Eintagsliebe 30.11.-0001, 00:00 Uhr 3 4

Da ist Nichts zwischen uns

..und genau das macht es so schlimm.

Ich hab mich so lange gefragt wie es wohl sein würde dich zu sehen. Bis du dann im lila Licht vor mir standest. Unsere Begrüßung fällt so ungelenk aus, wie es auch der Abschied sein wird. Dann sitzen wir ganz nah nebeneinander und versuchen die Distanz zwischen uns weg zu reden, bis wir uns letztendlich einfach trotzdem berühren. Die Unsicherheit wetzt mahnend ihre Krallen. 

Ich muss raus. Ich muss unbedingt raus, auch wenn ich weiß dass es an der Spannung, die man schon von weitem sieht, rein gar nichts ändern wird. 

Später schlafe ich neben dir ein. Nicht weil ich es will, sondern vor Erschöpfung. Einen kurzen Moment spüre ich nichts als ich merke dass du aufgestanden bist. Dann ist die Entfernung zwischen uns zu groß und wir spielen wieder dieses Spiel, bei dem ich nicht gewinnen kann. 
Ich versuche mir Mut anzutrinken, nur um ihn dann doch nicht zu haben. Vermutlich sind es die Dinge, die wir nicht erzählen, die am meisten bedeuten.
Ich ertrage es nicht da zu sein wo wir waren. Dein Geruch nimmt alles ein. Unsere Zeit zusammen rinnt mir wie Sand durch die Finger. Sand indem auch wir uns verlaufen.

Der Himmel ist genauso grau wie unsere Perspektive. Es gibt sie nicht. Wir stehen irgendwo zwischen schwarz und weiß. Mitten im Nichts. 
Die Wolken sind so aufgewühlt wie mein Inneres. "Hast du das gehört? Klingt nach Gewitter.", sage ich. "Ich denke das ist nichts.", antwortest du und beschreibst damit ungewollt alles was wir haben. 

Ich hab dich ewig nicht gesehen. Länger als wir uns kennen nicht. Vielleicht ist es 9000 km weit weg von Zuhause einfach einfacher. Ich denke die meiste Zeit an das, was wir am wenigsten tun. 
Wir reden nie viel. Die Chemie stimmt irgendwie, aber sie ist nicht der Grund, warum du da bist. Wir haben nie darüber geredet. Vielleicht bist du einfach nur unfair oder schlicht genauso jung, wie du es nun mal eben bist. Oder ich zu naiv und süchtig nach der Idee von dir und mir. Sobald du weg bist wird der Himmel wieder aufklären und mir das  Gefühl geben, dass es keinen Platz für meine Gedanken gibt.

Ich sehe einen Schatten über deine Augen ziehen. Die erste echte Reaktion, die du mir gegenüber zeigst. Ganz so als ob dir wieder einfällt, dass ich immer mehr wollte. Und du es weißt es und es immer wusstest. 
In diesem Moment wird das Nichts zwischen uns trübe. Es zerfließt in Tränen, die ich noch weinen werde. Es wird greifbar. Ich weiß nicht, ob auch du es erkennst, aber dieses Nichts ist der Grund, dass wir beide uns immer wieder sehen.

 Dieses Nichts, was da zwischen uns ist.


Tags: Angst, Unsicherheit, Nichts
4

Diesen Text mochten auch

3 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 1

    Sehr gut geschrieben und sehr schmerzhaft zu lesen. Aber so sind Obsessionen. Es gibt nur einen Weg raus: Entzug.

    28.12.2016, 04:16 von An_Alle
    • Kommentar schreiben
  • 1

    unfassbar gut <3

    21.10.2016, 01:13 von aunicornatemyflamingo
    • 0

      Vielen Dank! :)

      23.10.2016, 22:27 von Eintagsliebe
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare