LivinLoud 17.08.2017, 00:15 Uhr 31 13

Das ewige "Vielleicht"

"So if you really love me, say yes/ but if you don't dear, confess/ And please don't tell me/ Perhaps, perhaps, perhaps"

Es gibt ein amerikanisches Sprichwort für Situationen in denen man nicht vor und nicht zurück kommt; stuck between a rock and a hard place.


Und genau da sind wir gerade. Du willst nichts ganz und ich will alles sofort. Du hast den Kopf voll mit Dingen, die du erledigen musst und ich hab den Kopf voll mit Dingen, die sich mein Kopf so ausdenkt, wenn ich gerade nicht auf ihn aufpasse. Und so treiben wir nebeneinander her in einem Ozean aus "Vielleicht" und "Beim nächsten Mal" und schicken uns hin und wieder Leuchtfeuer. Die sagen "Hey, ich bin noch da, vergiss mich nicht."

Und ich sage "Vergiss mich nicht" und du sagst "Hey." Und du stellst mir nie Fragen, du möchtest nie wissen, wann ich Zeit hab, du sagst mir nicht, dass du mich schön findest oder charmant...du willst nur wissen, dass in diesem endlosen Ozean jemand nach deinen Lebenszeichen Ausschau hält. 

Also halte ich Wache auf meinem Schlauchboot, auf dem ich eigentlich darauf warte gerettet zu werden, von einem Kreuzfahrtschiff oder zumindest einem Fischerboot - irgendwas konkretes - und bekomme doch nur ein leise verklingendes, leicht neurotisches Signal aus einer rostiges Trillerpfeife. Und bin trotzdem immer noch hoffnungsvoll, dass ich irgendwann gefunden werde.

Aber man kann halt nicht gerettet werden, wenn der Andere genauso schwimmt wie man selbst. Das alles weiß ich, hab das tausend Mal durch exerziert in meinem Kopf, meiner eigenen Rationalität; ich weiß wie ich funktioniere, weiß, wie viel ich auf dich projiziere (was ungerecht ist, weil du nichts davon weißt und nichts dafür kannst). Ich weiß, dass ich zu viel will, weil ich will, was ich will obwohl du gesagt hast: Ich kann nichts außer das, ich kann nichts außer "Mal gucken", nichts außer "Vielleicht" und "Vielleicht lieber doch nichts". 

Vielleicht lässt "Vielleicht" einem aber doch zu viel Spielraum zur Interpretation. "Vielleicht in ein paar Wochen", "Vielleicht, wenn du siehst wer ich bin, wer ich sein könnte", "Vielleicht, wenn ich wüsste wer du bist...", vielleicht wäre es dann gar nicht so schwer. Vielleicht sind wir im nüchternen Tageslicht beide cool damit nicht mehr als ein "Vielleicht" zu sein, aber selbst das scheitert am "Vielleicht". Weil man sowas heraus finden muss und dazu muss man sich sehen, dazu kann man sich nicht aus der Ferne zuwinken. 

Schlaue Menschen sagen dann "Keine Antwort ist auch eine Antwort". Und wenn es bis jetzt nicht geklappt hat, dann wird es niemals klappen sich auf eine gemeinsame Insel zu retten. Also sollte man sich losmachen vom Rettungsring und weiter schwimmen; ob man daran erfriert oder im Meer versinkt hat ja letztendlich den gleichen Effekt. Aber man könnte es ja vielleicht noch schaffen.

So halt ich halt fest an etwas, das eigentlich nicht existiert, womöglich keinen Augenblick existiert hat, aber immer irgendwo herum schwebt. An diesem "Vielleicht". Und bin es so satt. Denn ich könnte den Schritt wagen und sagen: Ja, ich kreuze Ja an, nicht Nein und nicht Vielleicht und nicht Alles Auf Einmal. Ich hab auch keine Lust so zu tun, als wäre das nicht so, weil es mich anwidert, dass man sich so für Zuneigung schämen muss, dass man sich lächerlich fühlt, wenn Zuneigung nicht erwidert wird. 

Lächerlich fühle ich mich trotzdem. So lächerlich, dass ich mich am Ende doch lieber auf das "Vielleicht" berufe, als einzusehen, dass das hier alles keinen Sinn macht, dass ich dich einfach gehen lassen sollte. Auch wenn du mich nicht gehen lässt, so wenig Mühe das deinerseits erfordert. Ein halb-enthusiastischer Pfiff mit dieser fürchterlich-rostigen Trillerpfeife genügt und ich bin wieder im Spiel und hellwach auf meinem Schlauchboot. Und ich sollte doch einfach lieber weg.

