MaBelle 30.11.-0001, 00:00 Uhr 29 25

Bitte, lass mich endlich los.

Seitdem ich gemerkt habe, dass ich in einem Sumpf feststecke, versuche ich mich daraus zu befreien, doch du lässt mich nicht. Du lässt mich nicht.

Hätte ich nur einen Wunsch frei. Hätte ich nur einen Wunsch frei, ich wünschte mir, dass du die gleichen Gefühle für mich hast, wie ich für dich. Und dass du deine Zeit mit mir verbringen willst, dass du mich deine Freundin nennen willst.
Das war damals, vor ziemlich genau 13 Monaten. Da begann unsere Geschichte. Eine Geschichte voller Hin und Her. Voller Heiß und Kalt. Voller Ja und Nein.

Hätte ich nur einen Wunsch frei. Hätte ich heute nur einen Wunsch frei, ich wünschte mir, dass du mich loslässt, mich endlich loslässt.
Denn die Hoffnung, dass du eines Tages aufwachst und siehst, was du an mir hast und was wir zusammen haben könnten, dass du dir deine Gefühle für mich eingestehst und alle Ängste hinter dir lässt, habe ich aufgegeben. Zumindest sagt mein Verstand meinem Herz, dass es endlich aufhören soll zu hoffen. Und dass er ein Arschloch ist, das mich gar nicht verdient hat. Verstand und Herz haben sich schon mal besser verstanden, momentan streiten sie nur noch.

Mir geht es besser inzwischen, fast gut sogar. Ich habe andere Männer kennengelernt und dich und uns fast ein bisschen vergessen. Ich habe mich aufgerafft und mir in mühsamer Arbeit mein Türmchen aus Legosteinen wieder aufgebaut. Und dann kommst du. Gerade dann kommst du, als hättest du es geahnt. Als hättest du einen Sensor, der dir sagt, wenn es mir wieder gut geht - damit du dann wieder eingreifen und alles kaputt machen kannst. Du scheinst eine wahre Freude daran zu haben, mein hochgebautes Türmchen, auf das ich doch so stolz bin, wieder lautstark zu Boden fallen zu lassen.

Am Tag als wir uns kennenlernten - wie hätte ich auch wissen können, was auf mich zu kommt, wie hätte ich wissen können, wie gefährlich du sein würdest - war ich einen Moment, nur einen Moment, unachtsam. Ich war so damit beschäftigt, mit dir zu lachen, zu trinken und zu tanzen, dass ich nichts um uns herum sah. Auch nicht den tiefen, dunklen, gefährlichen Sumpf, der sich uns annäherte. Ich hatte Spaß, ich war glücklich in dem Moment, und dann fiel ich. Du bist der ängstliche von uns, du hast Angst davor, jemand in dein Leben zu lassen, du hast Angst davor, wieder zu lieben und wieder verletzt zu werden. Deshalb lief ich vor. Und deshalb war ich diejenige von uns beiden, die fiel. Die tief fiel und nicht mehr herauskam. Du standest weiterhin auf festem Boden, dir konnte nichts passieren. Ich hingegen saß fest. In einem Sumpf aus Zuneigung und Hoffnung. Der Schlamm verdeckte mir die Sicht, ich konnte lange nicht sehen, dass ich alleine war, alleine im Sumpf. Ich konnte nicht sehen, dass deine Gefühle für mich nicht so stark und ehrlich waren wie meine für dich.
Als ich das endlich sah, bekann mein Kampf um mich und um mein Überleben. Ich musste mich befreien. Aus dem Sumpf heraus kommen, heim, duschen und weitermachen. Es begann ein langer und anstrengender Kampf. Ich versuchte oftmals vergeblich mich loszureißen und mich gegen die Kraft des Sumpfes zu wehren. Aber meine Kraft hatte ich verloren, irgendwann, irgendwo.

Und jedes Mal, wenn ich kurz davor bin, es doch zu schaffen mich von dir zu befreien, meldest du dich ganz unerwartet wieder bei mir. Und so falle ich wieder hinein. Ich falle wieder und wieder hinein.
Und jedes Mal, wenn ich kurz davor bin, es doch zu schaffen mich aus dem Sumpf zu befreien, stehst du oben und gibst mir einen Schubs, und so falle ich wieder hinein. Ich falle wieder und wieder hinein.

Ich habe keine Kraft mehr. Ich bitte dich, höre auf mit mir zu spielen. Ich bitte dich, lass mich endlich los. Lass mich gehen.
Hätte ich nur einen Wunsch frei. Hätte ich heute nur einen Wunsch frei, ich wünschte mir, dass du mich loslässt, mich endlich loslässt.

