Das Handy
Warum Beziehungen nicht mehr möglich sind
Ich habe dir eine sms geschrieben.
Ich habe geschrieben, ich würde dich morgen möglicherweise sehen wollen und dass ich Zeit hätte, wenn du ein paar schöne Stunden mit mir verbringen möchtest.
Und dann saß ich da und saß und starrte auf mein Handy und ging auch mal kurz in die Küche oder aufs Klo, weil Antworten nur kommen, wenn man nicht auf sie wartet und ich wartete nicht, ich ging spazieren und ließ mein Handy zu Hause und kam wieder und du hast geschrieben: NICHTS!
Und es ist nicht so, dass du „NICHTS“ geschrieben hättest, du hast einfach nicht geschrieben. Ich warte aber noch ein bisschen auf deine Antwort und versuche die ganze Zeit nicht zu warten, weil ich weiß, du kannst mein Warten riechen bis ans Ende der Stadt und weil du es riechen kannst, setzt es dich unter Druck und das willst du nicht, weil du aus einer Familie kommst, in der Beziehungen nicht gut laufen und weswegen du auch keine Beziehung willst und auch keine Verantwortung sondern nur ficken.
Und als ich am nächsten Tag meine, ich habe genug gewartet, ich bin kein Freund von Taktik und von selten-machen, ich habe das nicht nötig, ich tue, was ich will, ich stehe dazu und mein Stolz ist ein Stehaufmännchen, den verliere ich nicht, weil ich sage, was ich meine und selbst wenn ich es nicht sagen würde, wüsste ich, du könntest, was ich nicht sage auch riechen bis ans Ende der Stadt und fühltest dich dann unter Druck gesetzt und den willst du nicht und du wüsstest genau, was ich meine selbst wenn ich es nicht sage. Ich rufe dich also an.
Und es klingelt und klingelt und ich denke, ich höre gleich deine Stimme die so was sagt, wie: „Hallo mein Herz, ich wurde gestern entführt, ich konnte nicht ans Handy, man hatte es mir abgenommen, als man mich fesselte, aber ich habe die ganze Zeit an dich gedacht und mir deine Küsse gewünscht und ich bin so froh, dass du nicht taktisch bist und doch noch einmal bei mir angerufen hast.“
Als ich zuende gedacht habe, denke ich nicht mehr, das du selbiges gleich sagen würdest, ich denke nur noch, du gehst nicht ran, du Arsch. Und weil du nicht ran gehst, tue ich das einzig Vernünftige und schreibe dir noch einmal eine sms...
Und wünsche mir, es gäbe kein Handy, nicht mal ein Schnurtelefon mit Wählscheibe, sondern nur Briefe, die mit Eulen oder Boten verschickt werden und Toiletten auf dem Hof, die im Winter immer einfrieren. Ich wünsche mir, man küsste sich erst beim zehnten Date und hätte schon nach dem ersten die Verlobung in der Tasche, ich wünsche mir, ich lebte in einer anderen Zeit und hätte nichts zu tun mit Handys und Telefonen und Generationsgenossen, die sich selbst verwirklichen und Auslandssemester machen und einen Begleitservice aufmachen und auf Partys gehen an jedem erdenklichen Tag, die ihr Leben nicht mehr auf die Reihe kriegen, weil alles so schnell geht und man sich neben dem universitären Alltag ja auch noch gekonnt ablenken muss, Fernsehprogramm, Sport, Partys und ab und an mal Nahrung einkaufen können ganz schön anstrengend sein, man kann sich das kaum vorstellen, die Freiheit wollen und keine Verpflichtungen, wo Liebe verbrauchbar und brauchbar ist, man bekommt sie am leichtesten beim Geschlechtsverkehr, wo Anrufe Druck bedeuten und nicht Interesse und wo man lieber zwei Frauen auf einmal mit nach Hause nimmt als zwei Mal dieselbe... Ich wünsche mir, dass nicht mehr alle mich angucken, als hätte ich mich eben vollgekotzt oder selbst verstümmelt, wenn ich sage: „Ja ich wünsche mir Kinder... Nicht heute, aber morgen vielleicht schon und ich will auch nicht nur eins, ich will gleich drei und zwar alle auf einmal.“ Ich wünschte, ich könnte Briefe an meinen Liebsten schreiben, auf die ich eine Antwort kriege, weil unsere Ehe längst beschlossene Sache ist und unsere Liebe sowieso, ich wünschte, ich würde nicht warten müssen, weil ich wüsste, dass die verdammte Taube eben ihre Zeit braucht, ich wünsche mir die ununterbrochene Erreichbarkeit weg, weil man dann auch keine Erwartungen hat und weil man vor allem dann nicht wartet... Ich wünschte, ich könnte aufhören zu warten und im Warten immer mehr zu tun, worauf ich dann warte, ich warte jetzt auf eine sms, einen Rückruf und noch eine sms und ich weiß also jetzt schon, selbst wenn du dich meldest, was ich bezweifle, bekomme ich nicht das volle Programm sondern höchstens eins der drei Dinge, die mir zustehen.