Letzten Endes bleibt mir nichts als zu warten, dass mich die Strömung von selber wegträgt, dass es mir eines Tages einfach reicht und ich verstehe, dass das ewige "Vielleicht" doch nur ein bequemes, tatenloses "Nein" ist. 

Bis dahin bin ich halt hier. Und warte und warte auf ein "Ja", das von Vornherein ausgeschlossen war.


Tags: Nicht-Beziehung, Komplikationen
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31 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Die Tangente des anderen berührt Deine Linie nicht.
    Kommt mir so vor.
    Tangiert dich trotzdem.
    Also zwei Linien die mal parallel liefen und nun in die Unendlichkeit entschwinden.

    13.09.2017, 12:22 von smillalotte
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  • 0

    Ein Vielleicht ist für mich keine Antwort und keine Antwort ist in diesem Fall ein klares Nein..

    13.09.2017, 10:19 von Sarah.Schuhmeister
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  • 0

    "vielleicht" probierst du es mit einer portion Mut, "vielleicht" solltest du schneller schwimmen, den "vielleicht" wartet sie nur auf die Rettung von dir?

    07.09.2017, 15:12 von .fraeuleinlangstrumpf
    • 0

      weisst du, manchmal zahlt sich Mut aus. Und manchmal, muss man einem anderen Menschen ganz klar sagen, so hier bin ich, kommst du mit?

      07.09.2017, 15:13 von .fraeuleinlangstrumpf
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  • 0

    Man sollte sein Schicksal immer selbst in die Hand nehmen und nicht erwarten, dass das Universum einem etwas schenkt... 

    25.08.2017, 14:02 von Christofff
    • 0

      Das Universum hat einem bereits etwas 'geschenkt'... Man muss es letztendlich nur auspacken... Und in die Hand... ööh... egal.
      Mein Wirsing brennt an!

      25.08.2017, 14:35 von sailor
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  • 0

    Sekt oder Selters... für mich wäre ein "vielleicht" nichts...

    Auf der anderen Seite, wenn der Leidensdruck noch nicht so groß ist, dass Du es offensiv angehen willst... ist doch ok, wenn es für Dich so funktioniert?

    23.08.2017, 15:02 von chiral
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  • 2

    "Vielleicht" sollte man gar nicht darauf warten 'gerettet' zu werden. "Vielleicht" sollte man sich zuerst selbst retten. "Vielleicht".

    23.08.2017, 14:24 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Rettich...? Oder rettichnich?
      Das ist hier die Frage.

      23.08.2017, 14:30 von sailor
    • 0

      Eine sehr schwierige Frage. :-/

      23.08.2017, 14:51 von Fin_Fang_Foom
    • 1

      Nach internationalem Seerecht (Genfer Abkommen II von 1949) sind alle Schiffe dazu verpflichtet, ihre Fahrt zu unterbrechen, um Schiffbrüchige aufzunehmen.

      23.08.2017, 16:01 von sailor
    • 0

      Und wenn ich allein auf hoher See bin, dann muss ich doch erst versuchen mich zu retten, oder? Wenn ich es an Land geschafft habe, na dann, da kann ich natürlich auch ein neues Boot kaufen, indem ich andere mitnehmen kann. :)

      23.08.2017, 16:59 von Fin_Fang_Foom
    • 1

      Wenn man allein auf hoher See ist, hilft die Marian, die kleine Meerjungfrau...

      23.08.2017, 17:47 von sailor
    • 0

      :)

      23.08.2017, 18:00 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      auf see hilft auch er

      23.08.2017, 18:08 von Freyr
    • 0

      Freyr, ich hätte tatsächlich jetzt das von dir erwartet. Du bist ja unberechenbar. ;)

      23.08.2017, 18:48 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Extremst hörenswert:
      Die Geschichte des Kapitäns der Cap Anamur, die 37 (!) Menschen aus akuter Seenot gerettet hat, dann nicht in Agrigent einlaufen durfte...

      Ach, selber hören. Damals 2004 (!) beschämend... Heute immer noch...

