege sind verworren, die Dinge rätselhaft und unlösbar.
Manchmal, an den Morgen danach, die sich nicht nur anfühlen als hatte man nicht geschlafen, sondern als käme man von einem stattlichen Rave, tippe ich dem Nichts zaghaft auf die Schulter.

„Entschuldigung“, sage ich zu dem Nichts, „wie lange willst du denn noch so ungefähr bleiben?“ Das Nichts hat für diese Frage nur ein müdes Lächeln übrig.

„Ach Kleines“, sagt es, „du weißt doch wie das ist. Ich komme wann ich will und ich gehe wann ich will und nicht mal ich selbst kann vorher sagen, wann das ist.“ Und dann macht es weiter damit, alles nichtig zu machen.

Manchmal, wenn es schlechte Laune hat, wird es hämisch.
„Versuch doch dagegen anzugehen“, sagt es dann und lacht sein giggelndes Psychothrillerlachen. Hätte es Haare, würde es sie mit Mittelscheitel tragen und sich ins Gesicht fallen lassen.
„Komm schon, versuch es. Du strengst dich gar nicht an. Los, gib dein Bestes.“ Es rollt mit den Augen und lacht und lacht.

Natürlich ist das ein Trick. Das Nichts weiß genau, dass all das nichts hilft. Liegen hilft und abwarten und möglichst flach atmen. Ich weiß das auch. Das ist mein Vorteil. Das Nichts und ich, wir kennen uns nicht erst seit gestern.

Also liege ich und atme flach und falls mich der Lauf der Dinge zwingt, doch etwas zu tun, weil man ja immer und ständig gezwungen wird, etwas zu tun, dann tue ich etwas und nur mein Geist legt sich hin und atmet flach. Ich kann das. Jahrelange Übung. Wer jetzt denkt: Ist doch nicht schwer – der hat keine Ahnung.

Erstens ist schon eine Kunst im Angesicht des Nichts nicht zu hyperventilieren und panisch durch die Gegend zu rasen wie ein Allergiker, der von einer Wespe verfolgt wird, und zweitens ist es die noch größere Kunst, trotz Bewegungslosigkeit und Stille nicht einzuduseln und langsam aber sicher die Scharfsinnigkeit einzubüßen. Denn es kommt der Moment, da das Nichts nachlässig wird. Dieser klitzekleine Moment des Schluderns, dieser winzige Riss in der Absolutheit des Nichts – den muss man abwarten und blitzschnell reagieren.

Und wenn man Glück hat und was auf dem Kasten kann man hindurch schlüpfen, raus aus dem Nichts, sich umdrehen und dem Nichts eine lange Nase machen oder einen F*** geben und „bis zum nächsten Mal, du dumme Sau“ schreien oder Kusshände in Richtung Nichts werfen und dann die geballten Fäuste zum Himmel strecken und „yeahyeahjippiejayeah Schweinebacke“ schreien. Dann wenn man erstmal raus ist aus dem Nichts, denn sind der Möglichkeiten viele.

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40 Antworten

Kommentare

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  • 2

    Wer mit dem nichts nicht umgehen kann, sollte eine Therapie machen, denn der Einsamkeit folgt die Depression.


    Ich finde nichts schön, es kann beruhigend und wie Therapie sein in einem Leben voller Medienüberflutungen und wirmüssenallespostenundliken-hysterikern. 

    18.03.2015, 19:29 von marco_frohberger
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    • 1

      nich so viel chatten!


      [hehe]

      17.03.2015, 20:20 von HerrJemine
    • 3

      das nichts kann auch mitkommen, wenn man rausgeht.

      17.03.2015, 20:29 von nennmichalice
    • 7

      so neu und hilfreich wie der hinweis auf der zigarettenpackung. 

      17.03.2015, 21:14 von stonedinparadise
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    • 1

      ihr habt alle recht :-)

      17.03.2015, 23:11 von HerrJemine
    • 4

      Nö, ist nur halb richtig. Ihr verkennt den Ernst der Lage. Meist ist dieser Ratschlag schon nicht mehr ausführbar. Mit einer zu niederschlagenden Depri im Kopf geht niemand mehr aus und trifft Leute. Die will man gar nicht sehen - die Frage "ist alles okay mit dir" möchte der Deprimensch der Person am liebsten mit der Faust in die freundlich-besorgte Visage einplanieren oder einfach überhören, je nachdem, ob grad das Wutprogramm läuft. Aber ich will nicht sinnfrei dagegenhalten. Ich habe einen Praxistip. Erstmal muß der Serotoninhaushalt biologisch verträglich hochgepuscht werden. Wichtigster Schritt: Laufen gehen. Das kann dann mit Kakaotrinken/Schokolade futtern gepaart werden und Pfoten weg von fünfblättrigem Zackenklee.

      Kleine Erfolgserlebnisse aneinanderpacken. Wenn genug Kraft angestaut wurde, das Problem medizinisch angehen, professionelle Hilfe aufsuchen. Das ist unter Umständen eine ernst zu nehmende Erkrankung. 
       
      Bis denn, liebe Puffreisnager.

      18.03.2015, 16:44 von Morlott
    • 0

      ich muss zugeben, ich habe den artikel gar nicht gelesen. aber dein praxistipp ist absolut tauglich, so viel kann ich sagen.

      18.03.2015, 17:09 von HerrJemine
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    • 0

      das glaube ich nicht.

      18.03.2015, 18:45 von HerrJemine
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    • 1

      da bin ich aber schon lange raus.

      18.03.2015, 18:59 von HerrJemine
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    • 2

      depression oder sehnsucht, völlig egal. laufen und schokolade helfen.

      18.03.2015, 19:15 von HerrJemine
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    • 0

      Ich habe Erfahrung aus erster Hand, den Artikel und die dazugehoerige Webseite0800 480 0888 

      18.03.2015, 20:29 von Morlott
    • 0

      moment, kurz handy wegwerfen

      18.03.2015, 20:30 von Morlott
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    • 0

      Also. Zuerst einmal meinem Pfad folgen:  Bitte dem Weblink nachgehen und dort mal weiterlesen. Ich denke Depression ist hier durchaus die richtige Idee.

      Ich hatte es mit einem depressiven Partner und drei Familien zu tun, in denen Depression ein Thema war. Das macht mich nicht zum Experten. Zum Schubsen in die richtige Richtung langt es gerade so.
      Mein Problem mit dem, was der Arzt treiben wird:der kommt mit diesen verdammten Gleichgültigmachern - und dann heisst es Zombiemode on. Deshalb meine vorgeschlagene Reihenfolge. 

      18.03.2015, 20:45 von Morlott
  • 0

    Das kann ich genauso nachfühlen und deine Worte sprechen mir aus der Seele! Danke, dass ich nun nicht mehr das Gefühl habe mit diesen Gefühlen alleine zu sein.

    17.03.2015, 18:23 von sternenfeanger
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      Niemand muß das Gefühl haben, mit seinen Gefühlen allein zu sein. Wenn er mit Leuten über seine Gefühle spricht kommt meißtens raus, dass andere ähnlich fühlen oder zumindest nachfühlen können :)

      18.03.2015, 14:11 von Tanea
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  • 1

    Ein wohlbekanntes Gefühl wunderbar ausgedrückt. Gefällt sehr:)

    17.03.2015, 09:40 von nennmichalice
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