Schokokatzenchefin 15.11.2010, 21:19 Uhr 3 2

Beziehung. Und was dann?

Man muss nur mal drüber laufen, über unsere Liebesgeschichten. Gebrochene Herzen, kiloweise Selbstmitleid und ein Satz: nie wieder! Aber wars das?

Schon 1983 beweist Pat Benatar in ihrem gleichnamigen Song: "love is a battlefield". Kennt man. Da hat sich bis heute auch nicht wirklich viel verändert. Im Gegenteil. Man muss nur mal drüber laufen, über unsere Liebesgeschichten. Gebrochene Herzen, leere Flaschen, kiloweise Selbstmitleid und ein Satz: nie wieder! Wars das? Nein, es geht wieder von vorne los, das Hamsterrad. Aber warum?
Warum behauptet heute jedes einzelne Paar schon nach zwei Monaten, sie seien füreinander bestimmt, passten wie Pech und Schwefel zusammen, seien die Reinkarnation von Bonnie und Clyde, oder gar "Seelenverwandte"? Und woher kommt der Glaube, diesen Schmu tatsächlich für wahr halten zu können? Ganz einfach: Hollywood-Glitzer-Dreamy-Filme sind die Vorbilder der heutigen Beziehungen. Genau wie in den Liebeskomödien, wird das unverfängliche Kennen lernen gleich - auf dem Weg in die Kiste - übersprungen.
Die modernen Beziehungen haben ihren Ursprung nämlich, im besten Fall, im Schlafzimmer. Und erst, wenn es mit dem Sex funktioniert hat, wird vielleicht mal geguckt, mit was für einem Menschen man da bis eben die intimsten, körperlichen Sehnsüchte geteilt hat. Wenn sichergestellt ist, dass besagtes Gegenüber nicht der totale Filmriss-Absturz-Party-Restfick-Reinfall ist, kann man sich dann auch mal überlegen, ob sich eine gefühlsmäßige Investition lohnen würde. Auch gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise.
Der übermäßige Erfolg der "Twilight-Reihe" zeigt dagegen sehr gut, nach was wir uns heute wirklich sehnen. Romantik, weit mehr Zärtlichkeit, große Gefühle und natürlich noch größere Gesten. Wir haben nämlich in Beziehungen, wie im Rest unseres hektischen Alltags, keine ruhige Minute mehr. Die Frage ist nur, woher kommt dieses Phänomen? Wir leben heute doch in einer Welt, die es einem Dank Yoga, Hygiene, Sushi oder auch der Chirurgie ermöglicht 100 Jahre, oder älter zu werden. Wir hätten also rein physikalisch genug Zeit. Wir nehmen sie uns nur nicht. Ist es die biologische Uhr, die auch schon bei jungen Frauen im Hintergrund leise tickt und mit zunehmenden Alter immer lauter wird, die uns antreibt? Immerhin ist es heutzutage für eine 42-jährige Frau wahrscheinlicher, bei einem Terror-Anschlag ums Leben zu kommen, als noch mal zu heiraten. Mit solchen Informationen auf dem Schirm könnte man auch schon mit 20 Torschlusspanik schieben.
Vielleicht ist es aber auch lediglich der Push fürs eigene Selbstbewusstsein, wenn man einen absolut heißen Feger ins eigene Bett gezerrt hat, den man auch im verkaterten, verwuschelt, mund-geruchigen Morgenlicht so bezeichnen kann. Wenn man das schon mal geschafft hat und der andere einen auch ganz annehmbar findet, besteht auch die nicht total abwegige Möglichkeit, es noch mal zu schaffen. Und bis zu einer Beziehung haben wir es ja dann auch nicht mehr weit. Man bedenke, es muss ja alles schnell gehen.
Die traurige Wahrheit ist, das "Ich-nehme-was-ich-kriegen-kann"-Phänomen ist tatsächlich weit verbreitet. Heute zählt Quantität, nicht mehr Qualität. Da wird man schon mal gefragt: und, mit wie vielen warst du schon im Bett? Und das nicht mehr nur unter Männern. Und dann wird nicht selten stolz vorgerechnet und aufgezählt. Grandios! Aber wen interessiert das? So wird heutzutage Status festgelegt. Von erwähnenswertem Selbstbewusstsein zeugt das nicht. Geschweige denn von wichtigeren persönlichen Qualitäten. Außerdem wird jungen Mädchen schlicht nicht geglaubt, wenn sie behaupten mit 18 noch keinen Freund gehabt zu haben. Das kommt ja fast einer gesellschaftlichen Ächtung gleich, nach dem Motto: nein, du gehörst nicht zu unserem "elitären" Kreis von, für jedermann belegbaren, Bettmatratzen. Sich für den Richtigen oder die Richtige aufsparen? Undenkbar! Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter!
Sexuelle Revolution schön und gut, aber das damit verbundene Mehr an Freiheit bedeutet auch ein Weniger an Fixsternen. Die Regeln, Werte sind lange verglüht und niemand weiß mehr, woran er sich orientieren soll. Deshalb stolpern wir heutzutage von einer Beziehung zur nächsten, und fixieren uns auf die Probleme mit dem Partner. Dann sind wir so abgelenkt, dass man nicht merken kann, wie unwohl wir uns eigentlich mit unbändiger Freiheit fühlen. Wir spielen die Rolle, die der Partner von uns erwartet, und hoffen dass er uns zur Ruhe bringen kann. So weiß jeder was zu tun ist. Endlich!
Man kann aber seine Identität nicht in jemand anderem finden.
Denn wenn Schluss ist mit Beziehung, merken wir, dass wir innerlich doch stehen geblieben sind.

-lf-

2

Diesen Text mochten auch

3 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    kann ich nur zustimmen ...sehr wahre aussagen.

    17.12.2010, 21:30 von missmerkwuerdig
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare