DearMissGarland 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 5

Das letzte Lied

Nichts als Gespenster.

Schon seit Stunden teilst Du mit mir deine Musik.
Weil es für dich bequemer ist, wenn ich aufstehe, um wieder und wieder eine neue Playlist auszuwählen.
Und wieder und wieder stehe ich auf. Stehe auf und entferne mich von dir.
Will ich Dir gefallen?
Ja.
Wie einfältig.
Doch jedes Mal, wenn ich mich zurück zu Dir drehe, hast Du dich bewegt. Nur ein wenig. Hast dich weiter nach links gelegt, um mir den Platz zu nehmen.
Wieder und wieder lege ich mich neben dich. Jedes Mal ein Stückchen näher.

Ein letztes Mal stehe ich noch auf, aber dann ist Schluss. Das habe ich mir vorgenommen.
Als ich mich das letzte Mal zurück zu Dir drehe, willst Du, dass ich das Licht lösche. Es ist so unbequem.
Im Dunkeln kehre ich zu Dir zurück und die Nähe ist leichter.
Wir können uns nicht sehen. Wir können nicht sehen, wie sehr der Abstand zwischen uns geschrumpft ist.
Meine Finger gleiten über deinen Rücken. Du kennst meine zärtlichen Streicheleinheiten.
Du magst sie.
Ein kleines Seufzen entfährt Dir.

Die Playlist heißt „Just Breathe“.
Weil man nur atmen muss. Atmen und zuhören.
Das erklärst Du mir, während dein Lieblingssänger sein erstes Lied anstimmt.
Dir fällt nicht auf, wie sehr Du Dir selbst widersprichst.
Ich muss schmunzeln, weil ich will, dass Du still bist.

Er singt von Schuhen und Zweifeln, von Lachen und Erinnerung.
Ich kenne dieses Lied zu gut, um auf den Text zu achten.
Ich achte auf dich.
Mein Lächeln wird leicht, denn Du singst mit. Nicht gut, aber schön.
Ich schaue dich gerne an, wenn Du singst. Noch lieber als sonst.

Es kommt mir sinnlos vor, was ich tue.
Ich spreche eine Zeile mit.
Wir teilen uns das Lied.
Du singst es in den Raum und ich in dein Ohr.
„Trag dieses Lachen bei Dir, wenn Du gehst, denn ich mag es sehr.“

Du legst einen Arm um mich und in der Dunkelheit nähern wir uns aneinander weiter an.
Dein Gesicht genau vor meinem.
Du spürst es auch.

Kennst Du das Gefühl?
Du bist innerlich ganz aufgewühlt…
Du spürst, wie dein Herz rast.
Doch um dich ist alles ruhig. Und friedlich.
Du fühlst dich wohl. Einfach so.
Und Du hast den Eindruck, dein Herz würde verwirrt.
Verwirrt davon kommt es aus dem Takt.

Nein, das kennst Du nicht.
Ich habe es doch selbst gerade erst kennengelernt.
Das Gefühl, ganz nah am glücklich sein…

Dann bricht das letzte Lied an.
Und meine Lippen berühren deine.

5

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Kommentare

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    Gisbert! <3

    16.04.2018, 18:43 von nansen
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