Dann schreibst du, dass du eine Auszeit von uns brauchst und dass du nicht weißt, ob es noch das Richtige ist, ich frage mich, ob ich nicht gut zu vögeln bin oder was sonst dazu geführt hat, dass du in vereinbarter Verantwortungslosigkeit mal deinen Kopf klar kriegen musst und warum Auszeiten sogar in Fickbeziehungen nötig sind, wo kommen wir denn hin, am Ende eine Auszeit von der Frau am Fleischstand? Ich frage mich ernsthaft, was an dir schief gelaufen ist oder an mir oder an uns, wo der Punkt war, an dem alles nicht mehr war, wie es war, sondern so, wie es ist und warum es so ist und dass ich es nicht will und warum ich dachte, Bettgeschichten halten ewig.
Ich werfe mein Handy an die Wand, das Telefon in den Müll, den Computer aus dem Fenster und wünsche mir arrangierte Ehen und denke so laut, dass du es nicht nur riechen, sondern auch hören kannst: Sobald der Begleitservice aufmacht bin ich dabei.




Kommentare
Ach, das übliche...
27.01.2012, 11:54 von somehowamusingAuszeit und Handy passt nicht in einem Text.
27.01.2012, 11:53 von EliasRafaelAnsonsten stimm ich dir ein bisschen zu, auch wenn die anderen hier so meckern.
»und wünsche mir arrangierte Ehen«
27.01.2012, 11:23 von sailorGanz bestimmt nicht...
»Als das Telefon nicht klingelte, wusste ich, dass du es warst.«
Dorothy Parker, damals in den 20ern
Immer wieder ein tolles Zitat.
27.01.2012, 11:45 von B.tinaEin Tipp: Geduld ist eine Tugend.
27.01.2012, 11:12 von independentdreamerGeduld ist in diesem Fall nicht die Lösung.
27.01.2012, 11:23 von lalinaBei der SMS und Hinterhertelefonier-Geschichte schon.
27.01.2012, 11:25 von independentdreamerNein. Er hat keinen Bock. Da hilft auch Geduld nicht.
27.01.2012, 11:27 von lalinaJa, aber früher oder später hätte er sich doch schon gemeldet.
Kann man sehen wie man will.
27.01.2012, 11:32 von independentdreamerEr hat sich ja gemeldet, um ihr zu sagen: Ich habe keinen Bock mehr.
27.01.2012, 11:38 von lalinaUnd sorry, aber der Grund dafür ist ein ganz anderer als zwei Nachrichten und ein Anruf.
Ich frage mich, ob wir denselben Text gelesen haben.
Ja. Haben wir. Keine Angst. Mir ist durchaus klar, dass das nicht der Grund war. Ich hab mich lediglich am ersten Absatz aufgehalten, wo es um dieses ungeduldige Handykontrollieren geht. Dem rest des Textes konnte ich nicht viel abgewinnen (und hab es trotzdem bis zum Ende gelesen)
Keine Ahnung wieso du dich jetzt so daran aufhängst.
27.01.2012, 11:42 von independentdreamerErhängt!
27.01.2012, 11:44 von lalinaUff. Menschenskinder....
27.01.2012, 10:57 von Sterling4everUnd darum sind Beziehungen nicht mehr möglich? Hä?
27.01.2012, 10:37 von FrauKopfUnd weil in seiner Familie was schief lief will er nix?
Was ne infantile Nullnummer.
Ach ja, das ist die 08-15 Ausrede nach " Ich habe Migräne".
Also ich fand den unterhaltsam.
27.01.2012, 10:03 von justanotherpictureMach mal einen Punkt! Zu lange Sätze, in denen zu viel Nonsens steht.
27.01.2012, 09:53 von lalinaEr steht einfach nicht auf dich, es hat sich ausgefickt.
Wo der Typ nur noch mit seiner Körpermitte denkt, denkst du zu viel mit dem Kopf.
26.01.2012, 18:19 von JoshBlocIch verstehe auch nicht, warum dann auf einmal dieser echauffierte Stolz ins Spiel kommt und dieses "das hab ich nicht nötig".
Stilistisch finde ich solche langen Sätze äußerst unschön zu lesen.
nicht gut laufen und weswegen du auch
26.01.2012, 17:48 von SurecampDeswegen. Oder DESTEWESCHE
Und als ich am nächsten Tag meine, ich habe genug gewartet, ich bin kein
Freund von Taktik und von selten-machen, ich habe das nicht nötig, ich
tue, was ich will, ich stehe dazu und mein Stolz ist ein
Stehaufmännchen, den verliere ich nicht, weil ich sage, was ich meine
und selbst wenn ich es nicht sagen würde, wüsste ich, du könntest, was
ich nicht sage auch riechen bis ans Ende der Stadt und fühltest dich
dann unter Druck gesetzt und den willst du nicht und du wüsstest genau,
was ich meine selbst wenn ich es nicht sage.
was laberst du denn da???!
und wünsche mir arrangierte Ehen
Nein, die wünschst du dir sicherlich nicht.
Papptext!
Find ich echt geil. Da kämpfen muslimische Menschenrechtler schon seit Jahrzehnten dafür, dass die Zwangsehe, nichts anderes sind arrangierte Ehen, abgeschafft wird und hier wird sie dann gewünscht.
26.01.2012, 18:22 von JoshBloc