einfachMarie 24.03.2014, 18:57 Uhr 3 7

Blutroter Wein

Als hätte ich mir den Magen verdorben und könnte nicht aufhören zu kotzen. Nur ist es nicht mein Magen der sich was weggeholt hat sondern mein Herz.

Der Himmel hat sich bereits lila rot gefärbt, als ich an meinem Fenster stehe, mein Weinglas in der Hand halte und in Gedanken versuche Figuren aus den Wolken zu formen. Verträumt und einen Hauch unrealistisch wie immer. Und ich schaue in mein Weinglas, verachte diese Flüssigkeit von der ich mir einrede, dass sie mir hilft ruhiger zu schlafen. So blutrot, als könnte sie direkt aus meinem Herzen in das Glas getropft sein. Und wie die kleine Fliege die sich unvorsichtig in die rote Glut setzt und ertrinkt, schwelge ich in den ewigen Gedanken an dich und ertrinke in den ganzen Fragen, Sätzen, Worten, in so vielen Dingen die ich dir sagen will und es nicht tue. Weil es hoffnungslos ist. Das mit Dir und Mir. Weil ich zu stolz bin. Zu stolz um dir noch eine einzige Träne nachzuweinen, weil ich verletzt bin. Zu verletzt um noch einen einzigen Stich zu ertragen. Aber vor allem, weil ich Angst habe. Angst vor deinen Worten,  Angst das du immer wieder gehst wenn es dir passt und mich zurück lässt wie ein angeschossenes Rehkitz.

Und ich bin sauer auf mich selbst das dieses schmierige Gesülze aus mir heraus kommt, so unaufhaltsam. Als hätte ich mir den Magen verdorben und könnte nicht aufhören zu kotzen. Nur ist es nicht mein Magen der sich was weggeholt hat sondern mein Herz. Dieser widerliche Krankheit, von der ich mir schon lange geschworen hatte sie nie wieder zu bekommen, bis du kamst. 

Und da steht mein Verstand wie ein kleines bockiges Kind vor mir, trotzig mit verschränkten Armen und fragt mich ob er es mir denn nicht gleich gesagt hätte, ob er es mir nicht schon nach dem ersten Mal gesagt hätte das dass nur weh tut. Und ach, da gesellen sich Frau Logik und Hr. Dr. Vernunft auch noch dazu. Ein schönes Trio ergeben die Drei. Und ich wünschte ich hätte nur ein einziges Argument  mit dem ich wiederlegen könnte das sie recht haben. Aber nein, alles was sie sagen ist wahr.

Und ganz leise kommt das Bauchgefühl um die Ecke geschlichen, begleitet von Frau Liebe und Herr Sehnsucht, Professor Leidenschaft und Dr. Verliebtheit. Und sie brechen in eine hitzige Diskussion mit der Gegenseite aus in der es um Verletzung, Tränen, Glück und Schmetterlinge im Bauch geht. Und da ich weiß, dass diese Auseinandersetzung der verschiedenen Patreien noch nie etwas gebracht geschweige denn zu etwas geführt hat lehne ich mich zurück und schaue ihnen zu wie in einem Theaterstück.

Während der Himmel sich schon lang in dunkles rot gefärbt hat habe ich noch immer keine richtigen Worte gefunden die das sagen könnten was ich dir sagen will. Und da greife ich auf eine Geschichte zurück weil mir keine Reime einfallen obgleich die Poesie doch eigentlich mein Herz erfüllt. Genauso wie du. Eigentlich.  Es beunruhigt mich das ich kein Gedicht über dich schreiben kann. Weil es noch nie etwas gab worüber ich nicht schreiben konnte. Es gab noch nie Jemanden an dem ich so lang hing wie an dir.  Für Niemanden habe ich je so oft meinen Stolz in den Sand gesetzt. Und ich habe noch nie so oft immer und immer wieder gehofft. Es gibt viele Dinge die noch nie in diesem Ausmaß passiert sind bevor du in mein Leben getanzt bist.

Ich fange an mich selbst nicht mehr zu verstehen wenn ich merke, dass ich dich vermisse. Ich vermisse dich schrecklich. Ich vermisse deine stimme, ich vermisse wie du lachst und riechst. Und ich ertrage es kaum das du nachts nicht neben mir liegst.  

Ich frage mich ob du jemals über all das nachdenkst was zwischen uns passiert ist und noch immer passiert. Ob die Parteien in  deinem Landtag sich auch so zerfetzen wie es meine tun.  Bis sie merken, dass die Kooperation miteinander unmöglich ist so lang sich das Staatsoberhaupt selbst für keinen Regierungschef entscheiden kann. Ich frage mich ob du mich manchmal auch vermisst. So sehr wie ich dich mal mehr und mal weniger vermisse. Aber doch jeden Tag.

 

Als ich aus meinen Gedanken herausgestolpert komme, sehe ich wie die kleine Fliege sich an den Rand meines halb leeren Weinglases gerettet hat, sich einmal schüttelt und aus meinem Fenster fliegt. Und als ich sie nicht mehr sehen kann überkommt mich ein kleines Gefühl der Hoffnung.

 


Tags: Liebeskummer, Alleinsein, Vermissen
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3 Antworten

Kommentare

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    Wunderschön!

    08.07.2015, 23:46 von xanschka
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  • 1

    Großartiger Text! Ich wurde voll mitgerissen und konnte mich in jedem Satz wiederfinden..

    25.03.2014, 22:19 von Eleonora_
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  • 1

    einfach wunderbar!

    24.03.2014, 20:02 von violett84
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