ZweifelsOhne 30.11.-0001, 00:00 Uhr 16 4

Das Geständnis

„Ich liebe Dich nicht.“ Sagt sie und sieht ihm dabei fest in die Augen. „Ich liebe Dich nicht.“

Sie guckt nicht traurig, einfach nur sicher, entschlossen. Und er glaubt es ihr – glaubt sie. Dabei wünscht sie sich, ihr würden die Worte im Hals stecken bleiben. Statt des „nicht“ würde sie am liebsten in Tränen ausbrechen und ihm endlich gestehen können: „Ich liebe Dich. Schon immer“. Sie denkt es nur eine Sekunde, denn „zu theatralisch“ denkt sie und schiebt den Gedanken sofort wieder beiseite. Sie wird es ihm nicht sagen. Aus Stolz, aus Angst, das weiß sie selber nicht genau. Sie glaubt es sei Stolz, aber vielleicht ist es auch einfach nur Angst.
„Ich liebe Dich nicht“ sagt sie und er kann ihren Blick kaum ertragen. „Ich liebe Dich nicht.“ Sie guckt so sicher, so entschlossen. „Aber das ist sie nicht.“ Hofft er, fürchtet er. „Aber ich liebe Dich. Schon immer.“ Würde er am liebsten sagen, mit einer Träne im Auge sie fest an sich drücken und den warmen Duft ihrer Haare einsaugen. „Zu dramatisch“ denkt er und schiebt den Gedanken sofort wieder beiseite. Er wird es ihr nicht sagen. Aus Angst vor ihrer Nähe oder vielleicht, weil er sie wirklich nicht so liebt wie er glaubt zu müssen. Er glaubt, sie vielleicht einfach nicht genug zu lieben, aber vielleicht ist es auch einfach nur Angst.
Sie sieht ihm weiter fest in die Augen, Trotz blitzt auf. Er erträgt ihren Blick kaum mehr, greift zu seiner Kaffeetasse und blickt hinein. Das wortschwangere Schweigen wabert zwischen ihnen hin und her, trifft sich und prallt voneinander ab. Die Stimmung ist unerträglich. Für ein paar Minuten bleibt die Zeit stehen und lauert auf eine Antwort. Dann hebt er seinen Blick wieder: „Wie schmeckt Dir der Kaffee?“ sagt er – und tötet den Moment.

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16 Antworten

Kommentare

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    Ohja, aus Angst kann man viele Momente im Leben verpassen...

    17.12.2006, 23:21 von Anoriel
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      @Anoriel und wenn man nur immer vorher wüsste, wie die motiviert ist...

      18.12.2006, 20:55 von ZweifelsOhne
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    schön...und traurig...

    09.12.2006, 14:48 von MissErfolg
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    ... da drin steckt so verdammt viel bittere Wahrheit das es einem beim lesen fast das Herz bricht.

    23.10.2006, 22:25 von entsafter
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      @entsafter oh, herzen brechen wollte ich damit aber nicht... vielleicht liegts daran, dass ich mich so gefühlt hab, als ich das geschrieben habe :-)

      27.10.2006, 17:30 von ZweifelsOhne
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      @ZweifelsOhne Nein so wars auch nicht gedacht, es ist nur so das ich die Situation sehr gut kenne, selbst erlebt habe und irgendwie immer wieder am eigenen Leib erfahren muss... und es ist einfach so verdammt verzwickt und im endefeckt schämt man sich jedesmal darüber das man zu feige war mal was zu riskieren.

      27.10.2006, 21:05 von entsafter
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    tja, aber da ja nie jemand was von hoffnungen gesagt hat, woher soll da einer vom anderen wissen, dass sie existierte? das schlimme an der situation ist ja, dass sie sich nicht aus der realen situation speist, sondern aus den gedanken der beteiligten. und natürlich tötet er den moment so ungewollt, wie man mit einem fahrrad über eine ameise fährt...

    15.08.2006, 16:11 von ZweifelsOhne
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      @[Benutzer gelöscht] naja, aber vielleicht hat er sich auch nie so verhalten, dass sie sich ermutigt gefühlt hätte, ihre wahren gefühle darzulegen? das kann man da nicht wissen... schön ist, dass männer und frauen dieses stück durchaus unterschiedlich lesen und auslegen... sehr spannend...

      15.08.2006, 19:10 von ZweifelsOhne
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    Das Ende ist super. Sowas passiert aber auch schnell.

    20.07.2006, 09:27 von Schall_und_Rauch
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    ZweifelsOhne... ein seehr sehr schöner Text. :) Freue mich darauf mehr von Dir zu lesen.

    Gruß
    MS

    29.06.2006, 11:33 von manuelsantiago
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    Wunderschöner Text ZweifelsOhne!
    Deine Selbstkritik und die objektive Sicht auf dich selbst und die detailiert-schöne Erzählweise machen es einfach zum mitträumen.....

    Danke, LG Titus.George!

    08.04.2006, 22:24 von titus.george
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      @titus.george danke für das kompliment Titus.George... freut mich, wenn's gefallen hat :o)

      09.04.2006, 16:48 von ZweifelsOhne
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    ich sollte mehr auf Napoleon hören:
    "Einfach beginnen, der Rest ergibt sich dann"
    statt alle Neben- und Fernwirkungen zu zerpflücken.

    Der Frühling steht vor der Tür - packen wirs an.

    08.04.2006, 13:34 von Ratilius
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      @Ratilius mal hilfts, mal bringts dich in schwierigkeiten. aber so lange du das in diesem bewusstsein tust und dich nachher nicht beschwerst, die schlacht verloren zu haben: nur zu! und im frühling geht sowieso alles leichter. schlafen können wir im winter wieder, jetzt ist die zeit, taten zu vollbringen!

      08.04.2006, 13:41 von ZweifelsOhne
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    nach einem "vielleicht" würde ich mir einreden, dass mit kleinen persönlichkeitsveränderungen ein ja drin ist, wohl wissend, dass es die diplomatischere Variante von "nein" bzw. ihrer häßlichen Schwester "nein - mit schallendem Gelächter" ist.

    07.04.2006, 19:23 von Ratilius
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      @Ratilius siehst du, genau deswegen sagen viele vielleicht. bloß keine endgültigen entscheidungen, immer noch mal ne option offen halten. dabei liegen in der endgültigkeit so viele chancen. nur sehen wollen muss man sie. es sollte eigentlich nur ein ja oder ein nein geben ;o)

      08.04.2006, 12:28 von ZweifelsOhne
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