      23.08.2017, 18:53 von sailor
    • 0

      Kenne die Umstände. :(

      Aktuell sieht es nicht weniger tragisch aus

      23.08.2017, 19:09 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      >>Die libysche Küstenwache prügelt drauflos

      Inzwischen
      operiert die libysche Küstenwache auch jenseits der Zwölf-Meilen-Zone
      und bricht dort das Völkerrecht. Ihre Taten sind gut dokumentiert. Es
      gibt Videos, in denen Mitarbeiter auf Flüchtlinge einprügeln oder sie
      mit Schusswaffen bedrohen. Die Soldaten gehen auch aggressiv gegen
      Helfer vor. Im Oktober vergangenen Jahres drängten sie mehrere Boote
      während einer Rettungsaktion ab, 30 Flüchtlinge ertranken. Bei einem
      Vorfall Mitte Mai fuhr die Küstenwache auf Kollisionskurs zu einem
      Helferschiff, ignorierte bewusst die Vorfahrtsregeln. Die Angegriffenen
      entgingen knapp einem Zusammenstoß.<<

      23.08.2017, 19:11 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Das da, sollte auch nur eine Metapher sein, der Rettung des emotionalen 'durcheinander' des Verletzten in einem selbst um dann den anderen dienlich zu sein. Ginge es darum, die Hand zu reichen, wo wahrhaft ein Leben dran hängt, dann stellt sich die Frage nach der helfenden Hand nicht, ich reiche sie! :-)

      Und wenn ich allein auf hoher See bin, dann muss ich doch erst versuchen
      mich zu retten, oder? Wenn ich es an Land geschafft habe, na dann, da
      kann ich natürlich auch ein neues Boot kaufen, indem ich andere
      mitnehmen kann. :)

      23.08.2017, 19:14 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Ich finde die Relationen absurd... 37 Peoples aufgefischt, zwei Wochen den Hafen gesperrt, dann das Schiff an die Kette gelegt (es ist da verrottet) und einen drei Jahre währenden Schauprozess angestrengt... Anstatt zu gucken *Huch, was machen 37 Peoples mit einem Schlauchboot auf dem Meer. Sollten wir vermeiden helfen, dass da noch mehr kommen...?*

      Ich könnt im Strahl kotzen, wenn ich da zwei Minuten drüber nachdenke...

      Gemacht habe ich auch nix... Aber ein Kumpel von mir, der hats wenigstens versucht was zu machen. Ich Somalia oder in Afgahnistan...
      Also nicht nur versucht. Der hat wirklich was gemacht.
      Immerhin.

      23.08.2017, 19:15 von sailor
    • 1

      Mir ist schon klar, worums in dem Text geht...
      ^^

      23.08.2017, 19:16 von sailor
    • 0

      Von mir gehen auch 'nur' die Spenden, alle jubel Monate an die Seenotrettung, oder mal hier und da... Wobei man vor Ort wahrscheinlich dienlicher wäre, aber is halt bequem, das Gewissen ein Stückchen befreit, denkt man, ich gebe es ja zu. :(

      23.08.2017, 19:18 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Spenden an die Seenotretter sind super...

      24.08.2017, 11:10 von sailor
    • 0

      :)

      24.08.2017, 12:46 von Fin_Fang_Foom
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  • 0

    Komplikationen vermag ich nicht zu erkennen.

    Was ist für dich attraktiv daran, abzuwarten statt selbst zu handeln? 

    18.08.2017, 06:54 von sailor
    • 0

      Manche gehen den sicheren Weg, manche den ehrlichen.
      Da gibt's auch trotz ausreichender Handlung (ich habe es so verstanden, dass die Protagonistin zumindest klare Signale gesetzt hat) manchmal latente Schwelbrandkollisionen wie oben beschriebene.

      18.08.2017, 07:58 von frl_smilla
    • 0

      Keine Frage. Es kommt ein Boot aus irgendwo... Irgendwann bestimmt.
      Warten aufs Christkind.

      Kenne ich aus meinem Leben. Heute weiß ich: Illusion, mein Lieber. Nichts als Illusion.

      »Und ich warte nicht bis du zu mir kommst. Ich geh selber hin und frage wie's dir geht.«

      18.08.2017, 10:22 von sailor
    • 0

      Illusion, mein Lieber. Nichts als Illusion.


      Yes, und leider nicht nur auf einer Ebene.
      Seufz. Geht mehr ins Kino. Hilft!

      Schönes Wochenende!

      18.08.2017, 10:41 von frl_smilla
    • 1

      »Ich kenne das Leben, ich bin im Kino gewesen.«
      Fehlfarben, 1980

      Schönes Wochenende!

      18.08.2017, 11:02 von sailor
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  • 4

    Ist das Leben nicht zu kurz für ein "Vielleicht". Denn am Ende des Tages kostet ein Vielleicht neben ganz viel Energie auch ganz viel Zeit. Aber das Vielleicht zu beenden, heißt seine Hoffnung aufzugeben. Und die stirbt ja bekanntlich... na, Du kennst den Rest.


    17.08.2017, 19:01 von Ein.Enthusiast
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