phine 16.01.2010, 15:43 Uhr 2 0

Caféteria

Ich sehe dich von hinten, du stehst vor der Kuchenauslage, ich tippe dir auf die Schulter und hoffe, bete, ...

... dass kein verwirrter Ausdruck in deinem Gesicht sein wird, dass du mich sofort erkennst, dass du mich anlächelst und deine Augen dabei mitlächeln.

Du drehst dich um und siehst erstmal verwirrt aus, Hallo, hier bin ich! Einen halben Meter weiter unten! Du siehst mich und meine Befürchtungen bewahrheiten sich. Du lächelst mich an, aber ich sehe Verwirrung in deinen Augen und du scheinst mich nicht zu erkennen, ich sage also nur kurz Hallo und gehe weiter, tue so, als fände ich es nicht schlimm, dass du offenbar keine Ahnung hast, wer vor dir stand und nur souverän getan hast, damit es nicht noch peinlicher für mich sein musste. Ich gehe wieder raus aus der Caféteria, meine Freunde sind draußen, sie haben nicht mitbekommen, was abgelaufen ist, sie sollten es auch nicht mitbekommen, es ist mir peinlich, dass ich dich anstarre, dass ich glaube, du bist der Schönste, dass ich fasziniert bin, wenn du redest, dass ich mich in ein kleines schmachtendes Mädchen verwandle, von der boshaften, starken Persönlichkeit in ein schwaches Mäuschen.

Noch viel peinlicher ist es, wenn man bedenkt, dass ich keine neunzehn mehr bin, ich stehe am Ende meines Studiums, bin kurz vor dem Abschluss, kurz davor, in die Arbeitswelt hinausgeschossen zu werden, ich kann ohne Probleme vor hundert Leuten einen Vortrag halten, aber wenn meine Freunde herausfinden würden, dass ich wie eine Zwölfjährige einen Typen anschmachte, sie fänden es zwar liebenswert, aber würden mich nicht verstehen.

Bitte, denke ich, begegne mir nicht wieder, du hast vergessen, was passiert ist, ich hab es nicht vergessen, aber egal, das ist mein Problem, damit muss ich klar kommen, es sind meine Erinnerungen, in denen ich mich suhlen kann, zwar könnten wir die Erinnerungen teilen, aber du willst wohl nicht, oder kannst nicht, auch egal, es ist alles egal. Ich muss nur meine Würde bewahren und meine Klappe halten können, dann wird das alles wieder. Meinen Kopf kann ich immer noch im stillen Kämmerlein an die Wand schlagen.

Jemand zupft an meiner Jacke, ich drehe mich um und sehe erstmal nur dunkelblaue Funktionsjacke, ich gucke hoch, wieso stehst du da jetzt, was zur Hölle – „Hey.. tut mir leid, wegen eben, ich war ein bisschen verpeilt, war nicht böse gemeint.“ – „Schon okay, kein Problem.“ Was rede ich denn da? Kein Problem? Gute Güte. Ich bin klein und duckmäuserisch und ich bin ihm verfallen und muss jetzt bloß mein Gesicht wahren. „Und sonst so?“ Ich Königin des funktionierenden Gesprächs nach dem funktionierenden One Night Stand. Ich dumme, dumme Kuh. „Wenn du fertig geraucht hast, kommst du mit nen Kaffee trinken?“ Ich gucke blöd und du lächelst nicht, zumindest nicht mit dem Mund, aber ich sehe es in deinen Augen und ich lächle zurück, etwas schief zwar, aber es funktioniert, ich funktioniere und wir gehen Kaffee trinken und ich komme danach nach Hause und habe nicht das Gefühl, mich aus Selbsthass umbringen zu müssen.
Du weißt immer noch nicht, was ich will, und ich weiß immer noch nicht, was du willst, aber eine erneute Verabredung zum Kaffee und eine ungeschickte Umarmung mit einem flüchtigen Wangenkuss sind auf jeden Fall ein guter Anfang.

2 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    der teenie in mir will wissen wie es bei dem teenie in dir weitergeht! unbedingt!! :)

    13.02.2010, 19:58 von akua
    • 0

      @akua geht mir genauso!
      fakten! fakten! :))

      17.01.2011, 20:09 von MademoiselleChoco
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