Tina-Colada 24.03.2008, 01:59 Uhr 4 5

Das Brutto-Netto-Debakel

Mit manchen Menschen verbringt man fast 24 Stunden am Tag. Das Problem: Sie wissen nichts davon.

Wie ist das möglich?

Das Leben ist schon seltsam. Da steht man wochen- und monatelang morgens auf, duscht, zieht sich an, frühstückt, wenn es die Zeit zu lässt, oder lässt es, wenn man mal wieder einmal zu viel auf die Snooze -Taste gedrückt hat und startet dann mehr oder weniger motiviert in den Tag. Uni, Alltag, Arbeit, Sport, Freunde treffen, Bett. Die Highlights sind wahlweise das erste Eis in der Frühlingssonne, ein tolles Telefonat, eine Nacht mit Gesprächen, die einem wirklich nahe gehen, ein tolles Wir-Gefühl mit Freunden oder auch mal ein gepflegter Vollrausch. Aber wirklich passierten tut nichts.

Und dann kommt Moment X. Moment X kann ein Blick, ein Gespräch, ein Abend oder gar eine Nacht mit jemanden bis dahin meist noch völlig Fremden sein. Und plötzlich ist er da. Dieser jemand. Man hat ihn immer dabei, Erwähnungzwang. Er steht mit uns morgens auf, er vertreibt einem die Zeit während der Bahnfahrt, in Vorlesungen. Er läuft mit uns durch die Stadt oder durch den Park, er hilft uns einschlafen und er erlebt schöne Dinge mit uns. Er fährt mit uns in den Urlaub, er wird Zeuge von unglaublichen Ereignissen, er kennt uns in- und wir ihn auswendig - Nur leider bekommt er davon nicht im Geringsten etwas mit. Die Zeit, die wir mit diesem Menschen netto verbringen ist nämlich verschwindend gering im Vergleich zu seiner Bruttopräsenz in unserem Alltag. Trifft man ihn dann tatsächlich wieder, ist man gefühlterweise schon so vertraut, dass die Kluft zwischen dem, was man Real und was man in Gedanken schon alles zusammen erlebt hat, fast schmerzt. Die ganzen Gespräche sind noch nicht geführt, die Erlebnisse noch nicht geteilt. Und im ungünstigsten Fall werden sie es auch nie. Und doch ist es immer wieder faszinierend, dass so etwas passiert. Plötzlich da ist. Überall. Nein, nicht nur, dass wir ihn gedanklich sowieso schon mit uns durch den Tag nehmen, nein, er guckt uns auch noch aus der Tiefkühltruhe im Supermarkt an, nur weil da eine Pilzpizza ist- und er doch keine Pilze mag. Er schallt uns aus dem Radio entgegen, wenn dort sein Lieblingsinterpret spielt oder der Sprecher die selbe Art hat, ein Wort oder einen Buchstaben auszusprechen, er versteckt sich hinter jeder Hausecke, an der man mit ihm vorbei flaniert ist, sein Kürzel ist auf Autokennzeichen, sein Duft weht durch die ganze Stadt, der Sitznachbar in der Uni trägt die selben Schuhe und der Brötchenmann fährt sich auf die selbe Art durch die Haare, seine Lieblingsfarbe überall, kurz, er durchdringt einfach unseren Alltag. Omnipräsent. Nicht steuerbar, nicht kontrollierbar und trotzdem irgendwie wunderbar.

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4 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    oh mann! genau so geht es mir gerade auch! Hilfeeee!!! gut getroffen!

    24.03.2008, 16:53 von Kind_der_Freiheit
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    Nein, wie schön! Es sind auch ganz viele Details dabei, die mir in meinem Alltag auffallen, die mich an jemanden erinnern...

    24.03.2008, 16:37 von pachit
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    Ja, das ist sehr wahr....

    24.03.2008, 15:17 von sweetsola
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