Wolkensprung 27.01.2012, 11:54 Uhr 0 3

Das Herz verschwindet nicht, nur weil du es manchmal nicht spürst.

8500 Kilometer weit muss ich wegfliegen, um mich zu finden.

Seit Tagen habe ich Angst vor meinem Telefon. Lege es mit dem Display nach unten auf den Tisch und stelle die Vibration aus, um nicht bei jeder Mail zu glauben, du seist der Absender. Stecke es tief in die Tasche und bemühe mich, es nicht alle paar Minuten wieder herauszufischen um es anschließend wieder in die Tasche zurück zu werfen, weil du mir keine Nachricht geschrieben hast.

Du schreibst mir oft. Sehr oft. Seit einem Jahr. auch anderen. bis kürzlich. Seither bist du mir angeblich treu. Ehrlich? Treu? Weißt du denn überhaupt, wie man das schreibt? Treue und Ehrlichkeit - das seien deine wichtigsten Werte, sagst du. Nur so könne Vertrauen entstehen.

Logisch, irgendwie. Sehe ich auch so. Und dann, meist nur einen Tag später ruderst du zurück. willst keine Beziehungsdiskussion, nur Sex. Harten, wilden Sex. Um am nächsten Tag wieder mit mir auf der Couch zu kuscheln und mir ins Ohr zu flüstern, wie sehr du dich nach mir sehnst. Wie oft du an mich denkst. Wie eifersüchtig du wärst, wenn ich andere treffen würde. Um mich kurz darauf dazu anzuregen. Andere zu treffen, mit ihnen zu spielen, sie heiß zu machen und fallen zu lassen.

Viele sagen, du seist krank. Hättest ein Problem mit dir und deinen Gefühlen. Zuletzt durfte ich erstmals das zweite Mal bei dir übernachten, im selben Bett. Dabei sei dir doch dein "eigener Atem in der Nacht zu laut", hast du mal gesagt.

In ein paar Tagen fliege ich weg. Weit weg von dir. Weit weg von "uns". Uns? gibt es da überhaupt? ... ich fliege in ein Land, das einen Namen hat. Aber noch wichtiger: in ein Land, wo ich mich finden werde. Um meine Seele zu hören. Mein Innerstes zu fragen, wie weit ich bereit bin, mit dir zu gehen. Wo es schmerzt, wo die Wunden sind, und ob ich sie noch weiter ertragen kann. Ich werde unter Palmen liegen, die Zehen in den Sand stecken, auf das weite Meer blicken. Ich werde dich vermissen, an dich denken. und entscheiden.

...Was immer du in diesen 10 Tagen tust, in denen ich 8500 Kilometer weit weg von dir meiner Seele lausche, ich kann es nicht verhindern. Hemmungsloser Sex mit fremden Frauen, Dates bei Kerzenschein, Frühstück im Bett - was immer du tust, es wird mich berühren. So wie du mich bislang berührt hast.

Wenn ich dann wieder zu Hause lande, wieder meinen täglichen Weg zur Arbeit gehe, wieder meine Einkäufe erledige, den Kühlschrank auffülle, mich ins Fitnesscenter quäle und am Computer Kurzgeschichten schreibe ... was wird dann sein? ... Wirst du mich in die Arme schließen oder mit einer anderen im Bett kuscheln. Wirst du mir ein Abendessen kochen oder doch mit einer anderen essen gehen. Wirst du dich in mir verlieren in unseren innigsten Momenten, oder oberflächlichen Small-Talk führen.

Meine Angst schluckt die Vorfreude. Doch ich muss dich zurücklassen, um mich selbst zu finden. Um dir die Chance zu geben, deine Gefühle zu sortieren. Die Erfahrung zu machen, ob andere Frauen dich reizen oder nicht interessieren. Zu erkennen, was das ist, was wir nicht beschreiben können. Was uns ständig auseinandertreibt und wieder zusammenbringt.

Wenn es das ist, was sich Liebe nennt, wird es mich auch 8500 Kilometer entfernt finden. und mich zu dir zurückführen - in deine Arme, dein Bett, dein Leben. Wenn es das ist, was sich Liebe nennt, wirst du da sein, wenn ich zurückkomme - und mich nicht nur in die Arme schließen, sondern festhalten. Mich nicht nur in dein Bett werfen, sondern lieben. Mich nicht nur in dein Leben lassen, sondern mit mir leben. Ohne Sicherheitsnetz oder doppelten Boden. Dann gibt es ein "wir" und ein "uns". Und zwei Herzen, die im Takt schlagen.

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