Unsere Geschichte. Sie ist zuende bevor sie überhaupt beginnen konnte. Die Seiten des Buches, das unsere Geschichte erzählt, sind voll. Es gibt keinen Platz mehr für eine überraschende Wendung, für ein Happy End.

25

Diesen Text mochten auch

29 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Schlag'n Ei drüber.

    Es gibt Menschen, die dir helfen können, andere Sichtweisen zu entwickeln...

    20.11.2013, 19:26 von sailor
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Wow, all das hast du wirklich gut in Worte gefasst!

    Auch ich habe ähnliches erlebt..
    Ich hoffe,du bist mittlerweile aus dem Sumpf herausgekommen, ich habe den Weg noch vor mir..
    Liebe Grüße:)

    20.11.2013, 19:13 von Franzichen
    • 0

      Ich danke dir für die netten Worte! :)
      Und ja, das habe ich. Du schaffst das sicher auch, ich drücke dir die Daumen!
      Liebe Grüße!

      21.11.2013, 09:07 von MaBelle
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Das tut mir leid... Ich hoffe sehr, dass sie dich loslässt - wenn es das ist was du willst bzw. was du brauchst.

      29.05.2013, 23:33 von MaBelle
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      I know... So geht's mir auch. Ich bin gerade auf radikalem Entzug, das ist für mich das Beste. Wie du sagst: Selbstschutz. Wir schaffen das! ;)

      30.05.2013, 00:10 von MaBelle
  • 0

    Ich könnte heulen... so wahr ist diese Geschichte... als wärst du ich!

    29.05.2013, 22:39 von ju87
    • 0

      Bitte nicht heulen! ;)
      Irgendwann wird alles gut. Bei dir und bei mir.

      29.05.2013, 23:31 von MaBelle
    • 1

      :) Ja ich weiß... "irgendwann" kann sich aber mal ein bisschen beeilen ;)

      30.05.2013, 19:11 von ju87
    • Kommentar schreiben
  • 0

    true story!

    21.05.2013, 15:13 von Laische
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ohje...immer diese Ängste zum kotzen!!!!
    Aber warte ab du wirst den Weg aus dem Sumpf finden...wir brauchen einfach mehr Sonne hier...die kann auch den tiefsten Sumpf zum austrocknen bringen!!!!

    Alles Liebe dir...

    21.05.2013, 02:54 von FinchenMagLachen
    • 0

      Danke, lieb von dir! :) Ja, ich bin tatsächlich vorsichtig optimistisch. Ich habe einen neuen Anlauf genommen und bin fest entschlossen, mich dies mal nicht wieder rein schubsen zu lassen.

      21.05.2013, 08:05 von MaBelle
    • 0

      Sehr gut, da haben wohl die wenigen Sonnenstrahlen vom WE schon dazu geholfen...und natürlich dein eigener Wille;) Daumen hoch!!!


      21.05.2013, 09:54 von FinchenMagLachen
    • Kommentar schreiben
  • 3

    Genau meine Situation. Verdammte Bindungsphobiker.

    21.05.2013, 00:49 von Partisaneninterakt
    • 2

      Amen!

      21.05.2013, 00:49 von MaBelle
    • 0

      Ich wünsche dir, dass du es schaffst ihn loszulassen. Oder, dass er begreift wieviel Glück er mit dir haben könnte. :)

      21.05.2013, 00:51 von Partisaneninterakt
    • 0

      Ich danke dir sehr!
      Auch für dich und deine Situation nur das Beste - auf dass dein Herr die Phobie überwinden kann!

      21.05.2013, 00:53 von MaBelle
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Kommt mir von "meinem" Narzissten sehr bekannt vor...

    20.05.2013, 21:17 von Minerva...
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Hab grad ein ähnliches Problem. Danke für deinen wunderbaren Text. Hilft schon sehr. Danke.

    20.05.2013, 21:03 von saolhi
    • 0

      Lieben Dank für deine anerkennenden Worte - schön, dass mein Text ein bisschen weiterhilft.
      Ich hoffe sehr, dein Problem löst sich bald in Luft auf...

      20.05.2013, 21:06 von MaBelle
    • 0

      Wie singt Madsen so schön: Es wird schon wieder gut.

      20.05.2013, 21:08 von saolhi
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich mag Wiederholungen als Stilmittel eigentlich sehr, aber hier finde ich sie ein bisschen zu oft eingesetzt. 

    19.05.2013, 17:13 von miss_mel
    • 1

      Danke für deine Anmerkung, Kritik ist immer hilfreich :)

      19.05.2013, 17:16 von MaBelle
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare