anleko 11.09.2012, 18:27 Uhr 44 159

Das kleine Herz und seine große Liebe

Und wieder einmal fand der Verstand das kleine Herz, zusammengekauert und todtraurig in der Ecke des großen Salon hockend.

"Was hast du denn, kleines Herz?" fragte der Verstand besorgt und kannte doch schon die Antwort. Wie oft hat er in den letzten Tagen
den mahnenden Finger gehoben und um Vorsicht gebeten. "Hat die GroßeLiebe dich verlassen? Hattest du schon wieder ihren Worten geglaubt? Hattest du wieder begonnen mit der Hoffnung zu spielen?" Das kleine Herz nickte beschämt, es fühlte sich verletzt und von der Hoffnung betrogen.
 "Ach armes, armes, armes kleines Herz. Du bleibst ersteinmal ein paar Tage bei mir, bis es dir besser geht."
Und so umhüllte der Verstand das schluchzende kleine Ding mit seinem Mantel und nahm es mit nach Hause. Die Erfahrung wartete schon auf die beiden und als sie das kleine Herz so zerschunden von alten Narben und neuen Rissen und einem noch frischen langen Bruch quer über den ganzen Körper sah, schüttelte sie den Kopf und begann wortlos die tiefen Wunden zu versorgen.

Die nächsten Tage waren ruhig, die Sehnsucht schaute oft vorbei obwohl die Erfahrung und der Verstand es nicht so gerne sahen.
"Aber sie gehört zur Heilung der Wunden" sagte die Erfahrung besänftigend zum Verstand, "sie sind schließlich durch die Liebe fest miteinander verbunden." Sie würden nur aufpassen müssen das sie das kleine Herz nicht zu sehr anstrengt.

Oft setzten sie das kleine Herz in die Sonne, musizierten für es und luden die Trauer und das Vermissen zum Tee.

Die Tage vergingen schnell aber die Wunden die am Abend schon begonnen hatten zu heilen, waren am Morgen oft wieder entzündet und offen.
Ratlos sah die Erfahrung den Verstand an und zuckte hilflos mit den Schultern.
Die Nächte vergingen schleppend und das kleine Herz fand nur selten in den Schlaf. Der Verstand lies Wachposten vor dem Zimmer
des kleinen Herz aufstellen, weil er nicht wollte das die kleinen neugierigen Mitleide es nachts störten, es anstarrten und dann tuschelten.
Aber die Mitleide waren gar nicht das Problem. Was die Wachen in dem Gewusel nicht beachteten, war die Hoffnung die sich vorbei schlich.
Und sie kam nicht allein, sie brachte mal die Wut, mal die Eifersucht und gestern erst sogar, die Reue mit.
Und alle hatten sie kleine Neuigkeiten und Gerüchte über die GroßeLiebe.
Das kleine Herz weinte sehr bei den Worten, doch die Eifersucht nahm es fest in dem Arm und tröstete es.

Von all dem bekam der Verstand nichts mit, vielleicht hätte er etwas dagegen tun können.

Und so begann, die Zeit der Zeit. Das kleine Herz wurde wieder stärker und manchmal konnte es auch wieder Lachen.
Und so oft hörte es nun die aufmunternden Worte der Verschleierung, wie tapfer es doch sei und Stark.

Und nur wer sehr genau hinsah, konnte unter dem dicken Mantel, den es von der Erfahrung geschenkt bekommen hatte, die Enttäuschung blinzeln sehen und wissen, dass die Wunden noch nicht verheilen, dass die Brüche frisch und die Risse offen sind.


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44 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    So herzallerliebst und zauberhaft geschrieben. Ich mag diese Art märchenhafter Bildsprache sehr. Das bringt einem dieses traurige Thema auf eine ganz andere, sehr liebevolle Art und Weise nahe. Wirklich schön! :)

    Allerdings ist es wirklich so, dass das Ende ein bisschen unrund verfasst ist. Vielleicht schreibst du dir das ja doch noch irgendwann ein wenig um, wenn du Lust hast? Ich trau dir das definitiv zu! ;)

    07.01.2013, 13:47 von Kirschkernfunkeln
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  • 1

    sehr schöner und guter text

    27.12.2012, 14:19 von travelmate
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  • 2

    Was sagt der GuteGeschmack eigentlich zu dem Thema...?

    03.11.2012, 13:45 von sailor
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  • 1

    toll :)

    03.11.2012, 13:32 von Herztraene
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  • 1

    Toll... Liest sich sehr gut und du hast viele Gefühle mit einbezogen.. gefällt mir :)

    22.09.2012, 09:31 von Zauberbini
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  • 1

    Sehr sehr schöner Text. hat mich zum schmunzeln gebracht und hat etwas in mir bewegt. Wirklich...Toll!!!

     

    Nur das Ende - ich hätte mir ein etwas bejahemnderes gewünscht...Denn Mantel hin oder herr - Wunden und Risse werden immer zu Narben...einfach irgendwa...

    21.09.2012, 15:36 von strenchen
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  • 2

    Und plötzlich fühlen sich die eigenen Gefühle an wie kleine Wesen die man besser schützen sollte. :)

    Deine Bildersprache ist so schön. Wow. Sehr Toller Text. 

    19.09.2012, 20:55 von wieneu
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  • 1

    Ja, wie es eben einfach immer ist, der Verstand weiß, wenn etwas nicht gut ist oder läuft...nur wann das Herz diese Tatsache endlich einsieht, ist die Frage. Sehr schön in Worte gefasst, diese harte und oft schmerzhafte Realität!!! =)

    18.09.2012, 16:52 von NimsajT
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